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Formel 1-Pilot Ricciardo: "Vettel wäre mein älterer Bruder"

Daniel Ricciardo ist der Strahlemann der Formel 1. In der WM-Wertung liegt er derzeit auf Rang vier.
Daniel Ricciardo ist der Strahlemann der Formel 1. In der WM-Wertung liegt er derzeit auf Rang vier. FOTO: dpa
Spielberg. Als Aserbaidschan-Sieger ist Daniel Ricciardo zum Großen Preis von Österreich gereist. Verständnis äußert der "Honigdachs" für den Ausraster von Sebastian Vettel.

Der Spitzname von Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo (28) ist "Honigdachs". Der frühere Teamkollege von Sebastian Vettel bekam diesen Beinamen in Anlehnung an das knuddelige, aber wilde Tier verpasst. Im Interview ist der Australier entspannt wie eh und je. Ricciardo sprach vor dem Heimrennen seines Rennstalls in Österreich über die Kochkunst seiner Mutter, Ausflüge in die Wüste - und Vettel.

Herr Ricciardo, Sie sind die ganze Saison mit der Formel 1 unterwegs. Hat sich für Sie die Bedeutung von Heimat und Familie geändert?
Ricciardo Die Familie bleibt wichtig, wenn man aber weit weg von ihr ist, weiß man sie mehr zu schätzen. Die Zeit, die wir heute zusammen haben, hat eine höhere Qualität. Wir waren aber schon immer eng. Als ich nach Europa gezogen bin, war ich noch immer in Australien verliebt, ich habe Europa nicht so sehr genossen. Ich dachte immer nur daran, an Weihnachten wieder zuhause zu sein.

Pflegen Sie Rituale beim Wiedersehen von Familie und Freunden?
Ricciardo Ich versuche, mich mit allen meinen Freunden zu treffen, dann fahren wir normalerweise Motocross, fahren in die Wüste und sind dort ein paar Tage ohne Telefon, einfach um Spaß zu haben. Mit meiner Familie versuche ich eine gute Zeit zu haben, gemeinsam gut zu essen. Meine Mutter will immer für mich kochen, wenn ich zuhause bin, dann lasse ich ihr die Freude. Ich bekomme Schnitzel, die italienische Variante Costoletta alla milanese. Pasta gibt es auch, ich versuche davon aber nicht zuviel zu essen.

Helmut Marko ist Red-Bull-Motorsportberater und Talentförderer mit besonderem Näschen. Wenn Sie ihn mit einem Familienmitglied vergleichen müssten, welches wäre er?
Ricciardo Helmut wäre der Opa ... oder vielleicht der grantige Opa (lacht). Er kann schon mal schroff sein, aber er ist fair. Nach so manchem Telefonat war mir nicht unbedingt zum Lachen zumute, ich hatte aber immer das Gefühl, dass er ehrlich ist und an mich glaubt.

Wer wäre Ihr Teamkollege Max Verstappen?
Ricciardo Max wäre der rivalisierende Cousin, mit dem du aufwächst und dich immer misst. Du hast kein brüderliches Verhältnis, aber du kommst diesem Verhältnis mit ihm ziemlich nahe.

Und ihr früherer Stallrivale Sebastian Vettel?
Ricciardo Sebastian wäre der ältere Bruder, der als Vorbild vorangehen will und einen tadelt, wenn man eine Dummheit begehen will (lacht).

Haben Sie Verständnis für Vettels Wutrempler gegen Lewis Hamilton vor zwei Wochen in Baku?
Ricciardo Solche Sachen passieren einfach. Ich verstehe, dass dich beim Rennfahren manchmal Gefühle überwältigen können.

Vettel droht beim nächsten schwerwiegenden Vergehen eine Rennsperre. Wird ihn das beeinflussen?
Ricciardo Vielleicht ein bisschen. Ich denke aber, er wird immer noch versuchen, genauso Rennen zu fahren, wie er es sonst auch macht.

Man sieht Sie in der Regel lachend. Manchmal unterstellt man Leuten, die auffallend viel gute Laune haben, aber auch einen Mangel an Ernsthaftigkeit.
Ricciardo Ich verstehe, worauf man damit hinaus will. Dieser Job macht Spaß, es ist aber auch eine ernste Sache. Wenn ich Rennen fahre, kann ich beides.

Wann sind Sie mal grimmig?
Ricciardo Wenn ich müde oder hungrig bin. (lacht) Und wenn ich auf der Strecke nicht die Leistung abliefere, zu der ich imstande bin, ärgert mich das.

Frust oder Glück - was ist die größere Energiequelle?
Ricciardo Glück. Einige der besten Rennen meiner Formel 1-Karriere hatte ich nach einem Wochenende voller Spaß.

Mit Daniel Ricciardo

sprach Martin Moravec