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Goldener Kuss für Cottbus

Olympiasiegerin Ruth Beitia kommt zum 15. Internationalen Springermeeting in die Lausitz-Arena.
Olympiasiegerin Ruth Beitia kommt zum 15. Internationalen Springermeeting in die Lausitz-Arena. FOTO: dpa
Cottbus. Mit der Verpflichtung von Ruth Beitia ist den Organisatoren des 15. Internationalen Springermeetings ein Coup gelungen. Die spanische Olympiasiegerin ist nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen eine Ausnahme-Athletin. Jan Lehmann und Susann Winter

In der Politik ist es manchmal wie im Hochsprung, nicht nur, wenn es darum geht, beispielsweise die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag zu überspringen. Manchmal muss man eben einfach auch noch ein Ass im Ärmel haben.

Die Spanierin Ruth Beitia kennt sich mit beidem aus - mit dem Hochsprung und der Politik. Die vielseitige Olympiasiegerin und Lokalpolitikerin ist in diesem Jahr sozusagen der goldene Kuss für das stets hochkarätige Internationale Springermeeting in der Lausitz-Arena, das schon in der 15. Auflage stattfindet.

Und der goldene Kuss hat natürlich seinen Preis. Meeting-Direktor Ulrich Hobeck macht kein Geheimnis daraus, dass die Verpflichtung der derzeit weltbesten Hochspringerin ein recht teures Unterfangen war. Der Meeting-Direktor erklärte gegenüber der RUNDSCHAU: "Da ging es ans Eingemachte."

Hobecks Ass im Ärmel bei diesem Vertragspoker war aber kein großer Scheck, sondern ein großes Herz. Die Stimmung beim Meeting in der Cottbuser Lausitz-Arena ist offenbar genau das, was die Sportler kurz nach Jahresbeginn für ihre ersten Wettkampfsprünge brauchen: Gemütlich, herzlich, familiär - in dieser Kuschelatmosphäre gibt es früh im Jahr meist schon überraschend hohe Sprünge. Auch im Fall Beitia hat diese Aussicht auf einen stimmungsvollen Saisonbeginn wohl geholfen. Hobeck verrät: "Sie wollte unbedingt nach Cottbus - ganz im Gegensatz zu ihrer Managerin."

Die Spanierin weiß eben, was sie in Cottbus erwartet. Beitia war schon sechs Mal in Cottbus zu Gast und konnte so zeitig in der Saison immer eine gute Leistung abrufen: 2007 und 2014 gewann sie das Meeting mit übersprungenen 1,96 beziehungsweise 1,98 Metern. Auch bei den übrigen Veranstaltungen war sie auf den vorderen Plätzen zu finden.

Nun kommt die vielseitige Spanierin als Olympiasiegerin nach Cottbus - trotz aller hochkarätigen Starter ist dies ein Novum. Der französische Stabhochspringer Renaud Lavillenie war vor seinem Olympiasieg 2012 in der Lausitz, der 2008er-Olympiasieger Steve Hooker sagte 2011 seinen Start kurzfristig ab.

Das ist bei Ruth Beitia wohl nicht zu befürchten, sie gilt als Zuverlässigkeit in Person. Die Spanierin ist keine, die sich mit den anderen Hochspringerinnen zusammensetzt oder mit ihnen nach einem Meeting an der Hotelbar noch einen Drink nimmt. Sie macht ihr Ding und konzentriert sich auf ihre Ziele. 13 Medaillen bei internationalen Meisterschaften im Freien und in der Halle geben ihr Recht.

Vor einigen Jahren wollte Beitia die Hochsprung-Schuhe eigentlich schon an den Nagel hängen. Sie überlegte es sich anders und feierte den größten Erfolg, den ein Athlet erreichen kann: Mit 37 Jahren wurde sie im vorigen Jahr die älteste Hochsprung-Olympiasiegerin der Geschichte. Ihr Ass im Ärmel war wohl ihre Gelassenheit im olympischen Finale von Rio de Janeiro - weil sie den Hochsprung inzwischen nicht mehr als Sport sieht, sondern als Leidenschaft.

Seit 2011 sitzt sie als Abgeordnete im regionalen Parlament von Kantabrien. Die PP-Abgeordnete (Partido Populare) engagiert sich in der 600 000 Einwohner zählenden autonomen Gemeinschaft mit der Hauptstadt Santander im Bereich Erziehung, Inklusion und Sport. Trotz des großen Trainingspensums als Hochleistungssportlerin nimmt sie ihre politische Arbeit offenbar ziemlich ernst. "Ich habe in den vergangenen drei Jahren keine der obligatorischen Montagssitzungen verpasst", sagte sie gegenüber dem Online-Portal "Leichtathletik.de".

Sie mag es demnach, durch die nordspanische Provinz zu fahren und mit den Menschen zu reden. "Ich bin ein kreativer Mensch, und wir brauchen neue Ideen in unserem Land" erklärte sie. So hat sie es bis zum Olympiasieg geschafft - und dürfte womöglich mit dem einen oder anderen Ass im Ärmel auch noch einige politische Hürden überspringen.

Zum Thema:
Für das Springermeeting am 25. Januar gibt es nur noch wenige Restkarten. Die Tickets gibt es ab acht Euro für Stehplätze und ab zehn Euro für Sitzplätze beim Cottbus-Service in der Stadthalle (Telefon 0355 7542444) oder per E-Mail unter tickets@cmt-cottbus.de.

Der Sieg in Rio war die Krönung ihrer langen Karriere.
Der Sieg in Rio war die Krönung ihrer langen Karriere. FOTO: dpa