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| 17:34 Uhr

Turnen
Hambüchen-Klub gibt in Bundesliga auf

Kraftanstrengungen sind bei Ex-Kunstturner Fabian Hambüchen derzeit gefragt. So bemüht er sich, die Turner seines Vereins KTV Obere Lahn an andere Bundesligisten zu vermitteln. In Cottbus gibt es kein Interesse.
Kraftanstrengungen sind bei Ex-Kunstturner Fabian Hambüchen derzeit gefragt. So bemüht er sich, die Turner seines Vereins KTV Obere Lahn an andere Bundesligisten zu vermitteln. In Cottbus gibt es kein Interesse. FOTO: dpa / Tobias Hase
Cottbus. Cottbuser Kontrahent zieht Team zum Saisonende zurück und will sich künftig auf den Nachwuchs konzentrieren. Von Sven Hering

Diese Nachricht hat Mirko Wohlfahrt mit durchaus gemischten Gefühlen entgegengenommen. In dieser Woche wurde bekannt, dass die KTV Obere Lahn zum Saisonende ihre Bundesligamannschaft aus der Deutschen Turnliga (DTL) zurückziehen wird. „Der Verein hat uns am vergangenen Wochenende über diesen Sachverhalt in Kenntnis gesetzt“, sagte Wohlfahrt, der nicht nur das Turnier der Meister in Cottbus organisiert, sondern auch in der Deutschen Turnliga der zuständige Abteilungsleiter ist.

Der frühere Club von Olympiasieger Fabian Hambüchen habe vor allem die immensen Belastungen des Bundesligaengagements angegeben, die für den 90 Mitglieder starken Verein nicht mehr zu bewältigen seien. „Da wird sehr viel über das Ehrenamt gemacht“, so Wohlfahrt. Das sei auf Dauer aber nicht zu stemmen. Wirtschaftliche Gründe hätten für den Schritt des Tabellenvierten so gut wie keine Rolle gespielt.

Stattdessen wollen die Mittelhessen den Fokus ihres Schaffens künftig wieder voll auf die Nachwuchsarbeit ausrichten. Einen Schritt, den Wohlfahrt wiederum begrüßt. „Das ist auch unser Ansatz in Cottbus“, betont er. Allerdings setzt der SC weiter auf Bundesliga-Präsenz. „Die Bundesliga ist für uns eine Ausbildungsplattform, eine gute Leistungsbewertung“, erklärt Wohlfahrt. „Die Dinge, die im Training einstudiert werden, können hier im Wettkampf ausprobiert werden.“

Am Samstag gastieren die Cottbuser bei der KTV Obere Lahn. Die zweite Saisonhälfte, die mit dem DTL-Finale in Ludwigsburg am 1. Dezember endet, will das Team der KTV um die beiden Nationalturner Lukas Dauser und Nick Klessing bis zu ihrem Ende bestreiten.

Sollte kein anderer Verein die Lizenz der KTV übernehmen, habe der Rückzug nur Auswirkungen auf das Bundesliga-Aufstiegsfinale und die nachrückenden Vereine in den unteren Ligen, so Wohlfahrt. Eine solche Lizenzübernahme wäre dann möglich, wenn von den Turnern mindestens fünf in den anderen Verein eingetreten sind. Und das bis spätestens sechs Wochen vor Jahresende.

Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen hat sich derweil enttäuscht über den angekündigten Rückzug seines Vereins aus der Turner-Bundesliga gezeigt. „Es ist bitter, dass die KTV in dieser Konstellation nicht mehr weitermacht. Vor allem ist es schade, dass dieses Thema so spät kommuniziert wurde. Sonst hätte man über eine Neugründung des Teams in Wetzlar oder eine Fusion mit der Siegerländer KV nachdenken können“, sagte Hambüchen am Freitag.

Hambüchen, der vier der insgesamt sechs Bundesligajahre bei der KTV mit bestritt, hatte immer eine intensive Beziehung zu dem Verein. Im Moment bemüht er sich, die Top-Turner des derzeitigen Bundesliga-Vierten wie Ex-Vize-Europameister Lukas Dauser oder Nick Klessing in andere Vereine zu vermitteln.

Möglicherweise eine Chance für den SC Cottbus, sich mit einem Top-Star zu verstärken? Mirko Wohlfahrt schließt das aus. „Ich bin zwar nicht der Verein, aber wir verfolgen bei uns eine grundsätzlich andere Philosophie“, sagte er. Wirtschaftlich sei ein Turner vom Schlage eines Fabian Hambüchen zu dessen aktiver Zeit nicht darstellbar. Wohlfahrt: „Das Geld, das wir dafür bräuchten, stecken wir lieber in 50 Nachwuchs­sportler.“ ⇥(

Mirko Wohlfahrt: Eigener Nachwuchs statt teurer Stars.
Mirko Wohlfahrt: Eigener Nachwuchs statt teurer Stars. FOTO: Privat