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Feinschliff im Disneyland

Da geht es lang: Bundes trainer Löw will eine Talfahrt beim Confed Cup vermeiden. Dafür ist ein Auftaktsieg gegen Australien am Montag wichtig.
Da geht es lang: Bundes trainer Löw will eine Talfahrt beim Confed Cup vermeiden. Dafür ist ein Auftaktsieg gegen Australien am Montag wichtig. FOTO: dpa
Sotschi. Es ist bizarr. Abgeschirmt von Polizisten hat Bundestrainer Joachim Löw im Disneyland-Ambiente der Olympiastadt Sotschi mit seinem Perspektivkader den geheimen Feinschliff für den ersten Ernstfall beim Confed Cup gestartet. Klaus Bergmann

Hinter dem Trainingsplatz rasen Urlauber im angrenzenden Freizeitpark auf der Achterbahn durch Loopings - schrille Schreie hallen herüber. Und im Hintergrund bilden die in Küstennähe aufragenden schneebedeckten Bergkuppen des Kaukasus ein beeindruckendes Panorama. "Die ersten Eindrücke waren sehr schön", lobte Teammanager Oliver Bierhoff die russischen Gastgeber.

Bei der Arbeit auf dem feinen Rasenplatz sind Kapitän Julian Draxler und seine Kollegen aber ganz auf den Fußball konzentriert. "Es wird ernster", sagte Ex-Nationalspieler Bierhoff. Bayern-Profi Joshua Kimmich und der Leverkusener Youngster Julian Brandt äußerten sich bei der ersten Pressekonferenz im Teamhotel "positiv überrascht" über die Bedingungen im Ferienort am Schwarzen Meer. "Wir sind eine neue Truppe hier. Aber wir bekommen mit jedem Training und jedem Spiel mehr Sicherheit", sagte Kimmich.

Die rasante Achterbahn im Olympiapark steht dabei sinnbildlich für das Abenteuer, das Löw beim Probeturnier ein Jahr vor der WM in Russland eingeht. Denn das unerfahrene 21-Mann-Aufgebot mit nur drei Weltmeistern von Rio 2014 steht vor einer ungewissen Berg-und-Talfahrt, die im Optimalfall am 2. Juli mit dem ersten deutschen Confed-Cup-Gewinn in St. Petersburg enden könnte. "Wenn man hier ist, will man gewinnen", sagte Bierhoff deutlich.

Eine Talfahrt mit einem Ausscheiden nach den Gruppenspielen gegen Auftaktgegner Australien, Löws Titelfavoriten Chile sowie den unberechenbaren Afrikameister Kamerun ist aber auch denkbar. Eine zentrale sportliche Frage lautet für Bierhoff: "Wer übernimmt in der Mannschaft die Verantwortung in schwierigen Momenten?"

Nach der ersten Nacht in Russland läutete Löw den Countdown für die Partie am Montag (17 Uhr/ZDF) gegen Australien ein. Publikum duldet der Bundestrainer nicht mehr. Taktik und Personalauswahl soll geheim bleiben, der interne Konkurrenzkampf ist groß. Etliche Startelfplätze scheinen bereits vergeben. Marc-André ter Stegen dürfte im Tor beginnen. Shkodran Mustafi, Joshua Kimmich und Jonas Hector sind hinten gesetzt. Dazu kommen im Mittelfeld Kapitän Julian Draxler und Leon Goretzka sowie in der Sturmspitze Teamsenior Sandro Wagner.

Löw dürfte personell weitgehend auf Nummer sicher gehen, denn dem Auftakt gegen Außenseiter Australien wird intern eine Schlüsselrolle beigemessen. "Die Erwartungshaltung ist ein Sieg", sagte Bierhoff zur Zielsetzung. Die Spieler bewerten den Confed Cup als gute Plattform. "Für jeden ist das hier eine super Möglichkeit, sich zu zeigen", sagte der 22 Jahre alte Kimmich. Nach einer Saison beim FC Bayern, mit der er "nicht zufrieden" war, will der DFB-Stammspieler beweisen, dass er auch im Verein die Nachfolge von Philipp Lahm auf der rechten Verteidigerposition antreten kann.

Dass der Weltmeister in Sotschi direkt an der Strandpromenade sein Quartier bezogen hat, bleibt auch den überwiegend russischen Urlaubern nicht verborgen. Ein roter Mannschaftsbus kutschiert die prominenten Gäste aus Deutschland durch die Stadt - und das mit der Aufschrift "11 Spieler - 80 Millionen Herzen - die Mannschaft".

Das DFB-Team wird auf allen Wegen streng bewacht. "Wir fühlen uns aber nicht eingeengt", versicherte Bierhoff. Bei der WM 2018 wird der Weltmeister sein Basisquartier aber nicht in Sotschi aufschlagen. "Die Tendenz ist, in den Moskauer Raum zu gehen", sagte Manager Bierhoff. Er berücksichtigt die Reisestrapazen bei einem Turnier. Kurze Wege sind wichtig, dazu ein exklusiv nutzbares Hotel und gute Trainingsbedingungen. Sotschi sei "einfach zu weit weg".

Das subtropische Klima in der Stadt am Schwarzen Meer ist dagegen angenehm. Und zumindest die jungen Spieler reizt auch mal ein Ausflug in den Vergnügungspark mit dem Nervenkitzel einer Achterbahnfahrt. Aber bis zu fünf Wochen Sotschi 2018? "Es ist nicht mein Geschmack", sagte Bierhoff ehrlich in der ARD zu diesem Disneyland-Ambiente.