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Radsport
Heimspiel mit Heimat-Nähe für Levy

Erfolgreicher Bahnsprinter: Maximilian Levy vom RSC Cottbus ist vierfacher Weltmeister. Bei der EM in Berlin geht er drei Mal an den Start.
Erfolgreicher Bahnsprinter: Maximilian Levy vom RSC Cottbus ist vierfacher Weltmeister. Bei der EM in Berlin geht er drei Mal an den Start. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Bei der Bahnrad-Europameisterschaft in Berlin kann der Sprinter aus Cottbus seine große Karriere emotional krönen. Von Frank Noack

Er ist der Allergrößte – in Berlin sowieso, aber auch in ganz Deutschland. Maximilian Levy hat seine Fans in dieser Woche mit einem kleinen Videoclip unter dem Fernsehturm am Alexanderplatz auf die Bahnrad-Europameisterschaft im Velodrom eingestimmt. Mit einer Höhe von 368 Metern ist der Fernsehturm das höchste Bauwerk hierzulande – und auch Levy will bis Sonntag möglichst hoch hinaus. Bei der EM geht er an diesem Donnerstag im Teamsprint an den Start, am Freitag folgt der Sprint-Wettbewerb und am Sonntag dann Keirin.

Maximilian Levy ausgerechnet unter dem Fernsehturm – das ist natürlich kein Zufall. Denn der 30-jährige Vierfach-Weltmeister wurde in Berlin geboren. Die EM ist für Levy also ein Heimspiel im besten Sinne des Wortes. „Hi, vom großen Platz. Hier bin ich großgeworden – Alexanderplatz in Berlin“, erzählt er seinen Fans in dem Videoclip voller Vorfreude auf die viertägigen Wettkämpfe im Velodrom an der Landsberger Allee.

Mehr Heimspiel geht eigentlich nicht. Denn das Vivantes-Klinikum Friedrichshain, wo Levy am 26. Juni 1987 das Licht der Welt erblickte, ist nur einen Kilometer vom Velodrom entfernt. Und auf dem Velodrom hat er als Steppke auch seine ersten Hallenrunden gedreht – damals gewann er im Trikot des TSC Berlin den Berliner Bahnpokal, eine Rennserie für Nachwuchsfahrer.

Auch wenn die nächsten Tage in Berlin also ein überaus emotionales Heimspiel für Maximilian Levy werden dürften – seine Heimat hat er mittlerweile in Cottbus gefunden. Seit über 17 Jahren lebt der ehemalige Schüler der Lausitzer Sportschule hier. „Ich bin zwar in Berlin geboren, aber meine Heimat ist Cottbus“, sagt Levy. Mit Ehefrau Madeleine – einer ehemaligen Radsportlerin – sowie den Töchtern Tessa (4 Jahre) und Mila (1) lebt er inzwischen im Cottbuser Ortsteil Döbbrick. Er ist Mitglied des RSC Cottbus, auch wenn er für das Chemnitzer Erdgas-Team fährt. Und Levy ist beim Vattenfall-Nachfolger Leag mit Sitz in Cottbus im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt.

Aber die Hauptstadt muss trotzdem nicht traurig sein und um den verlorenen Sohn weinen. Im Gegenteil: Denn im Velodrom könnte die ohnehin schon erfolgreiche Karriere des Cottbuser Sprinters in emotionaler Hinsicht ihre Krönung bekommen. Levy ist zwar schon vierfacher Weltmeister: im Keirin 2009, Teamsprint 2010, Teamsprint 2011 und Teamsprint 2013. Und er hat bei Olympia Bronze im Teamsprint 2008 und 2012 sowie Silber im Keirin 2012 gewonnen. Aber das waren alles Auswärtsspiele: in Peking, London oder Minsk.

Stolzer Papa: Max Levy mit Ehefrau Madeleine sowie den Töchtern Tessa (4 Jahre) und Mila (1).
Stolzer Papa: Max Levy mit Ehefrau Madeleine sowie den Töchtern Tessa (4 Jahre) und Mila (1). FOTO: Privat / LR

Mit der EM in Berlin darf die Bahnradsport-Generation um Levy nun erstmals eine große Meisterschaft im Elitebereich vor heimischem Publikum fahren. „Klar, ist das eine zusätzliche Motivation. Aber ich versuche, mich von dem Drumherum nicht ablenken zu lassen“, erklärt Levy und bittet schon vorab seine Fans um Verständnis, wenn er sich diesmal mehr abschottet, als man es sonst von ihm gewöhnt ist: „Beim Sprintercup in Cottbus oder auch beim Berliner Sechstagerennen nehme ich mir gern Zeit für die Fans, für Freunde und Familie. Eine EM ist allerdings schon eine andere Hausnummer.“ Dort ist deutlich mehr Konzentration gefragt. Dort will sich Levy auf den Punkt konzentrieren, um absolute Höchstleistungen abrufen zu können.

Im Jahr 1999, als die Bahnrad-Weltmeisterschaft zum vorerst letzten Mal in Berlin stattfand, war Levy natürlich als Zuschauer dabei. Damals holte der Chemnitzer Jens Fiedler den Titel im Keirin. Wenn alles gut läuft, könnte Maximilian Levy jetzt im Velodrom in seine Fußstapfen treten – bei seinem Heimspiel. Oder wie der Berliner sagen würde: Dit wäre echt dit Jrößte!

Die Rennlizenz des TSC Berlin aus dem Jahr 1997.
Die Rennlizenz des TSC Berlin aus dem Jahr 1997. FOTO: LR
Levy mit dem Berliner Bahnpokal 1999.
Levy mit dem Berliner Bahnpokal 1999. FOTO: LR