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| 20:06 Uhr

Fussball
Frankreich gewinnt ein furioses Finale

Paul Pogba aus Frankreich bejubelt an der Eckfahne mit Teamkollegen sein Tor zum 3:1.
Paul Pogba aus Frankreich bejubelt an der Eckfahne mit Teamkollegen sein Tor zum 3:1. FOTO: dpa / Martin Meissner
Moskau. Eigentor-Premiere, Videobeweis und ein Torwart-Lapsus: In Moskau bezwingt die Équipe Tricolore Kroatien mit 4:2.

Staatschef Emmanuel Macron führte in der Ehrenloge einen Tanz auf und riss die Fäuste nach oben, Frankreichs neue Fußball-Helden warfen ihren Trainer Didier Deschamps im Rausch des großen Triumphs in die Luft und feierten mit ihren Fans im legendären Huh-Jubel. In einem verrückten Finale eroberte die Grande Nation 20 Jahre nach dem Heimtriumph ihren zweiten WM-Titel.

Angeführt von Man of the Match Antoine Griezmann schoss die Équipe Tricolore im torreichsten Endspiel seit 1966 am Sonntag einen 4:2 (2:1)-Triumph im Finale der Weltmeisterschaft in Russland gegen den Überraschungsfinalisten Kroatien heraus und löst Deutschland auf dem Fußball-Thron ab. Mit der Tricolore in den Händen ging es für WM-Shootingstar Kylian Mpabbé und seine Kollegen auf die Ehrenrunde.

Mario Mandzukic aus Kroatien (M.) unterlief ein Eigentor.
Mario Mandzukic aus Kroatien (M.) unterlief ein Eigentor. FOTO: dpa / Thanassis Stavrakis

„Ich weiß gar nicht, wo ich bin“, sagte Griezmann und kündigte an, den Goldpokal mit ins Bett nehmen zu wollen. „Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen“, fügte er an.

Ein Eigentor von Ex-Bundesliga-Star Mario Mandžukić (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) vor 78 011 Zuschauern im ausverkauften Moskauer Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Party-Rausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d‘Azur.

Emmanuel Macron (M.), Präsident von Frankreich, jubelt über ein Tor seines Teams auf der Tribüne.
Emmanuel Macron (M.), Präsident von Frankreich, jubelt über ein Tor seines Teams auf der Tribüne. FOTO: dpa / Alexei Nikolsky

„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental und oft genug getroffen“, sagte Deschamps. „Es war nicht immer einfach, aber weil sie zugehört haben, haben wir schwere Momente hinter uns gelassen“, betonte Deschamps. Er setzte sich mit dem Titel ein weiteres Denkmal: 1998 hatte er den Pokal als Kapitän entgegen genommen. Der 49-Jährige ist nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. „Der Stolz ist da. Ich bin hier, um Ziele zu verwirklichen.“

Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perišic (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandžukic (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Hugo Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. Der zweite WM-Platz ist dennoch der größte Fußball-Erfolg nach dem dritten Platz vor 20 Jahren.

Die favorisierten Franzosen hatten überraschend Mühe, ins Spiel zu kommen. Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste viel versprechende Offensivaktion der Blauen. Erst in der Superzeitlupe war eindeutig zu sehen, dass der Franzose abhob, bevor Marcelo Brozovic ihn am Bein traf. Und Mandžukic wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel minimal, die Flugkurve veränderte sich entscheidend. Etwas ungläubig nahm der ehemalige Bayern-Stürmer sein Eigentor, das erste in einem WM-Finale, zur Kenntnis.

In allen K.o.-Spielen waren die Kroaten in Rückstand geraten – und wieder gelang ihnen der Ausgleich. Perišic drehte sich geschickt um N’Golo Kanté und schoss ein, bevor Pavard zur Rettung herbeieilen konnte.

Die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale. Das Handspiel von Perišic bewertete Referee Nestor Pitana erst nach langem Studium vor dem Bildschirm als strafstoßwürdig. Griezmann ließ sich die Chance zu seinem vierten WM-Treffer nicht nehmen.

Kroatien musste wieder seine Aufhol-Qualitäten zeigen. Ging das noch, nach drei K.o.-Partien inklusive Verlängerung? Rebic (48.) setzte mit einem wuchtigen Schuss ein erstes Signal. Lloris parierte souverän. Für die Franzosen öffneten sich jetzt Räume – wie gemacht für Mbappé. Der WM-Jungstar entwischte nach 52 Minuten erstmals Domagoj Vida, ließ sich im Strafraum trotz Gezerre nicht fallen, scheiterte aber an Kroatiens Schlussmann Danijel Subašic. Wenige Minuten später machte der Torwart einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas wuchtige Abnahme nicht mehr parieren. Wieder war es Griezmann gewesen, der das Tor entscheidend initiierte, diesmal per filigraner Jonglage als Ablage für Pogba.

Kurz darauf hatten sich alle rechnerischen Gedankenspiele ohnehin erledigt. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen. Der 19-Jährige ist nun der zweitjüngste Torschütze in einem WM-Finale nach Pelé 1958. Dann leistete sich Lloris einen fatalen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandžukic zu spielen, ließ der Kroate einfach den Fuß stehen – nur noch 2:4. Die Wende gelang dem Außenseiter aber nicht mehr.

(dpa)