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| 18:36 Uhr

Radsport
Schiewer will Gold im zweiten Wohnzimmer

Franz Schiewer und sein Schrittmacher Gerd Gessler jubelten im Herbst 2017 in Berlin über den EM-Titelgewinn.
Franz Schiewer und sein Schrittmacher Gerd Gessler jubelten im Herbst 2017 in Berlin über den EM-Titelgewinn. FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt
Cottbus/Erfurt. Bei der Steher-EM an diesem Wochenende in Erfurt gehört der hochmotivierte Titelträger Franz Schiewer erneut zu den Topfavoriten. Er und sein Schrittmacher wollen den Heimvorteil nutzen. Aber es gibt Konkurrenz im eigenen Team. Von Frank Noack und Stephan Meyer

Wenn der amtierende Steher-Europameister Franz Schiewer um die Bahn donnert, dann hat er im Grunde genommen gleich zwei Wohnzimmer. Eine Heimbahn des 27-Jährigen steht in seiner Geburtsstadt Forst, die andere in Erfurt, wo sein Schrittmacher Gerd Gessler zu Hause ist. Und in ihrem Erfurter Wohnzimmer wollen Schiewer und Gessler an diesem Wochenende mit der lautstarken Unterstützung der thüringischen Radsport-Fans ihren EM-Titel aus dem Vorjahr verteidigen.

„Gerade auf meiner Heimbahn die Chance auf die Titelverteidigung zu haben, motiviert mich natürlich zusätzlich. Die Unterstützung der Fans wird hoffentlich noch ein paar Prozent mehr Leistung freisetzen“, hofft Schiewer.

Einer der größten Konkurrenten dürfte einmal mehr aus der Lausitz kommen. Ex-Europameister Stefan Schäfer, der in Erfurt mit André Dippel und nicht mehr mit seinem langjährigen Schrittmacher Peter Bäuerlein an den Start gehen wird, präsentierte sich zuletzt ebenfalls in guter Form.  Ein Podiums-Anwärter ist auch wieder der Niederländer Reinier Honig mit Schrittmacher Jos Pronk. Bei der Europameisterschaft 2017 in Berlin setzte sich Schiewer vor Honig und Schäfer durch.

28 Fahrer aus neun Nationen sind in Erfurt am Start. Los geht es am Freitag mit den Vorläufen, das Finale findet am Samstag um 18 Uhr statt. Neben Schiewer und Schäfer vertreten Daniel Harnisch (hinter Peter Bäuerlein) und Robert Retschke (hinter Christian Ehnert) die Farben des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Ihre Aufgabe dürfte erneut darin bestehen, Schiewer und Schäfer auf ihrem Weg auf das ­Podium zu unterstützen. Eine ähnliche mannschaftliche Stärke besitzen nur die Niederländer um ihren Topmann Honig.

Die Fahrer dürfen sich in jedem Fall auf eine stimmungsvolle Kulisse auf der traditionsreichen Bahn im Andreasried in Erfurt freuen. Jörg Werner als Chef des Organisationskomitees erhofft sich am Renn-Wochenende rund 5000 bis 6000 Zuschauer. Das Fassungsvermögen der 250-Meter-Bahn beträgt 3500 Zuschauer. Im Vorverkauf wurden bereits 1500 Tickets abgesetzt. Erfurt feiert damit seine Premiere bei einer internationalen Bahn-Meisterschaft.

Die Augen der Thüringer Radsport-Fans dürften natürlich vor allem auf Franz Schiewer und seinen Erfurter Schrittmacher Gerd Gessler gerichtet sein. Das eingespielte Duo hat in diesem Jahr bereits zwei Rennen im Andreasried gewonnen, darunter mit dem „Sparkassen Steher Grand Prix“ die Generalprobe für diese Europameisterschaft. Ohnehin hat Schiewer seit seinem Titelgewinn im Herbst in Berlin die Steher-Szene dominiert. Nun freut er sich auf die Atmosphäre in einem seiner beiden Wohnzimmer. „Erfurt lebt den Stehersport, wie es sonst leider nur noch die Forster seit Jahrzehnten praktizieren“, erklärte Franz Schiewer gegenüber der Thüringer Allgemeinen Zeitung. Er gehört neben seiner Mitgliedschaft beim RK Endspurt Cottbus inzwischen genau wie Schrittmacher Gerd Gessler auch dem RSC Turbine Erfurt an.

Eine Woche später steigt dann im zweiten Wohnzimmer von Schiewer die große EM-Revanche – also beim Sattelfest in Forst. Der Sportliche Leiter Marcel Möbus schaut deshalb an diesem Wochenende auch genau zur Europameisterschaft nach Erfurt. Seine Prognose: „Franz Schiewer hat nach seinem EM-Titel im vergangenen Jahr auch vom Kopf her noch einmal einen Sprung nach vorn gemacht. Er ist zurzeit der beste Steherfahrer in Europa. Von den deutschen Fahrern könnte ihm Stefan Schäfer gefährlich werden. Ansonsten kommt die größte Konkurrenz aus den Niederlanden. Auch Reinier Honig hat ­große Chancen auf den Titel.“

Und eine Woche steht dann ­bereits das nächste Duell dieser drei Topfahrer auf dem Programm – bei der EM-Revanche in Forst.

Franz Schiewer ist EM-Titelverteidiger im Stehersport.
Franz Schiewer ist EM-Titelverteidiger im Stehersport. FOTO: Frank Hammerschmidt
Ex-Europameister Stefan Schäfer wurde im Vorjahr Dritter.
Ex-Europameister Stefan Schäfer wurde im Vorjahr Dritter. FOTO: Frank Hammerschmidt
Der Niederländer Reinier Honig holte 2017 in Berlin Silber.
Der Niederländer Reinier Honig holte 2017 in Berlin Silber. FOTO: imago/Geisser / manuel geisser