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Hertha hat Sehnsucht nach Ärger

Warten auf das Ende der Torflaute: Vedad Ibisevic (r.) hat seit seinem 100. Bundesliga-Tor im vergangenen November nicht mehr getroffen.
Warten auf das Ende der Torflaute: Vedad Ibisevic (r.) hat seit seinem 100. Bundesliga-Tor im vergangenen November nicht mehr getroffen. FOTO: dpa
Berlin. In den vergangenen acht Jahren hat Hertha gegen Bayern immer verloren. Jetzt soll München endlich wieder geärgert werden. Dafür muss Berlin aber raus aus seinem Tief. Jens Mende

Der Spieler Pal Dardai hat es erlebt, Michael Preetz auch. Doch das Hochgefühl, gegen die großen Bayern zu gewinnen, stammt weit aus der Vergangenheit. "Ein schönes Gefühl. Aber davon leben wir nicht mehr", erklärte Hertha-Trainer Dardai vor dem nächsten Versuch, die Münchner Startruppe in der Fußball-Bundesliga wieder einmal zu ärgern.

In den vergangenen elf Partien setzte es elf Niederlagen. "Wir haben einen riesigen Respekt, aber wir wollen die Möglichkeit nutzen", ergänzte der Ungar, der vor acht Jahren beim 2:1-Sieg zu den bislang letzten Berliner Bayern-Bezwingern zählte. "Ich habe nach meiner Meniskusoperation zu früh gespielt, ohne Training. Ich habe mich nicht viel bewegt", erinnerte sich Dardai. Damals reichte das manchmal noch gegen die Bayern. Beim 2:1 gegen die Münchner im Dezember 2001 spielte der heutige Chefcoach zusammen mit dem damaligen Torjäger Michael Preetz. "Die Siegerparty fiel noch etwas ausgelassener aus", erinnerte sich der jetzige Manager.

Aktuell sind die Kräfteverhältnisse noch viel extremer verteilt, betonte Dardai: "Selbst wenn die Bayern nicht so gut drauf sind, müssen wir über uns hinauswachsen, um irgendetwas mitzunehmen." Für Hertha ist die Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) vor erwarteten 74 667 Fans "eine fantastische Herausforderung", sich aus einer schwierigen Phase mit bisher nur einem Sieg 2017 herauszuarbeiten, meinte Preetz: "Da taugt so ein Spiel eigentlich ganz gut." Der Trainer weiß um die Gefahr, wie im Vorjahr wieder aus der Europacup-Zone zu stürzen. Noch hält Hertha mit 33 Zählern Rang sechs. "Wir haben von den letzten sieben Bundesligaspielen nur zwei gewonnen, das ist zu dünn", betonte Dardai.

Ob die jüngste 5:1-Gala der Münchner gegen den FC Arsenal in der Champions League nun schlecht oder gut für die Berliner ist, werde sich zeigen, bemerkte der Trainer. Auf jeden Fall gelte: "Wir müssen einen Tick aggressiver verteidigen, noch enger zusammenrücken, noch besser mit dem eigenen Ballbesitz umgehen. Und wir reden über Tagesform", sagte Dardai. Das betrifft vor allem seine Offensivkräfte Vedad Ibisevic und Salomon Kalou, die derzeit nach der Torgefahr aus der Hinrunde fahnden. Ibisevic hat seit seinem 100. Bundesliga-Tor im vergangenen November nicht mehr getroffen. Kalou leistete sich zuletzt auf Schalke (0:2) einen mitentscheidende Defensiv-Fehler. "Vertrauen ist das Wichtigste bei den so genannten Künstlern", bemerkt Dardai zu einem der größten Probleme derzeit.

Er hat im Training "ganz ein fache" Dinge üben und viele Flanken schlagen lassen, "damit der Ball ins Netz fliegt". Vor zwei Jahren, als Kalou auch geschwächelt hatte, nahm Dardai im Training sogar den Keeper aus dem Tor, damit der Ivorer wieder traf. "Aber soweit sind wir jetzt noch nicht. Das sind beides erfahrene Spieler. Sie wissen schon, wie sie da rauskommen." Gegen Bayern wäre das besonders wichtig. Denn Manager Preetz erinnerte: "Eines bleibt gleich: Wir müssen einen finden, der das Siegtor schießt!"

Zum Thema:
Bayern-Trainer Carlo Ancelotti erwartet ein "schwieriges" Spiel nach dem kraftraubenden Abend gegen den FC Arsenal. "Wir hatten nicht viel Zeit zum Erholen", sagte der Italiener: "Vielleicht kann ich einige Rotationen machen." Thomas Müller dürfte in die Startelf rücken. Auch Joshua Kimmich, Juan Bernat, Rafinha, Renato Sanchez und Kingsley Coman stehen zur Verfügung.