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| 06:18 Uhr

Kommentar
Fehlende Meinungsfreiheit? Das ist Quatsch!

 Jan Lehmann
Jan Lehmann FOTO: LR / Sebastian Schubert
Stefan Kretzschmar hat sich ungünstig ausgedrückt, als er eigentlich die teils unsägliche Diskussionskultur in den sozialen Netzwerken kritisieren wollte, aber stattdessen die fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland beklagte.

Das ist Quatsch, schließlich leben wir in einem Land, in dem wirklich jeder (fast) alles sagen und mit der Meinungsfreiheit begründen kann. Das Problem dabei ist nur: Man muss halt auch aushalten, wenn viele andere Menschen nicht der gleichen Meinung sind und das in diesen Tagen leider sehr oft in unangemessenem Ton anonym irgendwo ins Internet schreiben. Häme, Beleidigungen, Drohungen, alles ist dabei. Shit­storm nennt man das, zu Deutsch: Da wird ein ziemlicher Kübel Mist über dem Betroffenen ausgekippt. Dass Profisportler keine Lust auf derartige Anfeindungen haben, ist nachvollziehbar und wohl auch das, was Kretzschmar eigentlich sagen wollte. Und dennoch sage ich – das ist jetzt mal meine ganz eigene Meinung – dass diese „Ich sag besser mal nix, um es mir nicht mit dem Trainer, den Fans oder am schlimmsten noch mit den Sponsoren zu verderben“-Mentalität falsch ist. Profi-Sportler werden in diesen Tagen oft als Helden verklärt, viele sind zumindest große Vorbilder gerade von jungen Menschen und Kindern. Diese Funktion auszufüllen heißt nicht nur, fleißig Autogramme zu geben und lustige Instagram-Stories zu posten. Auch ein Sportler sollte ab und an mal Haltung zeigen und sich für demokratische Werte, offene Geisteshaltungen und das positive Miteinander einsetzen. Damit das nicht im Shitstorm endet, sollte er zuvor nur das machen, was Kretzschmar bei seinem umstrittenen Interview vermutlich nicht getan hat: Kurz mal darüber nachdenken, was man eigentlich so von sich gibt.