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| 19:22 Uhr

Fussball
Ganz England dürstet nach dem Endspiel

„Football's Coming Home“ – so heißt Englands inoffizielle Hymne. Das ist der große Wunsch der Spieler und Fans.
„Football's Coming Home“ – so heißt Englands inoffizielle Hymne. Das ist der große Wunsch der Spieler und Fans. FOTO: dpa / Tim Goode
Moskau. Während die Kroaten ihren Idolen von 1998 nacheifern, wollen die Briten ins erste WM-Finale seit dem Titel 1966. sid

Neue Legenden, neue Heldengeschichten – und nur zwei Schritte bis zur Unsterblichkeit: 52 Jahre Schmerz könnten für England am Sonntag endlich ausgestanden sein, der Silberstreif zeichnet sich ab. Der steinige Weg zum Triumph für die Ewigkeit führt das Mutterland des Fußballs am Mittwoch (20 Uhr MESZ/ZDF und Sky Deutschland) im WM-Halbfinale aber erst einmal über mindestens gleichwertige Kroaten. Sie kämpfen mit der Bürde der WM-Dritten von 1998 und brauchen diesen verdammten goldenen Pokal und den Ruhm, der über Erfolg und Misserfolg von Generationen entscheidet, fast genauso dringend wie die Three Lions.

Wenn es nach Englands Volksheld Hurst geht, er hatte 1966 beim einzigen WM-Sieg das legendäre „Wembley-Tor“ im Finale gegen Deutschland geschossen, ist der Fall klar. „Ja, ich glaube, wir können gewinnen“, sagte der heute 76-Jährige der englischen Zeitung Mirror zu den Titelchancen der neuen Hoffnungsträger um Torjäger Harry Kane. Auch Deutschlands früherer Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht die Mannschaft trotz ihrer Jugend schon für Großes bereit.

„Die Zukunft ist glänzend, aber der Zeitpunkt ist jetzt“, schrieb er in seiner Kolumne für die BBC. Mit der Vision des Deutschen werden sich die Kroaten wohl auf keinen Fall anfreunden können. Auch sie schielen auf das Finale in Moskau am kommenden Sonntag (17 Uhr MESZ/ZDF und Sky Deutschland).

„Wenn mir jemand vor der WM die Bronzemedaille angeboten hätte, hätte ich sie angenommen. Jetzt nicht mehr“, sagte Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic vor der Partie im Luschniki-Stadion. Das Rendezvous mit der Geschichte ist zu verlockend, da steckt keiner auf. Hatte Dalic doch vor der WM vom bis dato überragenden Spielmacher Luka Modric und all den anderen gefordert, „nicht mehr in der Vergangenheit zu leben“, womit er auf den dritten Platz der Mannschaft um den heutigen Verbandspräsidenten Davor Suker bei der Weltmeisterschaft 1998 anspielte.


Englands Trainer Gareth Southgate
Englands Trainer Gareth Southgate FOTO: dpa / Owen Humphreys

Den Hauch der Historie spürt die Elf vom Balkan ganz deutlich. Stürmer Mario Mandzukic beispielsweise gewann 2013 mit Bayern München die Königsklasse, trotzdem rutscht ihm nun zumindest ein bisschen das Herz in die Hose. „Das kann man nicht einmal mit einem Treffer im Champions-League-Finale vergleichen“, sagte der 32-Jährige. Die Mannschaft der Bundesliga-Profis Andrej Kramaric (Hoffenheim), Tin Jedvaj (Leverkusen), Ante Rebic (Eintracht Frankfurt) und Marko Pjaca (Schalke) soll der nächsten Generation eigene, möglichst große Fußstapfen hinterlassen.

Den Staub der alten Granden abschütteln – das klingt so leicht, war es aber lange nicht. In England musste Teammanager Gareth Southgate ganz andere Saiten aufziehen, baute ein junges Team auf, das plötzlich Weltmeister werden kann. Die Mannschaft steht immer noch am Anfang ihrer Entwicklung und wird in der Heimat frenetisch bejubelt, sogar in Wimbledon steht in diesen Tagen die Zeit still, wenn England spielt. Doch jetzt, da soll das Ganze noch einen Schritt weiter gehen.

„Wir sind glücklich darüber, wo wir stehen, aber wir konzentrieren uns auf Mittwoch, weil wir daran glauben, dass wir diese großartige Reise fortsetzen können“, sagte Mittelfeldspieler Eric Dier. Dazu wird es nicht nur einen treffsicheren Kapitän Kane brauchen, der bereits sechs Turniertore auf dem Konto hat, aber noch lange nicht satt zu sein scheint. Auch die beiden Torhüter Jordan Pickford und Danijel Subasic, beide lieferten bislang hervorragende Leistungen ab, stehen wieder im Mittelpunkt. Umso mehr, je länger die Partie dauert.

Dass es am Mittwoch ein langer Abend werden wird, ist nicht unwahrscheinlich. Ging England einmal über 120 Minuten plus Elfmeterschießen im Achtelfinale gegen Kolumbien, mussten die Kroaten sowohl in der Runde der letzten Acht als auch vorher gegen Dänemark über die volle Distanz. Ein Nachteil in Sachen Kräftehaushalt soll das aber nicht sein. „Dies ist das WM-Halbfinale. Da gibt es keinen Spieler, der sich über etwas beschweren würde“, sagte Mandzukic. Sie wissen eben alle, worum es geht.