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Gewinner in der Wohlfühloase

Nicht nur Randfiguren: Spieler wie (v.l.) Thomas Müller, Joshua Kimmich und André Schürrle bekommen viel Vertrauen von Löw.
Nicht nur Randfiguren: Spieler wie (v.l.) Thomas Müller, Joshua Kimmich und André Schürrle bekommen viel Vertrauen von Löw. FOTO: dpa
Baku. Nach seinem befreienden Tore-Doppelpack in Baku hatte André Schürrle sofort Lust auf mehr. "Es ist mein erstes Derby auf Schalke. Arne Richter und Klaus Bergmann

Da ist immer Brisanz drin, da freue ich mich drauf", erzählte der Offensivmann von Borussia Dortmund noch in den Katakomben des Tofiq Bahramov Stadions von der nun anstehenden Prüfung in der Fußball-Bundesliga. Auch der beim FC Bayern derzeit zur Randfigur degradierte Joshua Kimmich kehrt mit wiedergewonnenem Selbstvertrauen von der Nationalmannschaft nach München zurück. Und sein Teamkollege Thomas Müller, zuletzt in München ebenfalls oft Reservist, erzielte schon das fünfte Tor in der laufenden WM-Ausscheidung.

Schnell machte nach dem 4:1 in Aserbaidschan das von DFB-Rentner Lukas Podolski so gern verwendete Wort der Wohlfühl oase die Runde. "Natürlich tut das Vertrauen gut, sehr gut. Und ich kann es auch zurückzahlen. Das war eine gute Woche", sagte Schürrle.

Wieder einmal bewies Bundestrainer Joachim Löw sein erstaunliches Gespür. Wieder wurde er zu einem moralischen Aufbauhelfer für Profis mit Einsatzdefiziten im Verein. "Es war für mich jetzt wichtig, wieder in den Rhythmus zu kommen", sagte Kimmich. Zwei Spiele über 90 Minuten innerhalb von vier Tagen sind für den EM-Shootingstar bei den Bayern derzeit eine Utopie. "Jeder fühlt sich hier extrem wohl. Der André hat gezeigt, welch über ragende Qualitäten er hat, er scheint sich hier auch wohl zu fühlen", sagte Kimmich.

Der 22-Jährige demonstrierte seinen Formanstieg im Vergleich zum noch holprigen England-Auftritt besonders bei einer feinen Flanke für Torschütze Mario Gomez. Kimmich und Schürrle sind jetzt heiße Kandidaten auf einen Sommereinsatz beim Confederations Cup in Russland.

Die BVB-Teilzeitkraft Schürrle hatte für einen Starteinsatz in Baku keiner auf dem Zettel, außer Löw. Seit Oktober 2015 hatte er im Adler-Trikot nicht mehr in der Anfangsformation gestanden. Die letzten Tore lagen noch vier Monate länger zurück. "Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass er eine Nase für Spieler hat, die sehr gut in Form sind", sagte der bekennende Bundestrainer-Fan, DFB-Chef Reinhard Grindel.

Überrascht ob Schürrles Leistung waren alle - außer Löw. "Er hat sich gut präsentiert. Er wollte sich hier beweisen. Ich hatte ein gutes Gefühl, ihn von Anfang an zu bringen", sagte der 57-Jährige. Und fügte einen Satz an, der sein Dilemma offenbart: "Ich hoffe, dass ihm das auch einen Schub gibt für die nächsten Wochen in Dortmund."

Einfluss auf die Personalpolitik in den Clubs sieht Löw nicht. "Das kann ich nicht erwarten, denn das entscheidet am Ende immer der jeweilige Trainer", sagte er. Aber: "Wenn ich von der Grundqualität eines Spielers überzeugt bin, werde ich ihm in schwierigen Situationen immer helfen", erklärte Löw seine Philosophie.

So habe er es auch schon bei Größen wie Miroslav Klose oder Podolski gehalten. Für seinen Rechtsverteidiger Kimmich erhofft sich Löw dringend eine zumindest mittelfristig bessere Perspektive in München. "Vielleicht ändert sich die Situation im nächsten Jahr, wenn Philipp Lahm aufhört. Ich kenne die Pläne nicht genau. Es wäre schön, wenn Bayern auf der Position mit ihm planen würde." Der Bundes trainer tut dies ganz sicher.

Zum Thema:
Das WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan hat am Sonntag für eine der schwächsten TV-Quoten der deutschen Nationalmannschaft seit Langem gesorgt. Durchschnittlich 8,23 Millionen Menschen sahen die Live-Übertragung bei RTL und sorgten für einen Marktanteil von 31,5 Prozent. Das Spiel war nach dem "Tatort" der ARD zwar die zweiterfolgreichste Sendung des Tages, im Vergleich zu den gewohnten Quoten der DFB-Auswahl aber schwach.