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Hilft der Mercedes-Schock dem Lausitzring?

Im Mai hat Mercedes noch den Sieg von Lucas Auer am Lausitzring gefeiert. Womöglich der letzte Erfolg der Sterne in Klettwitz.
Im Mai hat Mercedes noch den Sieg von Lucas Auer am Lausitzring gefeiert. Womöglich der letzte Erfolg der Sterne in Klettwitz. FOTO: DTM
Stuttgart/Cottbus. Der Wechsel des Herstellers in die Formel E erschüttert das Deutsche Tourenwagen Masters. Die Auswirkungen für die DTM sind nicht absehbar. Auf dem Eurospeedway in Klettwitz hingegen ist nach dem Verkauf ohnehin alles offen. Womöglich auch für die Formel E? Jens Marx, Arno Westerund Jan Lehmann

Ausstieg aus der DTM nach der Saison 2018, rein in die Formel E - diese Neuausrichtung von Mercedes ist für die Traditionsserie DTM ein Schock. Die beiden Konkurrenten BMW und Audi denken jetzt auch neu. Für die Formel E ist es der nächste Schritt auf dem Weg zu einer echten Alternative zur Motorsport-Königsklasse Formel 1. Und für den Lausitzring? Vielleicht ist der Mercedes-Schock nach dem Verkauf an die Dekra sogar eine kleine Chance. Die RUNDSCHAU beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum steigt Mercedes aus?
Technisch bietet die DTM keine große Bühne für Innovationen. Gefahren wird noch immer mit V8-Motoren. Hinzu kommen Diskussionen ums Reglement. Mal über Zusatzgewichte, aber auch um neue Triebwerke. Für 2017 waren Turbos angekündigt, die Einführung wurde auf 2019 verschoben. Begrenzt ist der Markt: Fünf der neun Rennen finden 2017 in Deutschland statt, es gibt je einen Ausflug nach Russland, in die Niederlande, Österreich und Ungarn.

Warum steigt Mercedes in die Formel E ein?
Weil diese Serie in Zeiten von Diesel-Skandalen und Hybrid-Zukunft maßgeschneidert scheint. Gefahren wird mit vollelektrischen Autos. Das heißt: keine Abgase, Saubermann-Image. "Die Formel E ist für uns ein konsequenter Schritt, um die Leistungsfähigkeit unserer batterieelektrischen Fahrzeuge zu demonstrieren", sagt Jens Thiemer, Marketing-Vizepräsident von Mercedes-Benz Cars. Motorsportchef Toto Wolff sagt: "Die Formel E ist eine interessante Plattform, um die Elektrifizierung einem neuen Publikum vorzustellen."

Welche Rolle könnte womöglich der Lausitzring spielen?
Der neue Besitzer Dekra will ab November in Klettwitz Europas größtes unabhängiges Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren errichten. Dafür soll eine Geisterstadt gebaut werden, die realistische Tests ermöglicht. Vernetztes Fahren und Formel E - das passt doch zusammen, oder? Wolfgang Sigloch, Sprecher der Dekra, wollte das am Dienstag auf RUNDSCHAU-Nachfrage nicht kommentieren. Er betonte, dass es bei der grundsätzlichen Aussage bleibe: "Die Dekra wird selbst keine Motorsport-Veranstaltungen ausrichten. Aber wenn ein Veranstalter an den Ring kommen will, dann sind wir jederzeit für Gespräche offen."

Was spricht gegen mögliche Formel-E-Rennen am Lausitzring?
Die ePrix steigen in Metropolen wie New York, Paris oder Hongkong. Berlin war bislang dreimal Gastgeber. Die Rennen in den großen Städten dieser Welt bieten den Herstellern den direkten Weg zur Zielgruppe, einem urbanen Publikum mit Geld für Elektroautos. Der Lausitzring passt also nicht so richtig in das bisherige Konzept der Serie.

Was passiert in der Saison 2018?
Mercedes fährt zum Abschied noch einmal in der DTM - womöglich auch am Lausitzring. Lorenz Liechti, Sprecher des DTM-Promoters ITR, hatte erklärt"Wir befinden uns in Gesprächen mit den relevanten Partnern, um die neue Situation am Eurospeedway Lausitz zu erörtern. Die Dekra ist ein langjähriger, bedeutender Partner der DTM. Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass die Übernahme keine Auswirkungen auf eine DTM-Veranstaltung im kommenden Jahr hat."

Mit wem spricht die Dekra?
Laut Dekra-Sprecher Sigloch ist aktuell noch nichts über mögliche Gespräche mit Rennserien bekannt. Er betonte: "Aktuell befassen wir uns in Sachen Lausitzring mit anderen Themen."

Was machen BMW und Audi?
Beide wollen sich auch mit Werksteams in der Formel E engagieren: Auf ihr DTM-Engagement wollten die Ingolstädter und Münchner deswegen aber eigentlich nicht verzichten. Das Mercedes-Aus könnte zum Umdenken führen. "Es gilt, diese neue Situation zu analysieren und etwaige Alternativen zur DTM zu bewerten", sagte Audi-Motorsportchef Dieter Gass.

Welche Alternativen gäbe es?
Mercedes setzt neben den Formel-E-Plänen vor allem auf sein Formel-1-Engagement. BMW stieg 2009 aus der Königsklasse aus. Die offizielle Tourenwagen-WM fristet nur ein Schattendasein. Audi hatte sich aus der Langstrecken-WM und den 24 Stunden von Le Mans verabschiedet. Ein Ausstieg aus der DTM dürfte BMW und Audi daher schwerer fallen als Mercedes.

Wie reagieren die DTM-Macher?
Die ITR würde den Schritt von Mercedes bedauern, hieß es. Man müsse die Entscheidung respektieren. Der ITR bleibe Zeit, ein Konzept für die Zukunft aufzusetzen.

Welche weiteren Wirkungen hat das Mercedes-Aus?
Ob die ARD nach dieser Saison als Exklusiv-Sender bleibt, ist offen. Laut "FAZ" soll die ARD Interesse an der Formel 1 haben und zum nächsten Jahr RTL ablösen wollen. DTM-Boss Gerhard Berger soll auch schon Kontakt zu RTL aufgenommen haben. Das war allerdings vor der Mercedes-Ankündigung. Für die Verhandlungen mit Sendern über DTM-Übertragungsrechte dürfte die Mercedes-Ankündigung nachteilig wirken.