| 02:38 Uhr

"Für alles bereit" – Hertha mit großer Pokal-Lust

"Die Jungs sind gierig und fleißig", lobt Hertha-Trainer Pal Dardai sein Team, bei dem er einen mentalen Wandel ausgemacht hat.
"Die Jungs sind gierig und fleißig", lobt Hertha-Trainer Pal Dardai sein Team, bei dem er einen mentalen Wandel ausgemacht hat. FOTO: dpa
Berlin. In der Vorsaison hatte der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer die Hertha lange euphorisiert. Diese Pokal-Lust möchte Trainer Dardai auch in diesem Spieljahr lange erhalten. Die lange Zeit der dunklen Pokal-Geschichte soll keine Rolle mehr spielen. Jens Mende

Die Pokal-Lust ist groß bei Hertha BSC. "Wir haben es letztes Jahr sehr gut hingekriegt mit Unterstützung der ganzen Stadt. Das wollen die Jungs wiederholen", sagte Trainer Pal Dardai vor der zweiten Runde im DFB-Pokal beim FC St. Pauli. Der Überraschungs-Dritte der Fußball-Bundesliga will an diesem Dienstag (20.45 Uhr/Sky) beim Letzten der 2. Liga seine Fortschritte auch in einem K.o.-Spiel und in einer sicher heißen Atmosphäre beweisen. "Das Wichtigste wird sein, dass wir mit einer guten Mentalität spielen", betonte Dardai: "Ich will gegen Pauli gewinnen. Wir sind für alles bereit."

Zu seiner aktiven Zeit sei dies nicht immer der Fall gewesen, erinnerte Herthas Rekord-Nationalspieler an das oft vorzeitige Ausscheiden bei unterklassigen Vereinen: "Da sind wir hingefahren und haben uns irgendwie blamiert." Auch beim FC St. Pauli sind die Berliner schon einmal gescheitert: Im Dezember 2005 unterlagen sie im Achtelfinale am Millerntor 3:4 nach Verlängerung. Hertha hatte durch Tore von Marko Pantelic, Gilberto und Marcelinho schon 2:0 und 3:2 geführt, das reichte aber nicht. "Jetzt sind die Spieler sehr konzentriert", bemerkte Dardai zum mentalen Wandel.

Lösungen statt Ausreden

Auch wenn der Trainer nach dem jüngsten Liga-Heimsieg gegen den 1. FC Köln in Hamburg seine Mannschaft umstellen muss, will er das nicht weiter thematisieren: "Wir werden gegen St. Pauli nach Lösungen suchen und nicht nach Ausreden." Die Innenverteidiger John Anthony Brooks und Sebastian Langkamp sowie Stürmer Julian Schieber haben sich gegen Köln Blessuren zugezogen. Fabian Lustenberger fehlt weiter. Dafür kann Valentin Stocker, der in der Liga gesperrt ist, auf dem Kiez mitwirken.

"Es ist ein völlig anderer Wettbewerb. Vom Kopf her ist es eine Herausforderung", warnte Manager Michael Preetz vor der Partie. St. Pauli hat in dieser Saison erst einmal in der 2. Liga und dazu in der ersten Pokalrunde beim Regionalligisten VfB Lübeck gewonnen. "Wir sind so erfahren, dass wir den Gegner nicht unterschätzen werden", betonte Dardai dennoch und fügte an: "Es wird hart, es wird eng sein. Aber die Jungs sind gierig und fleißig."

In der Vorsaison hatte auch die Pokal-Euphorie dazu beigetragen, dass rund um den Hauptstadtverein über eine lange Zeit eine positive Stimmung herrschte. Erst im Halbfinale hatte Borussia Dortmund den Berliner Traum von einem Endspiel im eigenen Wohnzimmer zerstört.

Bei Herthas Pokal-Gegner St. Pauli hat Trainer Ewald Lienen mit einer emotionalen Wutrede für Aufsehen gesorgt. Der Coach hat den Spielern des Zweitliga-Schlusslichts den Kampfgeist abgesprochen, nachdem diese die vergangenen vier Spiele verloren hatten.

Beim 0:3 gegen den SV Sandhausen am Samstag hätte demnach jedes einzelne Gegentor verhindert werden können, "wenn jeder Spieler den Willen gehabt hätte, den Fehler des Mitspielers auszubügeln. Aber die schauen zu und hoffen, dass der andere das regelt", monierte Lienen. Gegen Hertha soll jetzt ein "Schritt in die richtige Richtung" gemacht werden.