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| 17:51 Uhr

Fussball
England – erfolgreich dank Guardiola

Kyle Walker (l.) und John Stones sind zwei von vier ManCity-Spielern im englischen Team. Dort versuchen sie, viel von dem umzusetzen, was sie in ihrem Club von Trainer Pep Guardiola gelernt haben.
Kyle Walker (l.) und John Stones sind zwei von vier ManCity-Spielern im englischen Team. Dort versuchen sie, viel von dem umzusetzen, was sie in ihrem Club von Trainer Pep Guardiola gelernt haben. FOTO: dpa / Owen Humphreys
Repino. Dass die Briten im WM-Halbfinale stehen, hat viel mit dem Trainer von Manchester City oder auch Jürgen Klopp zu tun. dpa

Pep Guardiola könnte am kommenden Sonntag zum dritten Mal in Folge Fußball-Weltmeister werden – zumindest indirekt. Der Star-Trainer hätte im Falle eines Titelgewinns für England wieder einen riesigen Anteil. Guardiola trainierte 2010 im Weltmeister-Land Spanien. Und 2014 im Weltmeister-Land Deutschland.

Vor acht Jahren gehörten sieben Spieler von Guardiolas FC Barcelona zum Aufgebot der Spanier, vor vier Jahren sechs Profis von seinem Verein FC Bayern München. Und mit Andres Iniesta und Mario Götze schossen auch Guardiola-Schützlinge die Siegtore im Finale. Nun stehen vier Akteure seines aktuellen Clubs Manchester City im Kader der Three Lions.

Doch der Katalane Guardiola hat wie der Deutsche Jürgen Klopp beim FC Liverpool oder der Argentinier Mauricio Pochettino bei Tottenham Hotspur auch einen großen indirekten Anteil am englischen Aufschwung, der am Mittwoch vorerst mit dem ersten WM-Halbfinale seit 28 Jahren gegen Kroatien (20 Uhr MESZ/ZDF und Sky) gekrönt wird. Von ihren Ideen haben sich der lange im eigenen Saft schmorende Verband und der offene Trainer Gareth Southgate eine Menge abgeschaut.

„Es ist toll für unsere jungen Spieler, dass so tolle ausländische Trainer wie Guardiola mit ihnen arbeiten“, sagte Southgate nach dem 2:0 im Viertelfinale gegen Schweden. Auf die Frage, ob er sich selbst etwas von Guardiola abgeschaut hätte, hatte der 47-Jährige kürzlich geantwortet: „Natürlich. Aber das gilt für fünf oder sechs Top-Trainer. Ich wäre dumm, wenn ich nicht analysieren würde, wie sie spielen. Und zum Glück sind alle immer sehr zugänglich für mich.“

Pep Guardiola war 2010 und 2014 jeweils im Weltmeister-Land Trainer.
Pep Guardiola war 2010 und 2014 jeweils im Weltmeister-Land Trainer. FOTO: dpa / Richard Sellers

Der englische Fußball hat mit dem berühmten und berüchtigten „kick and rush“ früherer Jahre nichts mehr zu tun. „Der Trainer hat eine ganz eigene Idee des Spiels entwickelt“, sagte Routinier Ashley Young, der vor elf Jahren sein Debüt im Nationalteam gab: „Man merkt, dass jeder den Ball haben will. Wir spielen keine langen Bälle mehr.“

Southgates Spielweise ist ein Mix aus den Ideen der prominenten ausländischen Kollegen. Von Pochettino hat er sich das Pressing abgeschaut, von Klopp das Umschaltspiel und von Guardiola den Ballbesitz-Fußball. Seine Spieler sind offen für all diese Einflüsse. Zwar spielen alle 23 in der heimischen Premier League. Doch die ausländischen Ideen lernen sie eben dort kennen.

„Wir versuchen, all das, was wir unter Pep lernen, in die englische Mannschaft einzubringen“, sagte Abwehrchef John Stones. Und Nebenmann Kyle Walker erklärte während des Turniers: „Pep hat mir so viel beigebracht. Und er hat mir unglaubliches Selbstvertrauen gegeben.“ Der frühere Nationalspieler Paul Scholes stellte fest: „Pep Guardiola ist eine Inspiration für diese Mannschaft.“

Pochettinos Tottenham stellt mit fünf Spielern sogar die größte Fraktion im englischen Kader, darunter Mittelfeld-Talent Delle Alli oder Torjäger Harry Kane. „Ich habe unter ihm sehr viel gelernt“, sagte Kane. Alli betonte: „Ich verdanke ihm eine Menge.“ Von Champions-League-Finalist Liverpool stehen mit Jordan Henderson und Trent Alexander-Arnold nur zwei Klopp-Schützlinge im Team. Der Austausch zwischen Southgate und dem früheren Dortmund-Coach, der 2014 vier Weltmeister trainierte, ist auch durchaus kritisch. Klopp kritisierte auch schon mal öffentlich die Nominierung Southgates. Und dieser wunderte sich dieser Tage scherzhaft, warum er nach einem 90-Minuten-Einsatz des oft angeschlagenen Henderson keine Klage bekommen hat. „Normalerweise ruft Jürgen dann immer direkt an und sagt: Warum zur Hölle hast du ihn nicht rausgenommen?“ Doch auch ihr Verhältnis ist letztlich befruchtend für die Idee des Spiels.

Die Chance für Guardiola, Klopp oder Pochettino, sich so oder so Trainer eines Weltmeisters nennen zu dürfen, ist übrigens hoch. Alle stellen auch in den Teams von zwei der anderen drei Halbfinalisten jeweils mindestens einen Spieler ihres Vereins.