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Turnen
Held mit Herkules-Aufgabe

Andreas Toba bereitet sich in Cottbus auf die Pauschenpferd-Übung vor. Dort reichte es nicht zum Finale, aber an den Ringen ist er dabei.
Andreas Toba bereitet sich in Cottbus auf die Pauschenpferd-Übung vor. Dort reichte es nicht zum Finale, aber an den Ringen ist er dabei. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Cottbus. „Hero de Janeiro“ Andreas Toba zieht beim Turnier der Meister ins Weltcup-Finale ein. Seine olympische Geschichte sorgt auch in Cottbus für Aufmerksamkeit. Von Jan Lehmann

Entschlossener Blick, alle Muskeln sind angespannt. Andreas Toba umgreift mit beiden Händen fest die Pauschen. Er ist der „Hero de Janeiro“, der deutsche Turn-Held von den Olympischen Spielen 2016. Toba sagt am Donnerstag: „Diese Bezeichnung gehört inzwischen zu mir wie mein Geburtstag. Daran kann ich nichts ändern.“ Er kämpft beim 42. Turnier der Meister in der Cottbuser Lausitz-Arena um den Einzug ins Weltcup-Finale.

Als der 27-Jährige sich aufs Pauschenpferd schwingt, kommen die Erinnerungen an jenen Olympia-Samstag vor anderthalb Jahren hoch. Bei seiner Boden-Übung in Rio hatte sich Toba das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Um dem deutschen Team zu helfen, ging er trotz dieser Verletzung noch ans Pauschenpferd. Dort turnte Toba mit kaputtem Knie die punktbeste Übung der Deutschen und verhalf seinem Team so noch zum Final-Einzug. Eine Heldengeschichte, mit Schmerzen, Mut und Tränen.

Großes olympisches Kino, das weltweite Resonanz fand. Toba kommt zwar ohne Medaille und schwer verletzt zurück, doch plötzlich ist er in Deutschland bekannt. Sein Facebook-Kanal wird zur Klickmaschine, zu einer Pressekonferenz kommen hundert Reporter. Toba ist im Bundestag zu Gast, bekommt den „Manfred-von-Richthofen-Solidaritätspreis“ und den „Bambi“ – er ist das neue deutsche Symbol für Teamgeist und Einsatzbereitschaft. Auch beim Turnier der Meister in Cottbus zieht er alle Blicke auf sich.

Keine Frage, diese „Hero“-Geschichte hat Toba vermutlich mehr Aufwind gegeben als es eine Olympia-Medaille getan hätte. Er ist inzwischen ein gefragter Mann, sein Gesicht ist bekannt. Europas erfolgreichste Turnshow „Feuerwerk der Turnkunst“ wirbt groß damit, dass Toba jetzt dort auftritt. Und seit Neuestem gibt es in Hannover ein Bistro namens „Hero’s“, betrieben von Toba und einem Jugendfreund.

Doch der 27-Jährige versucht, den Turnhallenboden unter den Füßen zu behalten. Er betont immer wieder, dass er kein Held, sondern ein Turner sei. Toba beschreibt, dass ihm die vielen Auszeichnungen fast schon peinlich seien und die Schmerzen damals im Finale von Rio erträglich waren. Die schwierigste Zeit sollte ohnehin erst nach der inzwischen legendären Übung am Pauschenpferd kommen. Nachdem das Kreuzband nach der Operation wieder verheilt war, riss bei dem Hannoveraner der Meniskus, dazu kam eine bakterielle Infektion.

Anderthalb Jahre und drei Operationen später hat sich Toba wieder zurückgekämpft. Er beschreibt am Rande des Cottbuser Weltcups: „Ich werde immer fitter. Aber das dauert halt seine Zeit.“ Wenn man so will, hat der deutsche Held jetzt eine Herkulesaufgabe. Denn durch den „Hero“-Status sind auch die Erwartungen gewachsen. Dabei hat er international bisher nur einmal Weltcup-Bronze am Pferd gewonnen. Tobas Fernziel ist Olympia 2020 in Tokio. „Diesem Ziel ordne ich alles unter“, sagt der Hannoveraner.

Doch der Weg dahin ist noch weit. Das wird auch in Cottbus deutlich. Toba steigt unfreiwillig vom Pferd, verpasst das Finale. Wenig später kann er jedoch jubeln. Als Vorkampf-Achter kämpft er sich an den Ringen in den Endkampf. Am Freitag hat der „Hero de Janeiro“ am Reck eine weitere Chance. Eine Weltcup-Medaille ist also zumindest in Reichweite – und wäre für den Turner Toba wahrscheinlich wichtiger, als die ganzen Ehrungen für den Helden Toba.

ARCHIV - Andreas Toba von Deutschland in Aktion am 06.08.2016 am Pferd während der Turn-Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2016 in in der Rio Olympischen Arena, in Rio de Janeiro, Brasilien. (zu dpa-Meldung: «Attraktion zum Turnfest: Olympia-Turner Toba gibt Comeback am Pferd» vom 01.06.2017) Foto: Lukas Schulze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
ARCHIV - Andreas Toba von Deutschland in Aktion am 06.08.2016 am Pferd während der Turn-Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2016 in in der Rio Olympischen Arena, in Rio de Janeiro, Brasilien. (zu dpa-Meldung: «Attraktion zum Turnfest: Olympia-Turner Toba gibt Comeback am Pferd» vom 01.06.2017) Foto: Lukas Schulze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit FOTO: Lukas Schulze / DPA
Diese Tränen gingen um die Welt. Mit seinem tapferen Auftritt bei den Olympischen Spielen wurde Andreas Toba 2016 berühmt.
Diese Tränen gingen um die Welt. Mit seinem tapferen Auftritt bei den Olympischen Spielen wurde Andreas Toba 2016 berühmt. FOTO: Lukas Schulze