ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:12 Uhr

Interview
FLB-Präsident Kaden: „Wer soll das bezahlen?“

Jens Kaden ist der neue Präsident des Fußball-Landesverbandes Brandenburg und damit Nachfolger von Siegfried Kirschen.
Jens Kaden ist der neue Präsident des Fußball-Landesverbandes Brandenburg und damit Nachfolger von Siegfried Kirschen. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus. Brandenburgs neuer Fußball-Chef spricht über seinen Vorgänger Siegfried Kirschen und die Finanz-Beschlüsse des Verbandstages. Von Jan Lehmann und Uwe Wuttke

Jens Kaden, wie groß war die Aufregung bei Ihrer Wahl?

KADEN Ich war schon ein bisschen aufgeregt, gleichwohl natürlich auch schon seit Längerem vorbereitet. Es ist trotzdem ein Ereignis gewesen, das auch einschneidend für mich war. Und dies nicht nur wegen der vielen  Ehrengäste. Ich bin seit dem Jahr 2000 im Verband tätig, das war – auch wegen der Verabschiedung von Siegfried Kirschen – der emotionalste und längste Verbandstag. Ich bin noch ergriffen davon, wie es gelaufen ist. Diese Art von Zustimmung mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung, das ist ein großer Vertrauensbonus, den ich so nicht erwarten konnte.

Hat es Sie gestört, der einzige Kandidat für das Amt zu sein?

KADEN Es gab ja im Vorfeld einen weiteren Kandidaten.

Wer war dieser Kandidat?

KADEN Das war der alte und neue Vizepräsident Fred Kreitlow, der neben meiner Kandidatur zunächst auch von der Mehrheit der Vorsitzenden der Fußballkreise vorgeschlagen worden ist. Auf Wunsch von Präsidium und Vorstand gab es dann ein langes Gespräch zwischen uns. Unser Ergebnis sowie die Klärung weiterer Personalangelegenheiten führte dazu, dass das Präsidium und der Vorstand – darin eingeschlossen die Kreise und Ausschüsse – sich einstimmig auf den bekannten Kandidatenvorschlag geeinigt haben.

Verbandspräsident und Beamter der Staatsanwaltschaft – ist diese Doppelbelastung machbar?

KADEN Das Amt ist für mich und meine Dienstzeit ein Amt, das uns fordert. Ohne das Verständnis und die Unterstützung der Behördenleitung wäre das nur schwer zu vereinbaren. Hier gelten mein ganz besonderer Respekt und mein persönlicher Dank dem Leitenden Oberstaatsanwalt Helmut Lange und dessen ständiger Vertreterin Oberstaatsanwältin Kerstin Langen.

Sie sprechen von großen Fußstapfen. Wie bewerten Sie die Arbeit von Ex-Präsident Siegfried Kirschen?

KADEN Es ist eine Ehre, die Nachfolge von Siegfried Kirschen antreten zu dürfen. Selbst die größten Worte sind zu klein, um das auszudrücken, was Siegfried Kirschen geleistet hat. Die stehenden Ovationen waren ergreifend und für mich ein klares Zeichen des Dankes und der Anerkennung seiner Lebensleistung. Er hinterlässt nicht nur ein bestelltes Feld, sondern auch einen dazugehörigen fruchtbaren Boden. Der Verband ist gut aufgestellt, organisiert und finanziell gesund. Es verdient Anerkennung, was er für den FLB geleistet hat.

Es gab aber auf dem Verbandstag auch kritische Nachfragen, warum der FLB Gebühren erhöhen wollte.

KADEN Seit mehr als 20 Jahren sind die Gebühren nicht erhöht worden. Andere Landesverbände haben schrittweise deutlich höhere Gebühren eingeführt als die vier Euro, die jetzt angenommen worden sind. Wir haben früher Defizite mit Rücklagen ausgeglichen, weil wir Erhöhungen den Mitgliedern nicht zumuten wollten. Beim Verbandstag sind nun alle Erhöhungen erläutert und bis auf die Pauschale für die DFBnet-Nutzung auch beschlossen worden.

Wie sehr belastet die Gebühr für das DFBnet den Verband?

KADEN Es sind über 86 000 Euro, die wir an den DFB abführen müssen. Die Einnahmen liegen hierbei bei rund 21 000, und dies auch nur dann, wenn die Ergebnismeldungen zeitgemäß erfolgt sind. Die verbleibende Differenz trägt der Verband. Seit Jahren können die Vereine das DFBnet nutzen, das wir bislang trotzdem kostenfrei zur Verfügung stellen. Es wäre aber ein normaler Prozess, dass ich für etwas bezahle, wenn ich Leistungen empfange.

Eine Kompetenzerweiterung für Staffelleiter ist abgelehnt worden. Wie bedauerlich ist das für den Verband?

KADEN Es ist nicht bedauerlich. Es hätte bedeutet, dass die Staffelleiter noch mehr Arbeit zu erledigen hätten. Das ist zunächst  ein Ergebnis der Kreisstrukturreform, wodurch sich der Spielbetrieb  intensiviert hat. Es war der Vorschlag zweier Kreise. Alle anderen, wie auch der Spielausschuss und der Satzungsausschuss, waren bereits im Vorfeld anderer Meinung. Auch ich, der aus der Sportgerichtsbarkeit kommt und dem Satzungsausschuss angehörte, finde es richtig, dass alles beim Alten bleibt. Staffelleiter haben ihre Aufgabe, Spiele zu organisieren. Spielwertungen sind Aufgabe der Sportgerichtsbarkeit.

Noch einmal zurück zu Siegfried Kirschen. Was wollen Sie anders machen und was beibehalten?

KADEN Ich will Gutes und Bewährtes bewahren. Gleichzeitig aber Neues wagen, ganz nach dem Motto des Verbandstages „Bewegte Zeiten, Zukunft bewegen“.  Kritische Fragen oder Dinge, die bisher nicht ausgesprochen worden sind, möchte ich erst einmal sammeln, sortieren, bearbeiten und diskutiere sie dann mit den Fachleuten in den Ausschüssen und im Vorstand. Über neue Ideen habe ich auch schon mit unserer Geschäftsführerin Anne Engel gesprochen. Ich möchte mich auf jeden Fall mit meinen Mitstreitern auf Augenhöhe bewegen. Es muss heißen: „Was wollen wir“.

Welche Brennpunkte sehen Sie, die zuerst angepackt werden müssen?

KADEN Ein ganz wichtiger Brennpunkt ist die Zunahme der Gewalt und das diskriminierende, fremdenfeindliche und extremistische Verhalten in den Stadien. Die Selbstdarstellung gewisser Personen hat dazu geführt, dass der Fußball Schaden nimmt. Nicht nur in oberen Ligen, sondern auch bei uns im Landesverband. Dies ist bereits im Kreis­spielbetrieb angekommen. Hier gilt es wirklich, Maßnahmen zu entwickeln, um diesem Phänomen entgegenzutreten: Das steht auf der To-Do-Liste ganz weit oben.  Die Leute sollen beim Fußball Spaß haben und keine Angst, dass sie in Auseinandersetzungen hineingeraten oder mit Feuerwerkskörpern beschossen werden.

Immer mehr kleine Vereine kapitulieren vor den Anforderungen des Verbandes. Wie wollen Sie die Ehrenamtlichen entlasten?

KADEN Der größte Aufschrei kommt nicht aus kleinen Vereinen, sondern aus der Funktionärsebene, wo die Arbeit aufgrund der Kreisgebietsreform, bei der die Fußballkreise zusammengelegt worden sind, erheblich zugenommen hat. Aber es ist ja auch für den FLB mehr Arbeit geworden, zum Beispiel durch immer neu übertragene Aufgaben vom DFB, welche dann auch umzusetzen sind. Die Geschäftsführerin und ich haben dabei auch gewisse Veränderungen in der Geschäftsstelle im Blick. Zudem ist es auch wichtig, das Ohr mehr an der Basis zu haben. Hartmut Lenski ist Vertreter der Kreise. Er filtert die Probleme, und wir werden gemeinsam nach Lösungen suchen. Das Ehrenamt soll nicht daran kranken, weil eine Überlastung gegeben ist.

Kann das Hauptamt in den Kreisen ausgebaut werden, um Entlastung zu schaffen?

KADEN Im Zuge der Strukturreform haben wir jedem Fußballkreis 25 000 Euro zukommen lassen. Wie diese genutzt werden, liegt im Ermessen der Kreise. Ansonsten stellt sich die Frage, wer soll das bezahlen – Kreise oder Verband, oder soll der Verband den Kreisen einiges abnehmen und diese bezahlen eine Gebühr dafür? Dann haben wir einen Aufschrei.

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz wünscht sich „gute Entscheidungen im Sinne der Vereine“. Gibt es in der Zusammenarbeit mit dem FCE Verbesserungsmöglichkeiten?

KADEN Wir sind bereit, gemeinsam mit Energie in die Zukunft zu blicken. Ich habe schon seit Längerem entsprechende Signale gesendet. Unsere Geschäftsführerin Anne Engel hat erste Gespräche geführt, auch mit Herrn Wollitz. Nach meiner Wahl können und wollen wir Gespräche intensivieren. Durch die unerwarteten Veränderungen im Präsidium von Energie müssen wir aber erst einmal sehen, dass der Verein in ruhigeres Fahrwasser kommt. Ich drücke der Mannschaft die Daumen, dass diese Nebengeräusche sich nicht auf die Leistung auswirken.

Zuletzt würde über das Flutlicht in der Brandenburgliga diskutiert. Können Sie die Clubs unterstützen?

KADEN Der Verbandsspielausschuss hat die erforderliche Lux-Zahl für die Brandenburgliga von 200 auf 150 vermindert. Das ist auch notwendig, denn bis auf Victoria Seelow kamen die meisten Vereine nicht an die 200-Lux-Zahl heran und hätten keine Abendspiele durchführen können. Mit der Reduzierung ist das für weitere Vereine möglich.

Deutschland hat den Zuschlag zur Euro 2024 bekommen. Wie kann der FLB davon profitieren?

KADEN Das werde ich zu gegebener Zeit mit dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel besprechen. Momentan haben andere Sachen im Landesfußball Priorität.

Mit Jens Kaden sprachen
Uwe Wuttke und Jan Lehmann