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Hoffenheim feiert – Bayern rätselt

Die Hoffenheimer (v.l.) Nadiem Amiri, Torschütze Mark Uth und Steven Zuber freuen sich über das Tor zum 2:0-Endstand.
Die Hoffenheimer (v.l.) Nadiem Amiri, Torschütze Mark Uth und Steven Zuber freuen sich über das Tor zum 2:0-Endstand. FOTO: dpa
Sinsheim. Julian Nagelsmann wird irgendwann einmal neuer Trainer des FC Bayern München. Wer an dieses Szenario glaubt, hat seit dem Wochenende wieder ein paar mehr Argumente an der Hand. Ulrike John und Sebastian Stiekel

Der deutsche Fußball-Meister verlor am Samstag schon wieder gegen Nagelsmanns TSG 1899 Hoffenheim - diesmal mit 0:2 (0:1). Kurz vor dem ersten Champions-League-Spiel der Saison gegen den RSC Anderlecht (Dienstag, 20.45 Uhr/Sky) gaben die Bayern ein Gesamtbild ab, das sich mit ihren hohen Ansprüchen kaum vereinbaren lässt.

Die Nachlässigkeit dieses Auftritts - so etwas glaubte man, längst hinter sich zu haben. Und dann war da noch Robert Lewandowski, der dem Magazin "Der Spiegel" ein beachtliches Interview gab und sich in den Punkten Transferpolitik und Haltung zum modernen Fußball quer zur Linie seines Vereins legte. "So etwas passiert, das ist kein Beinbruch", sagte Mats Hummels. "Vorausgesetzt, dass wir am besten mit zwei Heimsiegen gegen Anderlecht und Mainz die richtige Reaktion zeigen."

Der einzige, der sich weder von so einem 0:2 noch vom Geraune über Nagelsmann aus der Ruhe bringen lässt, ist der aktuelle Bayern-Coach. Carlo Ancelotti ließ nach dem Spiel sogar ein gemeinsames Foto von sich und seinem 28 Jahre jüngeren Kollegen zu. "Natürlich sind wir enttäuscht", sagte der Italiener nonchalant. "Aber die Leistung des Teams war nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt." Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Selbst Joshua Kimmich sagte dem ZDF hinterher: "Das war absolut zu wenig von uns. In den nächsten Wochen müssen wir noch einige Schippen drauflegen."

Die Bayern waren klar überlegen, aber sie spielten sich kaum klare Torchancen heraus. Und sie verließen sich vor dem ersten von zwei Toren durch Mark Uth (27./51. Minute) darauf, dass der Schiedsrichter schon abpfeifen würde, weil irgendwo in 80 Metern Entfernung noch ein zweiter Ball über das Spielfeld kullerte. Einfach weiterzuspielen und entschlossen nachzusetzen, kam insbesondere den Verteidigern Hummels und Javi Martinez nicht in den Sinn.

Die Fragen sind die gleichen wie vor einem Jahr. Können sich die Bayern weiter solche Auftritte leisten und trotzdem locker deutscher Meister werden? Und vor allem: Reichen Qualität und innere Spannung dieses Teams aus, um endlich wieder die Champions League zu gewinnen? Dass es ihm vor allem um diesen Titel geht, stellte Lewandowski in seinem Interview auch klar. Interessant ist aber vor allem, was der Stürmer über die Vereinspolitik des FC Bayern denkt. "Man ist in den vergangenen Jahren nicht so mit dem Markt gewachsen wie Real Madrid oder Manchester United", sagte er dem "Spiegel". Solche Clubs würden deutlich mehr investieren. Die Bayern müssten sich "etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein weiter Weltklassespieler nach München lotsen will. Und wenn man ganz vorn mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler."

Zum Thema:
Ein Hoffenheimer U14-Spieler hat das Spiel gegen Bayern mit einer schnellen Reaktion mit entschieden. Als die Kugel im Aus landete, warf der Balljunge Andrej Kramaric ein zweites Spielgerät zu. Der blitzschnelle Einwurf des Kroaten landete bei Mark Uth, der ins linke Eck traf.Trainer Julian Nagelsmann sprach grinsend von einer "einheitlichen Ausbildung" im Verein: "Die Balljungs sind angehalten, das Spiel schnell zu eröffnen, das kennen sie aus ihren Teams."

Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann FOTO: dpa