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WM-Qualifikation
"Falls ich träumen sollte, weckt mich bitte nicht auf"

Der frühere Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson (l.) brachte Island mit seinem Treffer auf Kurs.
Der frühere Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson (l.) brachte Island mit seinem Treffer auf Kurs. FOTO: dpa
Reykjavik. Die verrückten Wikinger sind auch in Russland wieder dabei. Islands Fußballer feiern die erste WM-Teilnahme ihrer Geschichte. Matthias Bossaller und Hallgrimur Indridason

Leuchtraketen stiegen in den Abendhimmel von Reykjavik auf und sorgten für eine festliche Stimmung. In der Arena stimmten Islands Fußball-Helden mit den begeisterten Fans den "Huh"-Ruf an. Auch auf den Straßen der Hauptstadt feierten die Bewohner des kleinen nordeuropäischen Landes nach dem 2:0-Sieg gegen Kosovo bis in den frühen Dienstagmorgen die erste WM-Teilnahme.

Wie schon 2016 bei der EM in Frankreich sind die verrückten Wikinger auch in Russland dabei. Den TV-Reporter Haukur Hardarson übermannten direkt nach dem Schlusspfiff die Gefühle. "Als ich noch ein kleiner Junge war, habe ich diesen albernen Traum gehabt. Jetzt ist dieser Traum wahr geworden", sagte er mit ergriffener Stimme. Gudni Bergsson, der Präsident des isländischen Fußballverbandes, bemerkte: "Falls ich träumen sollte, weckt mich bitte nicht auf!"

Durch die Tore des ehemaligen Hoffenheimers Gylfi Sigurdsson (40.) sowie von Johann Gudmundsson (67.) holte Island die fehlenden Punkte zur WM-Qualifikation. Das Land mit 330 000 Einwohnern kann seine sagenhafte Geschichte vom EM-Sommer fortsetzen. Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson konnte sein Glück gar nicht richtig in Worte fassen: "Das ist so verrückt. Meine Gedanken sind überall."

Island hat seit dem verlorenen Relegations-Spiel gegen Kroatien für die WM 2014 in Brasilien eine großartige Entwicklung genommen. An deren vorläufigen Höhepunkt steht nun die erstmalige WM-Teilnahme. "Wir haben den Berg erklommen und blicken nun zum nächsten. Wir ziehen unsere Wanderstiefel an und gehen los", beschrieb Hallgrimsson die kommende Aufgabe. Staatspräsident Gudni Johannesson hob die gesellschaftliche Bedeutung des historischen Momentes hervor. "Dieser unglaubliche sportliche Erfolg tut dieser Nation so gut", sagte er der Zeitung "Morgunbladid". Das Land sei in vielen Dingen gespalten. "Deshalb ist es großartig, dieses Team zu haben, das uns vereint."

Im vergangenen Jahr hatte Island bei der Europameisterschaft bereits für Furore gesorgt und war erst im Viertelfinale mit 2:5 an Gastgeber Frankreich gescheitert. In der Vorrunde hatten die Isländer ungeschlagen Platz zwei belegt und im Achtelfinale die Engländer sensationell mit 2:1 besiegt. Mit seinem leidenschaftlichen Fußball und den enthusiastischen Anhängern hatte das kleine Inselvolk die EM bereichert. Darauf darf sich nun auch Russland freuen.