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| 19:52 Uhr

Kommentar
Franck, lass' Deine Füße sprechen

 Steven Wiesner
Steven Wiesner FOTO: LR / Sebastian Schubert
Franck Ribéry hat wieder mal eine Gelegenheit verpasst, der Welt zu zeigen, dass er erwachsen geworden ist. Stattdessen gingen Grüße raus an "Neider und löchrige Kondome". Nun gut. Es gibt aber auch noch etwas anderes in dieser Causa, das genauso unnötig ist wie Ribérys Instagram-Replik. Ein Kommentar. Von Steven Wiesner

Ach, Franck. Warum denn nur?, möchte man ihn fragen. Ein Fußballer, der mit seinen Fähigkeiten ausgestattet ist, sollte derlei Verhalten gar nicht nötig haben. Ribéry brauchte seinen Gegenspielern doch bloß den Ball durch die Beine schieben und seine Füße sprechen lassen. Stattdessen lässt sich das Enfant terrible aus Boulogne-sur-Mer immer wieder zu Unbeherrschtheiten hinreißen, die eigentlich schon pubertäre Problemkinder überwunden haben sollten. Ob es sein Amüsement mit einer Minderjährigen war oder Ohrfeigen gegen Journalisten und Gegenspieler – die Eskapaden von Ribéry, der laut dem Fums-Magazin „schon mehr Schläge in der Liga verteilt hat als Bud Spencer in einem Plattfuß-Film“, nehmen Überhand. Und sie lassen wohl nicht nur die früheren Bayern-Spieler Mario Basler und Sven Scheuer irritiert zurück, die 1999 nach einer einzigen Auseinandersetzung in einer Münchener Kneipe vom Rekordmeister vor die Tür gesetzt worden sind. Anstatt einen Millionär mit der nächsten Geld­strafe zu langweilen, sollten ihm die Bayern-Oberen das wegnehmen, was er am meisten liebt: Spielzeit.

Genauso unnötig wie Ribérys Instagram-Replik ist aber auch die Empörung, die sich immer wieder Bahn bricht in unserer Gesellschaft, nur weil sich prominente Sportler mit ihrem (wenn auch unverhältnismäßig hohen Salär) vergnügen. Wenn sich Jérôme Boateng zu Weihnachten mit einem 500 000-Euro-Lamborghini beschenken und Ribéry ein 1200-Euro-Steak schmecken lassen will, dann muss das nicht beklatscht werden – sie brauchen aber auch niemandes Erlaubnis.

 Mit dem Ball ein Virtuose - mit den Umgangsformen eher nicht: Franck Ribéry.
Mit dem Ball ein Virtuose - mit den Umgangsformen eher nicht: Franck Ribéry. FOTO: dpa / Matthias Balk