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Goldmedaille zwischen Fleischbrühe und Cheeseburger

Den schwer erkämpften WM-Gürtel wollte Frank Stäbler in Paris unbedingt vor traditionsreicher Kulisse in Szene setzen.
Den schwer erkämpften WM-Gürtel wollte Frank Stäbler in Paris unbedingt vor traditionsreicher Kulisse in Szene setzen. FOTO: Jens Körner/24Passion/dpa
Paris. Das Erfolgsrezept für Weltmeister Frank Stäbler war einmal mehr ein Gericht seiner Mama. Nach acht Kilo Gewichtsverlust bei der WM brauchte der Ringer aber dringend Fast Food. Frank Kastner

Nach seinem historischen zweiten WM-Titel plagte Ringer-Champion Frank Stäbler nur noch der Heißhunger. "Ich brauche jetzt unbedingt einen Burger oder ein großes Stück Torte. Aber im Hotel gibt es nichts mehr", meinte der Griechisch-Römisch-Spezialist. Wenige Minuten zuvor hatte der 28-Jährige als erster deutscher Ringer das Kunststück fertiggebracht, zwei WM-Gürtel in zwei Gewichtsklassen (66 und 71 Kilogramm) zu holen. Und das innerhalb von nur zwei Jahren. Kurz vor Mitternacht organisierte sein Manager dann den ersehnten Cheeseburger. Genuss pur nach qualvollen Tagen.

Die Tortur von sechs Kämpfen innerhalb von zehn Stunden hatte Spuren hinterlassen - acht Kilo von der Qualifikation bis nach dem Finalkampf gegen den Kasachen Demeu Schadrajew (8:3). Zur Erinnerung: Um beim offiziellen Wiegen am Abend vor dem Wettkampf auf die geforderten 71 Kilogramm zu kommen, hatte der 28-jährige Musberger in fünf bis sechs Tagen sechs Kilogramm abgenommen. In den vergangenen zwei Tagen gab es dann gerade mal einen kleinen Schluck Wasser. Als Ausnahme durfte er morgens ein Honigbrot essen - natürlich ohne Butter.

Doch dank der selbst gemachten Fleischbrühe mit Tafelspitz von Mama Michaela waren über Nacht pünktlich zum Wettkampf am Montag in der Qualifikation wieder fünf Kilogramm mehr auf den Rippen. Dann ging es mit dem Gewicht im Laufe des Wettkampfes wieder rapide bergab.

Dieses Gewichts-Jojo kennt Stäbler aber seit Jahren. Als er bis zu den Olympischen Spielen in Rio noch im Limit bis 66 Kilogramm startete, musste er in der Regel immer bis zu acht Kilogramm abnehmen, verlor aber auch eine Menge Kraft und Substanz. "Es war immer der schwere Wettkampf vor dem Wettkampf", erinnert sich der Ausnahmekönner und gab nach seinem Gold-Coup am Montag in Paris offen zu: "Die Kraft war irgendwann weg, doch ich habe es irgendwie über die Zeit gebracht."

Der Ringer-Weltverband hat für das kommende Jahr bereits neue Regeln beschlossen. So werden die Gewichtsklassen pro Stilart von aktuell acht auf zehn aufgestockt. Zudem sollen die Wettkämpfe auf zwei Tage ausgedehnt werden. Am zweiten Tag, wenn die Finalkämpfe anstehen, wird erneut ein Wiegen absolviert, um die Athleten davon abzubringen, ihr Gewicht so extrem zu reduzieren. Die bislang gängige Praxis sei gesundheitsgefährdend, hieß es vom Verband.

Doch das war in Paris für Stäbler Nebensache. Nach der Feier im Hotel mit seiner Familie und rund 60 mitgereisten Fans suchte er am Dienstag schon die nächste Herausforderung: die Besteigung des Eiffelturms. Und ab 10 Uhr ging es gleich wieder auf die Matte. Stäbler bereitete seinen Teamkollegen Matthias Maasch (66 kg) auf die WM-Kämpfe vor.

Ringen ist einfach alles für den Mann mit dem Irokesenschnitt. Dafür ließ er sogar seinen guten Job als Marketingassistent bei einer IT-Firma sausen und ging in die Bundeswehrsportfördergruppe. "Für eine Olympia-Medaille in Tokio ordne ich alles unter. Danach ist Schluss", verkündete er sein Karriereende für 2020. Der nun verdiente Urlaub auf Lanzarote fällt auch etwas kürzer aus. Schon in acht Tagen muss Stäbler zur Grundausbildung bei der Truppe antreten.