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| 18:31 Uhr

Radsport
Forst bangt um Start von Romy Kasper

Vor dem Start der 3. Etappe lächelte Romy Kasper noch gemeinsam mit den Kids.
Vor dem Start der 3. Etappe lächelte Romy Kasper noch gemeinsam mit den Kids. FOTO: Augenklick / ROTH/AUGENKLICK
Forst. Die Lokalmatadorin vom PSV Forst soll das Aushängeschild des Europa-Kriteriums am 1. Juli sein – aber sie ist erneut schwer gestürzt und muss pausieren. Von Frank Noack

Dieser schwere Sturz ist ­doppelt bitter: Er tut natürlich vor allem Romy Kasper weh – aber auch ihrem Heimatverein PSV Forst. Die 30-jährige Radsportlerin war am Wochenende bei der Tour of Britain erneut gestürzt und hat sich dabei eine Gehirnerschütterung zugezogen. Ihr Start beim Europa-Kriterium am 1. Juli in Forst ist deshalb fraglich. „Ich muss meinem Kopf jetzt erstmal Ruhe ­gönnen und schauen, wie sich die Dinge ent­wickeln“, erklärt Kasper.

Zu Fall gekommen war die Forsterin, die für das italienische Profiteam Alé Cipollini fährt, auf dem vierten Teilstück der Tour of Britain. Erinnerungen an den Sturz an hat Kasper keine. Am Montagvormittag kehrte sie aus England zurück und wurde in Leipzig noch einmal untersucht. „Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Ich hatte zwar schon einige Gehirnerschütterungen, aber so krass war es noch nie. Ich muss jetzt vor allem Geduld haben“, berichtet die Nationalmannschaftsfahrerin aus der Lausitz.

Es wird also ein Wettlauf mit der Zeit bis zum 1. Juli, wenn beim Europa-Kriterium in ihrer Heimatstadt Forst erstmals wieder ein internationales Frauenrennen auf der 400 Meter langen Betonbahn stattfinden wird. Die Veranstalter vom PSV Forst drücken jedenfalls ganz fest die Daumen, dass die Lokalmatadorin noch rechtzeitig fit. „Es wäre echt schade, wenn ausgerechnet Romy Kasper ausfallen sollte. Denn die Veranstaltung ist ganz auf sie zugeschnitten“, erklärt Marcel Möbus als Sportlicher Leiter.

Der ehemalige deutsche Steher-Meister erlebt also gleich eine schwierige Premiere. Möbus hat die Aufgabe als Sportlicher Leiter von Frank Schneider übernommen, der nach vielen Jahren als Stimme auf der Forster Radrennbahn beim Pfingstpreis wie angekündigt seine Abschiedsvorstellung gegeben hatte. Zumal der PSV Forst bei der ­zweiten Auflage dieses  Europa-Kriteriums diesmal neue Wege beschreitet. Bei der Premiere im vergangenen Jahr standen die Steher und der familiäre Aspekt im Mittelpunkt. Diesmal kommt den Frauenrennen eine wichtige Rolle zu – und dafür ist eigentlich Romy Kasper fest eingeplant.

Die Forsterin erlebt gerade eine der schwierigsten Phasen ihrer Karriere. Bei einem Sturz im März hatte sich Kasper das Schlüsselbein gebrochen. Auch beim Sechstagerennen in Berlin im Januar landete sie auf der Bahn und brach sich zwei Rippen. Bei der Europameisterschaft im Oktober ebenfalls in Berlin zog sie sich bei einem Sturz eine Lungenquetschung und Rippenverletzungen zu.

Und nun also das Malheur in Großbritannien! Auch diesmal verhinderte der Helm wohl eine noch schlimmere Verletzung. „Meine ­Helme haben mir bestimmt schon fünf neue Leben geschenkt“, blickt Kasper auf ihre Pechsträhne zurück.

Trotzdem will sie unbedingt am 1. Juli in Forst an den Start gehen. Zumal es bei den Rennen im Scratch, Punktefahren, Madison und Derny um UCI-Ranglistenpunkte geht. Im Madison bildet Romy Kasper ab sofort gemeinsam mit Lin Lea Teutenberg ein  Gespann und hat die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Visier. Ihre bisherige Partnerin Lisa Küllmer fährt künftig mit Anna Knauer. Diese Entscheidung hat Bundestrainer André Korff nach der zurückliegenden Wintersaison getroffen. Bei der Weltmeisterschaft im März in Apeldoorn mussten sich Kasper/Küllmer mit Rang zehn begnügen. Trotzdem sollten beide eigentlich das Aushängeschild des Europa-Kriteriums bilden.

Auf den Werbeplakaten sind Kasper und Küllmer zu sehen, wie sich mit dem Schleudergriff ins Rennen schicken. Küllmer ist in Forst nun aber ganz raus. Bei Kasper gilt es, bis 1. Juli die Daumen zu drücken.

FOTO: Frank Noack