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Leichtathletik
Gefährliche Stäbe und eine begeisterte Siegerin

Yuliya Levchenko scheiterte bei ihrer Cottbus-Premiere knapp an den zwei Metern und war von der Stimmung in der Halle beeindruckt. Im nächsten Jahr würde sie gern wieder dabei sein.
Yuliya Levchenko scheiterte bei ihrer Cottbus-Premiere knapp an den zwei Metern und war von der Stimmung in der Halle beeindruckt. Im nächsten Jahr würde sie gern wieder dabei sein. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Cottbus. Nach dem Cottbuser Springermeeting schwärmten die Athleten von der tollen Atmosphäre. Andere begaben sich auf Döner-Suche. Von Sven Hering

Yulia Levchenko war der Trubel fast ein bisschen peinlich. Als die Ukrainerin, schon als Siegerin feststehend, beim Cottbuser Springermeeting am Mittwoch­abend die zwei Meter auflegen ließ, stand die ganze Halle. Sprecher Michael Wehrling hatte die rund 2000 Besucher aufgefordert, sich von ihren Sitzen zu erheben. Und das begeisterte Publikum ließ sich nicht lange bitten. Zwei Meter? Da war doch mal was. Genau. Die Cottbuserin Rosemarie Ackermann hatte einst als erste Frau der Welt diese Höhe bewältigt.

Für die 20-jährige Ukrainerin, die im vergangenen Jahr die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften gewonnen hatte, waren die zwei Meter an diesem Tag allerdings noch einen Tick zu hoch. Ihre Freiluft-Bestleistung liegt bei 2,01 Meter. Trotzdem schwärmte sie noch Stunden später von der besonderen Atmosphäre in der Arena.

„Vielen Dank für Ihre Unterstützung“, postete sie schließlich im sozialen Netzwerk Instagram. Und das sogar auf deutsch. Mehr als 13 000 Usern gefiel dieser Beitrag. Nach ihrer erfolgreichen Cottbus-Premiere würde sie gern im nächsten Jahr wiederkommen, wenn es sich einrichten lässt, verriet die 20-Jährige bei ihrer Abreise.

Mit einem besonderen Andenken verabschiedete sich der US-Amerikaner Scott Houston aus der Lausitz. Und das, obwohl er mit seinen übersprungenen 5,40 Meter sehr früh die Segel streichen musste. So bekam er einen Spremberger Turm aus Schokolade von Meetingsprecherin Susann Winter spendiert. „Es war ein Wetteinsatz“, erzählte sie. Houston hatte befürchtet, für die Videoeinspieler, in denen sich die Athleten auf deutsch vorstellten, mehr als fünf Versuche zu benötigen. Die Meetingsprecherin, die sich auch um die Betreuung der Athleten kümmerte, hatte ihm ein Präsent in Aussicht gestellt, wenn er es in weniger als fünf Versuchen schaffe. „Schon beim dritten Mal hat es gepasst“, verrät Susann Winter. Dafür gab sie ihm gern das Cottbuser Wahrzeichen mit auf den Weg.

Kulinarische Ambitionen hatte auch der kanadische Weltmeister von 2015 Shawn Barber. Als sich der ganze Stress des Wettkampfes gelegt hatte, bekam Barber plötzlich Appetit auf einen Döner. An einem bekannten Imbiss in der Cottbuser Innenstadt wurde der 23-Jährige schließlich auch noch mitten in der Nacht fündig.

Nach einem aufregenden Wettkampftag und einer für die Athleten nur kurzen Nacht zog der Tross schließlich weiter. Die meisten hatten den Flughafen Tegel zum Ziel, von wo aus es zu den nächsten Meetings ging. Und noch während der Fahrt in die Hauptstadt sinnierte Jeff Hartwig, einst ein erfolgreicher Stabhochspringer, inzwischen Manager, darüber, ob denn diesmal der Weiterflug problemlos vonstatten gehen würde. Denn fliegen ist für die Stabhochspringer in der Regel eine besondere Herausforderung. Und damit ist nicht der eigentliche sportliche Wettstreit gemeint. Denn viele Fluggesellschaften würden zwar die Athleten gern befördern, die Stäbe aber lieber auf dem Boden lassen. Dafür hat Hartwig schon die abstrusesten Begründungen gehört. Ein Beispiel: Eine Airline hatte die Sorge geäußert, dass sich die Stäbe im Frachtraum lösen und die Wand des Flugzeuges durchstoßen könnten. „Schon wenn die Athleten mit den Stäben auf der Schulter das Terminal betreten, gibt es oft viel fragende Gesichter“, berichtet Susann Winter.

Und so waren die Springermeeting-Verantwortlichen um UIrich Hobeck froh, dass es alle Athleten mitsamt ihrer Ausrüstung pünktlich nach Cottbus geschafft hatten. Ohne abenteuerliche Anreise, wie sie vor zwei Jahren Shawn Barber auf sich nehmen musste. Mit dem Mietwagen war er von Paris nach Cottbus gefahren, weil die Airline seine Stäbe nicht mitnehmen wollte. So transportierte der Kanadier seine besten Stücke selbst mit dem Auto die etwa 1100 Kilometer aus der französischen Hauptstadt in die Lausitz.

Shawn Barber holte sich mitten in der Nacht noch einen Döner.
Shawn Barber holte sich mitten in der Nacht noch einen Döner. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank
Der Transport der Stäbe ist für die Stabhochspringer jedes Mal ein kleines Abenteuer. In diesem Jahr ging allerdings alles glatt.
Der Transport der Stäbe ist für die Stabhochspringer jedes Mal ein kleines Abenteuer. In diesem Jahr ging allerdings alles glatt. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank