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Großer Sport mit Kluge – aber kleine Kulisse

Lokalmatador Roger Kluge (l.) gewann den letzten Sprint und somit die Gesamtwertung gemeinsam mit Theo Reinhardt.
Lokalmatador Roger Kluge (l.) gewann den letzten Sprint und somit die Gesamtwertung gemeinsam mit Theo Reinhardt. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Die Cycling Days Cottbus waren sportlich ein Erfolg. Mit Roger Kluge und Stefan Schäfer setzten sich die Lokalmatadore durch. Doch nur wenige Fans schauten zu. Deshalb soll es Änderungen geben. Frank Noack

Als Lokalmatador Roger Kluge am Samstagabend im hellen Scheinwerferlicht der Cottbuser Radrennbahn den letzten und packendsten Sprint gegen den kleinen Niederländer Yoeri Havik für sich entscheiden konnte, kamen die Fans des Zweiermannschaftsfahrens voll auf ihre Kosten - zumindest jene, die da waren. Die Premiere der International Cycling Days als Nachfolger der Cottbuser Nächte bot an beiden Tagen hochklassigen Sport mit sehr ordentlich besetzten Teilnehmerfeldern. Trotzdem blieben viele der roten Schalensitze auf der Radrennbahn leer. "Wir haben viele spannende Rennen gesehen. Damit können wir sehr zufrieden sein. Nicht zufriedenstellend sind die Zuschauerzahlen", erklärt Cheforganisator und Geschäftsführer Eberhard Pöschke vom gastgebenden RK Endspurt Cottbus. Am Freitagabend waren es etwa 300 Besucher, am Samstagabend noch weniger.

Am sportlichen Angebot kann es nicht gelegen haben, auch wenn die französischen Weltmeister Morgan Kneisky und Benjamin Thomas kurzfristig absagen mussten. Mit Lokalmatador Roger Kluge und Theo Reinhardt setzte sich jenes Duo durch, dass Deutschland auch bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio vertreten will. "Das sah doch schon ganz gut aus und war ein guter Auftakt. Ich hoffe, wir haben jetzt erfolgreiche drei Jahre vor uns", betont Kluge.

Das Duo setzte sich in einem spannenden Finale gegen die Niederländer Nick Stöpler und Yoeri Havik durch. Auf Rang drei bei diesem Zweiermannschaftsrennen nach dem Sixdays-Modus fuhr der Finsterwalder Henning Bommel mit Leif Lampater aus Schwaikheim. Nico Heßlich aus Cottbus und der junge Moritz Malcharek vom LKT Team Brandenburg be legten den 8. Platz.

Die Endscheidung über den Gesamtsieg fiel erst im Zielsprint der letzten Jagd, als sich Kluge unter dem Jubel der kleinen Fangemeinde vor Yoeri Havik durchsetzte und damit die knappe Führung nach Punkten behauptete. Zuvor hatte das Duo im letzten Drittel der Jagd mit einem Rundengewinn den Grundstein für den Erfolg gelegt.

"Es ist immer wieder schön, nach Cottbus zurückzukommen - vor allem natürlich mit einem Sieg", erklärt Kluge. Der Ex-Schüler der Lausitzer Sportschule wurde beim RK Endspurt ausgebildet und fährt jetzt für das Profiteam Orica-Scott.

Auch Stefan Schäfer als Sieger der im Rahmenprogramm ausgetragenen Steher-Konkurrenz schwärmte von den Bedingungen im Cottbuser Radstadion. "Die überdachte Bahn ist wirklich klasse für uns Steher, weil sie kaum Unebenheiten hat. Für mich ist ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, hier ein Steherrennen fahren zu dürfen", sagt der Europameister und vierfache deutsche Meister in dieser Disziplin. Schäfer fuhr mit Schrittmacher Peter Bäuerlein zum Sieg, hatte dabei aber harte Gegenwehr von Franz Schiewer mit Schrittmacher Gerhard Gessler. Der dritte Platz ging an die beiden Niederländer Parick Kos und René Kos, die den Lokal matadoren vom RK Endspurt wie erwartet den Vortritt lassen mussten.

Schäfer ärgerte sich ebenfalls über die vielen leeren Plätze auf den Rängen. Zumal es den Veranstaltern trotz Werbung vor Ort augenscheinlich nicht gelungen ist, die zahlreichen Fans aus der benachbarten Steher-Hochburg Forst für diese Veranstaltung in Cottbus zu begeistern. Stefan Schäfer: "Die Stimmung unter dem Flutlicht war geil. Umso enttäuschter bin ich, dass kaum ein Forster den Weg nach Cottbus gefunden hat."

Als Roger Kluge und Yoeri Havik am Samstagabend Rad an Rad dem Ziel entgegensprinteten, verloren sich höchstens mehrere Dutzend Besucher auf der Haupttribüne. Fest steht: Die Organisatoren von Endspurt Cottbus wollen weitermachen - die International Cycling Days soll es auch im nächsten Jahr geben. Wann und wie, ist allerdings offen. Geschäftsführer Eberhard Pöschke erklärt auf Nachfrage der RUNDSCHAU: "Wir haben jetzt Ferienzeit. Das hat uns Zuschauer gekostet. Deshalb müssen wir den Termin überdenken. Weiter machen wollen wir aber auf jeden Fall. In welcher Form, müssen wir mit dem Vorstand entscheiden."

Zum Thema:
Madison: 1. Roger Kluge (Cottbus)/Theo Reinhard (Berlin) 217 Punkte, 2. Nick Stöpler/Yoeri Havik (Niederlande) 207, 3. Leif Lampater (Schwaikheim)/Henning Bommel (Finsterwalde) 183, 4. Tristan Marget/Claudio Imhof (Schweiz) 174, 5. Christian Grasmann (Holzkirchen)/Maximilian Beyer (Berlin) 173, 6. Steven Burke/Kian Emadi (Großbritannien) 162, 7. Marc Hester/Jesper Mörkov (Dänemark) 129, 8. Nico Heßlich (Cottbus) /Moritz Malcharek (LKT) 118, 9. Kersten Thiele (Sinsheim)/Marcel Kalz (Berlin) 97, 10. Melvin van Zijl/Joost van der Burg (Niederlande) 71. Steher: 1. Stefan Schäfer (Cottbus)/Peter Bäuerlein 10 Punkte, 2. Franz Schiewer (Cottbus)/ Gerhard Gessler 10, 3. Patrick Kos (Niederlande)/René Kos 14, 4. Robert Retschke (Aachen)/Holger Ehnert 21, 5. Thomas Steger (Nürnberg)/Thomas Ruder 22, 5. Stefan Lange (Rostock)/Heinz Spielmann 28. Bilder von beiden Renntagen: www.lr-online.de/bilder