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Gefährliches Spiel

78 Siege, zehn Remis, elf Niederlagen – Pep Guardiolas Ausbeute vor seinem 100. Bayern-Spiel ist beeindruckend. Ein Aus im Viertelfinale der Champions League wäre ein herber Tiefschlag.
78 Siege, zehn Remis, elf Niederlagen – Pep Guardiolas Ausbeute vor seinem 100. Bayern-Spiel ist beeindruckend. Ein Aus im Viertelfinale der Champions League wäre ein herber Tiefschlag. FOTO: dpa
München. Pep Guardiola ist ein Trainer zwischen Genie und Wahnsinn. Auch im zweiten Jahr bei Bayern München ist er nach außen undurchschaubar geblieben. Das Rückspiel gegen Porto könnte sein Gesamtwerk beeinflussen. Klaus Bergmann und Christian Kunz

Pep Guardiola trug Schwarz bei der Pressekonferenz, aber die Farbe seines T-Shirts sollte keine Untergangsstimmung symbolisieren. Der Trainer wirkte 33 Stunden vor der großen Prüfung gegen den FC Porto sehr angespannt. Er gab sich "optimistisch", aber zugleich "realistisch" vor dem Alles-oder-nichts-Spiel gegen den FC Porto. Dramatisieren mochte Guardiola die Aufgabe im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF/Sky) nicht.

"Jeder Tag in einem großen Verein ist eine Herausforderung", meinte der 44 Jahre alte Katalane. Ausgerechnet das 100. Pflichtspiel mit dem FC Bayern wird jedoch zu einer Wegmarke für den Trainer. Der Ausgang wird Gegenwart und Zukunft, womöglich sogar Guardiolas Gesamtwerk in München entscheidend prägen. "Wenn du in großen Vereinen gewinnst, bist du ein Genius, ein Super-Taktiker. Wenn du verlierst, hast du viele Probleme", stellte er am Montag fest.

Guardiola ist nach dem 1:3 in Porto in einer für ihn ungewohnten Ausgangslage gefordert. Noch nie ist er als Trainer in der Königsklasse vor dem Halbfinale ausgeschieden. Dass sein Vorgänger Jupp Heynckes 2013 das historische Triple schaffte, ist eine Bürde für ihn. Auch im zweiten Jahr ist er zumindest nach außen undurchschaubar geblieben. Der Spanier ist ein Alpha-Trainer der Neuzeit, die sich wie José Mourinho oder Louis van Gaal für größer halten als der Verein, diesen nahezu Untertan machen wollen. Sie umgeben sich mit einem Stab vertrauter Mitarbeiter, dulden keine Götter neben sich.

Einzelne Spieler stark zu reden, ist Guardiolas Stärke dagegen nicht. Sein öffentliches Lob klingt oft austauschbar und zu bemüht, etwa wenn er sich wie jüngst nach einem 1:0 in Dortmund "1000 Dantes wünscht". Tatsächlich vertraut er dem Brasilianer nicht (mehr). Einen Mario Götze in den Arm zu nehmen, wie es Jürgen Klopp in Dortmund tat, oder starkzureden wie Joachim Löw im WM-Finale 2014, gelingt Guardiola nicht.

Gelingt ihm kein Erfolg gegen Porto, dürfte es viele Diskussionen geben. Guardiola kennt sich natürlich aus: "Ich weiß, es ist in diesem Verein nicht gut genug, deutscher Meister zu sein. Nur das Triple ist gut genug in großen Vereinen wie Barcelona, wie Real Madrid."

Zum Thema:
Bei der Aufholjagd gegen den FC Porto an diesem Dienstag wollen die Münchner nicht ins Verderben stürmen. "Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir überdreht ins Spiel gehen und zu viel wollen. Wir müssen klug spielen, dürfen nicht Kamikazenach vorne rennen", gab Weltmeister Thomas Müller die Strategie nach dem 1:3 im Hinspiel vor. "Wir stehen ein bisschen mit dem Rücken zur Wand, aber die Herausforderungen machen es reizvoll", ergänzte Müller und freute sich schon auf den "Nervenkitzel" im Viertelfinal-Rückspiel. Nach seiner Fuß-Blessur könnte Bastian Schweinsteiger wieder zum Kader gehören. Franck Ribéry wird nach seiner Sprunggelenksverletzung hingegen wohl weiter fehlen.