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| 02:38 Uhr

"Gummistiefel und nur plattdeutsch"

Die Euphorie im Emsland ist groß. Nach 19 Jahren ist der SV Meppen zurück im bezahlten Fußball.
Die Euphorie im Emsland ist groß. Nach 19 Jahren ist der SV Meppen zurück im bezahlten Fußball. FOTO: dpa
Meppen. "Ich spiel doch nicht in Meppen", sagte Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher einst. Lange Zeit musste das in der Liga auch kein Proficlub mehr. Nun ist der emsländische Kleinstadtclub zurück in der 3. Liga. Carsten Lappe

Die Horrorvorstellung vieler Profi-Fußballer der 1980er und 1990er Jahre ist zurück. Am Wochenende startet die 3. Liga - mit dem SV Meppen. "Klar, Meppen, das ist doch immer das alte Thema: Gummistiefel, die sprechen nur plattdeutsch, keiner will dahin", sagte Clubpräsident Andreas Kremer vorm ersten Heimspiel gegen Zweitliga-Absteiger Würzburger Kickers (Samstag, 14 Uhr/NDR).

Mit dem Klischee haben die Emsländer kein Problem, im Gegenteil. Allzu gerne würde sich der Club aus der 35 000-Einwohner-Stadt nahe der niederländischen Grenze wieder in der Nische einnisten. So wie einst zu seligen Zweitligazeiten. Elf Jahre lang, zwischen 1987 und 1998, galt Meppen als Synonym für die bedeutungslose Unterklassigkeit im Fußball. Jeder abstiegsbedrohte Bundesligist musste den Spott gegnerischer Fans ertragen. "Ab nach Meppen" oder "Wo liegt Meppen?" gehörte zum Standard-Repertoire der Gemeinheiten.

Meppen war Kult. "Jeder kennt den Club, und jeder mochte uns irgendwie", sagte Kremer. Anfangs nur mit emsländischen Spielern pflegte der Verein sein Underdog-Image. Später, als sich der längst etablierte Zweitligist öffnete, sorgte er mit Paul Caligiuri, Marko-Olavi Myyry oder Rainer Raufmann für Furore und stand 1995 sogar kurz vor dem Bundesliga-Aufstieg.

Dann verschwand der SV Meppen rund zwei Jahrzehnte lang fast komplett aus dem deutschen Fußball-Bewusstsein. 2001 kam die Insolvenz, es ging in die Amateur-Niederungen. Seit Kremer, Geschäftsführer eines von ihm gegründeten Kommunikationsdienstleisters, den Verein 2008 übernahm, ging es wirtschaftlich und sportlich wieder aufwärts. Seit 2010 ist der Club schuldenfrei.

Es folgte der Aufstieg in die Regionalliga und unter Trainer Christian Neidhart Ende Mai in der Relegation gegen Mannheim der Drittliga-Aufstieg nach Elfmeterschießen. "Nach Schlusspfiff habe ich so geweint. Es ist eine unglaubliche Last von mir abgefallen", sagte Kremer der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Nach dem Aufstieg verpflichte Kremer den früheren Nationalspieler Ronald Maul als Geschäftsführer. Der dämpft die Erwartungen. "Ich bin ein Freund der kleinen Schritte. Unser Ziel lautet, in der Liga zu bleiben", sagte Maul der "Nordwestzeitung".

Der Club kalkuliert mit einem Gesamtetat von nur etwa 3,5 Millionen Euro. Dennoch können sich beide der Begeisterung nicht entziehen. "Mich beeindruckt die riesige Euphorie hier im Emsland", sagte Maul. Die wurde am Mittwochabend durch das Aus in der ersten Runde im Niedersachsenpokal beim Oberligisten VfB Oldenburg etwas gedämpft. Dennoch erwartet Kremer gegen Würzburg "zwischen 5000 und 6000 Zuschauer". Gespielt wird zunächst noch auf einer halben Baustelle. Nach dem Aufstieg muss das knapp 14 000 Zuschauer fassende Stadion gemäß der DFB-Anforderungen modernisiert werden. Zwei Millionen Euro werden investiert.