| 02:40 Uhr

HC Leipzig – Absturz in Bedeutungslosigkeit?

Die Zukunft von Trainer Norman Rentsch beim HC Leipzig ist offen. Der 37-Jährige hat bis 2003 in Cottbus Handball gespielt und ist seit drei Jahren Coach beim FC Bayern des deutschen Frauen-Handballs. Doch nun wird der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete HCL womöglich abgewickelt und kehrt nie wieder auf die große Handballbühne zurück.
Die Zukunft von Trainer Norman Rentsch beim HC Leipzig ist offen. Der 37-Jährige hat bis 2003 in Cottbus Handball gespielt und ist seit drei Jahren Coach beim FC Bayern des deutschen Frauen-Handballs. Doch nun wird der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete HCL womöglich abgewickelt und kehrt nie wieder auf die große Handballbühne zurück. FOTO: dpa
Leipzig. Die Handballerinnen waren einst das sportliche Aushängeschild der Messestadt. Nun erhält der verschuldete HCL keine Lizenz mehr. Sandra Degenhardt

TuS Walle Bremen und TV Lützellinden waren einst klangvolle Namen des deutschen Frauen-Handballs. Holten Titel über Titel. Doch sie sind lange Geschichte. Das gleiche Schicksal droht nun dem HC Leipzig, der nach der Lizenzverweigerung den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten muss. Auch eine Insolvenz steht wieder im Raum - nicht ausgeschlossen, dass die einstige sportliche Topadresse Leipzigs wie Bremen und der TVL abgewickelt wird und nie auf die große Handballbühne zurückkehrt.

Das will der mit 1,3 Millionen Euro verschuldete sechsmalige deutsche Meister aber mit aller Macht verhindern und legte am Freitag fristgemäß Beschwerde gegen die Entscheidung der Handball Bundesliga Frauen (HBF) ein. Nach ausführlicher interner Beratung unter Hinzuziehung von erfahrenen Juristen vertritt der HCL die Auffassung, dass die Entscheidung vom 1. Juni, die Lizenz nicht zu erteilen, seitens der HBF fehlerhaft ist, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Erfolgsaussichten sind aber fraglich. Am Donnerstag hatte die HBF dem HCL die am 19. Mai vorläufig erhaltene Lizenz entzogen. Der HCL habe die Bedingung zur endgültigen Lizenzerteilung nicht erfüllt.

Der HCL um Manager Kay-Sven Hähner steht vor einem Scherbenhaufen. Wie konnte es so weit kommen? Die sportliche Konkurrenz durch RB Leipzig in der Fußball-Bundesliga und den SC DHfK Leipzig in der Männer-Handball-Bundesliga ist übermächtig. Das Interesse der Fans hat sich verschoben, die Zuschauerzahlen beim HCL sanken stetig, auch weil die sportlichen Erfolge von einst ausblieben. So reduzierten Sponsoren ihr Engagement oder gingen ganz oder zahlten nicht mehr.

Unter Hähner, bisheriger Alleinentscheider, wurden Schulden von 1,3 Millionen Euro angehäuft. "Ich habe meine Anteile daran, dass die Situation so ist, wie sie ist", hatte er vor Wochen bei Offenlegung der Misere zugegeben. Offensichtlich lebte der HC Leipzig die letzten Jahre über seine Verhältnisse. Die Kontrollgremien hätten angesichts der Bilanzen reagieren müssen. Der Ausverkauf ist längst vollzogen, alle Top-Spielerinnen weg. Auch der Verbleib von Trainer Norman Rentsch, dem ehemaligen Cottbuser, ist fraglich.

Deutschlands Rekordnationalspielerin Grit Jurack hofft auf einen Neuanfang ihres Ex-Clubs. "Der Frauen-Handball war jahrelang das alleinige Aushängeschild der Stadt und ich finde es sehr schade, dass das jetzt kaputt geht", sagte die gebürtige Leipzigerin am Freitag. "Ich hoffe, dass es einen Neuanfang gibt." Ihre frühere Teamkollegin Carola Ciszewski glaubt, "dass es sehr schwer wird, den Weg aus der 3. Liga wieder zurück in die Bundesliga zu schaffen".

Grit Jurack sieht in dem Scheitern des einstigen Vorzeigeclubs auch die "Chance, in Leipzig eine richtig gute Nachwuchshochburg aufzubauen und damit den Angriff zumindest in die 2. Bundesliga aufzunehmen." Der HC Leipzig hat eine hervorragende Nachwuchsarbeit, die B-Jugend wurde gerade deutscher Meister. Bei einer Insolvenz dürfte Leipzig aber zwei Jahre nicht in die 2. Liga aufsteigen.