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Gekränkter Kumpel geht zu Juve

16 Jahre spielte Benedikt Höwedes bei seinem Herzensclub. Nun ist der Transfer zu Juventus perfekt.
16 Jahre spielte Benedikt Höwedes bei seinem Herzensclub. Nun ist der Transfer zu Juventus perfekt. FOTO: dpa
Gelsenkirchen. Das Verhältnis zwischen Benedikt Höwedes und dem FC Schalke 04 galt über Jahre als besonders innig. Doch mit seiner neuen Reservistenrolle wollte er sich nicht abfinden. Heinz Büse

Der Kumpel verlässt seinen Herzensclub. Nach 16 Jahren beim FC Schalke 04 ergreift Fanliebling Benedikt Höwedes wohl aus gekränktem Stolz die Flucht. Die Absetzung als Mannschaftskapitän, der Verlust seines Stammplatzes und das dadurch bedingte schlechte Verhältnis zum neuen Trainer Domenico Tedesco veranlassten den Weltmeister zum Wechsel Richtung Juventus Turin.

Wie der Bundesligist am Mittwochabend mitteilte, wird der Nationalspieler zunächst für ein Jahr vom Champions-League-Finalisten ausgeliehen. Nach einem erfolgreichen Medizincheck von Höwedes einigten sich beide Vereine auf das Leihgeschäft mit anschließender Kaufoption für die Italiener. Das Transfervolumen soll sich auf bis zu 20 Millionen Euro belaufen.

Viele Schalker Anhänger tun sich mit dem Abgang des Nationalspielers schwer. In insgesamt 240 Bundesligaspielen im königsblauen Trikot erwarb sich Höwedes beim heimischen Publikum einen Ruf als zuverlässiger und bodenständiger Kämpfer. Eigenschaften, die im Revier seit jeher einen hohen Stellenwert genießen. Als Höwedes im Februar 2016 seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, sammelte er bei den Fans mit einem emotionalen Treueschwur weitere Sympathien: "Die Kohle geht, die Kumpel bleiben. Ich habe den Vertrag mit pochendem Herzen unterschrieben."

Angesichts dieser großen Verbundenheit zwischen dem Anhang und dem altgedienten Profi wird der Wechsel zur heiklen Personalie - vor allem für Trainer Tedesco. Schon der Entschluss des Fußball-Lehrers, die Hierarchie innerhalb des Teams zu verändern und das Kapitänsamt von Höwedes auf Ralf Fährmann zu übertragen, sorgte für lebhafte Debatten. Dass der Weinzierl-Nachfolger in den ersten Saisonspielen auf Höwedes verzichtete, befeuerte die Diskussionen zusätzlich. Auf erste Wechselgerüchte hatte Tedesco emotionslos reagiert: "Reisende soll man nicht aufhalten."

Vielleicht trug auch diese knappe Aussage des Trainers dazu bei, dass die Schalker Fans ihre Wertschätzung für den Ausgebooteten demonstrativ zum Ausdruck brachten. "Respektvoller Umgang mit einem verdienten Spieler" - das war beim Auswärtsspiel in Hannover auf einem Banner zu lesen. Das kam bei Höwedes gut an. Obwohl er keine Minute bestritt, machte er sich nach dem Schlusspfiff auf den Weg Richtung Fans und bedankte sich für den "riesigen Support".