| 02:39 Uhr

Geht den Cottbuser Sprintern die Luft aus?

Der Cottbuser Moritz Meißner (r.) zeigte sich beim Sprint-Cup mutig. Beim Großen Preis gehört er aber nur zu den Außenseitern.
Der Cottbuser Moritz Meißner (r.) zeigte sich beim Sprint-Cup mutig. Beim Großen Preis gehört er aber nur zu den Außenseitern. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Bahnrad-Bundestrainer Detlef Uibel kritisiert vor dem 27. Großen Preis von Deutschland die Nachwuchsarbeit am Lausitzer Standort. Jan Lehmann

Großer Preis von Deutschland auf der Radrennbahn, das bedeutet in Cottbus auch große Tradition. Am Freitag steigt bereits die 27. Ausgabe der prestigeträchtigen Veranstaltung auf der Radrennbahn im Sportzentrum, bei der mehr als 100 Sportler aus 17 Nationen am Start sind.

Kurzum: Ein Großteil der Welt elite trifft sich traditionell beim Grand Prix zum letzten Kräftemessen vor der Sommerpause.

Ein schöner Höhepunkt für die Radsport-Lausitz, zumal der Große Preis nach einer zwischenzeitlichen Flaute in den vergangenen Jahren wieder deutlich mehr Zuschauerzuspruch bekommen hatte. Auch für dieses Wochenende erhoffen sich die Veranstalter gut gefüllte Tribünen rund um das Beton oval. Dennoch kann die große Tradition nicht die Sorgen verdecken, die es um die Zukunft des Bahnradsports in der Lausitz gibt. Bundestrainer Detlef Uibel, seit 26 Jahren der Medaillenschmied im Kurzzeitbereich, kritisiert die Cottbuser Nachwuchsarbeit heftig. Er sagt: "Man muss das schon kritisch hinterfragen. Das sieht momentan im Kurzzeitbereich nicht rosig aus."

Uibel berichtet: "Im Junioren-Bereich gibt es dort keinen ernsthaften Kandidaten, im Jugend-Bereich kann sich noch etwas entwickeln. Aber die Cottbuser müssen sich Gedanken machen, inwieweit sie den Kurzzeitbereich aus dem Nachwuchs auch unterstützen." Uibel bemängelt die Talentsichtung und Kaderauswahl. Er sagt deutlich: "Da gibt es nach wie vor aus meiner Sicht große Defizite."

Geht den lange so erfolgreichen Cottbuser Sprintern die Luft aus? Beim Großen Preis zeichnet sich vielleicht schon das ab, was Uibel meint. Allein der ewige Maximilian Levy ist nach seinem Dreifach- Triumph bei den Deutschen Meisterschaften nun auch beim Grand Prix der Cottbuser Hoffnungsträger. Dem Lokalmatadoren ist es zuzutrauen, dass er sich vor heimischer Kulisse gegen so namhafte Konkurrenz wie die britischen Teamsprint-Olympiasieger Philipp Hindes und Callum Skinner oder den polnischen Weltcup-Sieger Kamil Kuczynski durchsetzt.

Doch Levy feiert am Montag bereits seinen 30. Geburtstag. Wer fährt in Cottbus in seinem Windschatten? Moritz Meißner (20) müht sich nach einem Jahr voller Verletzungen, agierte zuletzt beim Sprint-Cup mutig. Nik Schröter (18) traut der Bundestrainer in Zukunft einiges zu, doch er muss zulegen. Eric Engler (25) ist wegen eines Bundeswehrlehrgangs nicht am Start. Erik Balzer (25) steht nach einer verkorksten Saison bei Uibel wohl vorerst auf dem Abstellgleis (siehe Extratext).

Bei den Frauen wird Olympiasiegerin Kristina Vogel aus Erfurt wieder die Gejagte sein, mit der Russin Anastasia Woinowa fliegt aber extra zum Grand Prix noch hochkarätige Konkurrenz aus Russland ein. Die verletzte Cottbuserin Emma Hinze (19) sucht man vergeblich im Fahrerfeld, wogegen man sich von Durchstarterin Pauline Grabosch (19) einiges erwarten darf. Doch die kommt eben aus Erfurt und nicht aus der Lausitz - genau wie der Berliner Robert Förstermann. Der fährt zwar für den RSC Cottbus, ist aber keiner, mit dem sich die Cottbuser Talentschule schmücken kann.

Gibt es dort wegen der fehlenden Talente ein strukturelles Problem? RSC-Geschäftsführer Axel Viertler betont: "Man kann sich die Talente nicht backen. Wir sind da derzeit tatsächlich in einem kleinen Tal. Doch bei den Sichtungen haben wir interessante Kinder entdeckt, die einiges Potenzial haben."

Ein großes Problem sei es aber, die Kinder langfristig bei der Stange zu halten - und im Zweifel dann auch für den Bahnradsport zu begeistern. Viertler beschreibt: "Anfangs ist es den Kindern egal, da wollen sie bloß Radfahren und Spaß haben. Da ist die Bahn vielleicht sogar etwas spannender."

Später jedoch würden die jungen Sportler auch schon einmal danach schauen, welche Aufmerksamkeit der Bahnradsport international erfahre, so Viertler. Der RSC-Geschäftsführer bedauert: "Er wird leider immer noch stiefmütterlich behandelt. Man kann es keinen jungen Sportler verdenken, wenn er sich dann doch lieber auf den Straßenradsport konzentriert."

Es sind Veranstaltungen wie der Große Preis von Deutschland, die dem Bahnradsport die nötige Bühne geben. Die große Nachfrage der Fahrer ist für den RSC laut Viertler Lob und Ansporn zugleich. Denn Tradition verpflichtet schließlich - auch in der Nachwuchsarbeit.

Zum Thema:
Am Freitag: Sprint der Frauen und Männer, Keirin der Junioren (Vorläufe ab 12.30 Uhr, Finalrunde ab 18 Uhr) Am Samstag: Teamsprint und Keirin der Frauen und Männer, Sprint der Junioren (Vorläufe 9.30 Uhr, Finals ab 15 Uhr)