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| 16:11 Uhr

Aus der Boxengasse
Herzchen in den Lausitzer Augen

 Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: LR / Sebastian Schubert
Für gewöhnlich ist RUNDSCHAU-Sportreporter Jan Lehmann keiner für die Überholspur. Einmal im Jahr aber, wenn der DTM-Zirkus auf dem Lausitzring Station macht, wird auch bei ihm das Rennfahrer-Fieber entfacht. In der Redaktion hofft man derweil, dass er etwaige Blitzer-Knöllchen dann auch selbst bezahlt.

Zugegeben, der Motorsport wurde mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Fahrrad statt Moped, Fußball statt Formel 1, zum Studium gab es ein Bahnticket statt eines tiefer gelegten Golfs.  Wollte man bei mir also den Benzin-im-Blut-Wert messen, dann wäre der in etwa so rekordverdächtig wie die Rundenzeit des alten Ladas 2101 aus der historischen Rennserie HAIGO, die seit gestern beim DTM-Wochenende auf dem Lausitzring im Rahmenprogramm fährt.

Womit wir beim Thema wären:
Gerade weil ich diese Lack-
und-Lautstärke-Liebe nie so richtig verspürt habe, bin ich jedes Jahr aufs Neue fasziniert, wenn erwachsene Männer – und auch Frauen – mit Herzchen in den Augen durchs DTM-Fahrerlager auf dem Lausitzring spazieren. Wenn sie am liebsten direkt unter die Motorhauben kriechen würden und in der Boxengasse verliebt um alle Ecken gucken.

Diese DTM hat seit vielen Jahren ihre treue Anhängerschaft in der Lausitz und ich finde, sie macht das in Sachen Zuschauerfreundlichkeit nahezu perfekt: Alles ist offen, jeder ansprechbar, sogar die Fahrer spazieren fröhlich und publikumsnah über den Lausitzer Asphalt. Dass man beim Pit View quasi direkt in die Box, also ins Herzstück der Teams gucken kann, wäre bei anderen Profi-Sportarten unvorstellbar. Oder haben Sie schon mal bei Bayern München in die Kabine geguckt, wenn Niko Kovac gerade dem Robert Lewandowski vorm Champions-League-Spiel den entscheidenden Laufweg erklärt? Nein, ich auch nicht. Und deswegen habe ich in meinem Sportlerherzen inzwischen auch eine kleine Ecke für diesen Motorsport eingeräumt.

Und wenn die DTM in der Lausitz ist, verspüre ich sogar ein bisschen Rennfieber. Dann setze ich mich etwas tiefer hinters Lenkrad, schalte besonders zackig und stelle mir amüsiert vor, was eigentlich die Familie sagen würde, wenn ich an unseren Kombi einen Spoiler anbauen lassen würde. Vermutlich würde sie mir eine spezielle ärztliche Untersuchung anraten, bei der nicht nur der Benzin-Blut-Faktor gemessen wird.