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| 15:51 Uhr

Leichtathletik
Ex-Turner Ziesmer startet bei Para-EM

Ronny Ziesmer arbeitet auch als Co-Kommentator für das ZDF.
Ronny Ziesmer arbeitet auch als Co-Kommentator für das ZDF. FOTO: Hammerschmidt Frank / Frank Hammerschmidt
Cottbus. Sein Sturz vor den Olympischen Spielen in Athen schockte die Sport-Öffentlichkeit. Doch Ronny Ziesmer gab nie auf, auch nicht nach dem Verpassen der Qualifikation für die Paralympics vor zwei Jahren. Nun erlebt er mit 38 sein Debüt bei der EM der Para-Leichtathleten. Von Frank Thomas

Ronny Ziesmer greift wieder an. Der 2004 schwer verunglückte Ex-Turner erlebt vom 20. bis 26. August in Berlin sein Debüt bei Europameisterschaften der Para-Leichtathleten. Der 38 Jahre alte Cottbuser gehört zum Aufgebot von 41 Athleten, das der Deutsche Behindertensportverband am Mittwoch veröffentlichte. „Ich sehe die EM als riesige Chance, wieder auf die internationale Bühne zu kommen“, sagte Ziesmer der Deutschen Presse-Agentur.

In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen war der deutsche Mehrkampfmeister im Trainingszentrum Kienbaum am Sprung bei einem Doppelsalto rückwärts mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen und hatte sich die Halswirbelsäule in Höhe des 5. und 6. Halswirbels gebrochen. Obwohl er fortan querschnittgelähmt war, verlor er nie den Lebensmut, nahm im Rollstuhl am Berlin-Marathon teil und ging beruflich seinen Weg mit einem Studium der Biotechnologie an der Fachhochschule Lausitz. Bei den Olympischen Spielen 2008, 2012 und 2016 war er als Co-Kommentator für das ZDF im Einsatz.

Ziesmers neue sportliche Hoffnung heißt nun Keulenwurf. Mit 24,49 Metern erfüllte er bei den deutschen Meisterschaften in Kienbaum am vergangenen Wochenende die internationale Norm und qualifizierte sich auch über 100 und 200 Meter für die EM. „Er hat zwar die nationalen Normen verfehlt. Aber gerade beim Keulenwurf ist er für uns ein Quereinsteiger und hat Perspektive für die Paralympics 2020 in Tokio“, begründete Willi Gernemann, der Bundestrainer der Para-Leichtathleten, die Nominierung. „Mein Ziel ist es, jetzt in Berlin diese Bestleistung zu steigern. Ich gebe wie immer mein Bestes“, versprach Ziesmer.

Derzeit belegt er beim Keulenwurf den zwölften Rang in der Weltrangliste. Da auch seine Hände von der Lähmung betroffen sind, klemmt er sich die Keule zwischen die Finger und versucht, die Kraft im Oberarm für den Wurf umzusetzen. „Die besten der Welt werfen über 30 Meter, bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, bekannte Ziesmer.

„Man sagt bei uns, Du brauchst 10 000 Würfe, um halbwegs ein Gefühl für die Keule zu bekommen. Ich bin jetzt bei 5000 bis 6000“, fügte er hinzu. „Wenn sich Ronny jetzt im Training auf diese Disziplin konzentriert, sind Leistungssprünge bis zu den Paralympics durchaus möglich“, hofft Bundestrainer Gernemann.