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Fahrig will im Sprung-Finale "die Arschbacken zusammenkneifen"

Boden-Spezialist Matthias Fahrig zog bei der EM überraschend ins Sprung-Finale ein.
Boden-Spezialist Matthias Fahrig zog bei der EM überraschend ins Sprung-Finale ein. FOTO: dpa
Montpellier. Matthias Fahrig hat mit seinem Finaleinzug am Sprung das Debakel der deutschen Turner bei der EM in Montpellier verhindert. Der aus der Not geborene Test der zweiten Reihe ging gründlich schief. Nun müssen die Deutschen um die direkte Olympia-Qualifikation zittern. dpa/jam

Nach einer unruhigen Nacht war bei Matthias Fahrig der Ärger über die verpatzte Medaillenchance am Boden schon fast wieder verraucht. Im Anschluss an den Wettkampf hatte er noch frustriert gebrüllt, dass ihm das Sprung-Finale "scheißegal" sei - am Freitag konzentrierte er sich beim Training bei der Turn-Europameisterschaft in Montpellier voll auf sein "Zweitgerät".

Mit Platz acht am Sprungtisch hatte er den Totalabsturz der Deutschen verhindert: Noch nie in der 60-jährigen EM-Geschichte waren sie ohne einen Finalplatz geblieben. Doch Fahrig wollte sich über die Verlängerung dieser Serie und seine unverhoffte Endkampf-Möglichkeit zunächst gar nicht freuen. Die Chancen auf einen Podestplatz am Boden schienen im Vorfeld ungleich besser.

"Im Training lief es super. Gefühlte hundertmal ist mir die Boden-Übung gelungen. Aber Wettkampf ist Wettkampf, das kannst du nicht trainieren", meinte Fahrig, nachdem ihm so gut wie keine seiner Topschwierigkeiten gelang und er sogar zweimal stürzte. Noch beim Turnier der Meister in Cottbus hatte Fahrig als Zweiter glänzen können.

Nachdem die Bodenpleite aus dem Kopf dann aber verdrängt war, schaute Fahrig nach vorn. "Ich werde die Arschbacken zusammenkneifen und Vollgas geben", kündigte er an.

Rest des Teams schwächelt

Dass nun ausgerechnet der in der Vergangenheit schon zweimal wegen Disziplinlosigkeiten aus dem Team suspendierte Fahrig zu den Hoffnungsträgern von Cheftrainer Andreas Hirsch gehört, hängt auch mit dem Schwächeln der zweiten Reihe zusammen. Mit einer Vielzahl von Unsicherheiten konnte sich keines der fünf anderen Riegen-Mitglieder - darunter der Cottbuser Christopher Jursch - nachdrücklich für die WM Ende Oktober in Glasgow empfehlen. Nur die besten acht Teams erreichen dort die direkte Olympia-Qualifikation. Angesichts des in Montpellier gezeigten "Sturzfestivals" dürfte sich der Optimismus nun in Grenzen halten. "Für einige Fehler habe ich absolut keine Erklärung", zweifelte Hirsch.

Natürlich kann der "Chef" davon ausgehen, dass mit Fabian Hambüchen und Andreas Toba, die bei den Europaspielen in Baku starten werden, die Riege gravierend an Qualität gewinnt. Fragezeichen stehen aber hinter den Namen der verletzten Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider, die jetzt um den Anschluss kämpfen wollen.