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Fixstern mit Feuerschweif

Lucas Auer feiert am Lausitzring seinen zweiten Saisonsieg. Der 22-Jährige ist in diesem Jahr der Topfavorit auf den Titel.
Lucas Auer feiert am Lausitzring seinen zweiten Saisonsieg. Der 22-Jährige ist in diesem Jahr der Topfavorit auf den Titel. FOTO: DTM
Klettwitz. Mercedes-Pilot Lucas Auer bleibt nach seinem Sieg am Samstag am Lausitzring weiter das Nonplusultra in der DTM. Am Sonntag zeigte der Neffe von DTM-Chef Gerhard Berger vor voller Tribüne in Klettwitz sein hitziges Kämpferherz. Jan Lehmann

DTM-Chef Gerhard Berger war in der Startaufstellung mit schnellem Schritt extra noch einmal zu seinem Neffen Lucas Auer geeilt. Wollte er ihm noch die letzten Tipps vor dem Sonntagsrennen am Lausitzring geben? Weil sich der 22-jährige Österreicher zuvor im Qualifying verbremst und das locker mit "Sorry, mein Fehler" abgehakt hatte, konnte er nur von Platz 15 starten. Würde es jetzt dank Bergers Geheimtipps die Aufholjagd geben?

Der Stern des DTM-Führenden war bei seinem Debütsieg im Vorjahr in Klettwitz aufgegangen. Dank seiner bemerkenswerten Entwicklung hat er sich bei Mercedes schnell vom Shootingstar zum Fixstern gewandelt. Nun legte kurz nach dem offensichtlich intensiven Austausch mit Formel-1-Ikone Berger einen klasse Start hin. Mit seinem souveränen Start-Ziel-Sieg am Samstag hatte Auer zuvor schon Stärke demonstriert.

Am Sonntag präsentierte er sein hitziges Kämpferherz. Mit einem gefühlten Feuerschweif fuhr sich der Österreicher in heißen Duellen noch auf Rang zehn in die Punkte. Der Österreicher ärgerte sich zwar: "Schade, Platz sieben wäre noch möglich gewesen. Dann wäre ich mit dem Wochenende vollends happy. Aber auch so fahre ich mit einem guten Gefühl von hier weg. Besonders am Sonntag hat es Spaß gemacht, die Kulisse war brutal gut." Auer bleibt der größte Favorit auf den Titel.

Doch die Konkurrenz der Mercedes-Sterne ist keineswegs Lichtjahre entfernt. Der britische Audi-Pilot Jamie Green feierte am Sonntag seinen insgesamt schon dritten Sieg auf der Strecke in Klettwitz - nur DTM-Legende Bernd Schneider und Gary Paffett gewannen genauso oft auf dem Lausitzring. Den größten Jubel der bestens gefüllten Haupttribüne unter dem Riesenwindrand löste aber sein Audi-Kollege Mattias Ekström mit seiner famosen Aufholjagd von Rang acht auf Platz zwei aus. Der Schwede, der mit einer riskanten Strategie schon nach der ersten Runde an die Boxen kam, donnerte mit gebrochener Bremse über die Ziellinie und musste per Abschleppwagen zur Siegerehrung chauffiert werden.

Ein kurioser Abschluss eines insgesamt sehr bemerkenswerten Wochenendes, dem nur noch der neue Re-Start im Indianapolis-Stil fehlte. Es gab schlichtweg keine Safetycar-Phase in beiden Rennen, die diesen spektakulären fliegenden Start nötig gemacht hätte.

Und wo es bei Auers ungefährdetem Sieg am Samstag noch etwas an der Spannung mangelte, bot der Sonntag erstklassige Unterhaltung. ARD-Experte Norbert Haug schwärmte: "Dieses Rennen war Weltklasse." Wohl nicht zuletzt dank der feurigen Fahrweise von Lucas Auer, der nicht umsonst als künftiger Formel-1-Fahrer gehandelt wird. Machen ihn etwa die heißen Tipps von Onkel Gerhard so stark? Auer grinst und behauptet: "Vorm Rennen haben wir über etwas ganz anderes geredet, nicht über Motorsport." Worüber denn? "Übers Essen." So sind sie halt, die Österreicher.