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| 17:24 Uhr

Skandal um Erfurter Sportmediziner reicht in die Lausitz
„Größter Fehler“ – Ex-Radprofi Hondo gibt Blutdoping zu

 Danilo Hondo, ehemaliger Schüler der Lausitzer Sportschule, später erfolgreicher Profi, ist seit 2015 Nationaltrainer in der Schweiz.
Danilo Hondo, ehemaliger Schüler der Lausitzer Sportschule, später erfolgreicher Profi, ist seit 2015 Nationaltrainer in der Schweiz. FOTO: Tino Schulz
München. Der ehemalige Schüler der Lausitzer Sportschule und später erfolgreiche Radprofi Danilo Hondo hat jetzt Blutdoping zugegeben. Der gebürtige Gubener geht davon aus, dass damit seine Tätigkeit als Trainer in der Schweiz beendet ist und er gesperrt wird.

Der ehemalige Radprofi Danilo Hondo hat in einem Interview mit der ARD-Dopingredaktion Blutdoping im Zusammenhang mit dem Skandal um den Mediziner Mark S. eingeräumt. „Es ging um 2011. Ich muss sagen, und das ist mir auch die ganze Nacht durch den Kopf gegangen, da hatte ich diesen schwachen Moment. Ich habe den größten Fehler meines Lebens getan und dieser Geschichte zugestimmt“, sagte der gebürtige Gubener. Hondo (45) ist heute (noch) als Nationaltrainer der Schweiz tätig, war zwischen 1999 und 2014 Radprofi und fuhr sowohl für das Team Telekom (bis 2003) als auch das Team Gerolsteiner (2004-2005). Er gewann in seiner besten Zeit zwei Etappen des Giro d‘Italia und war einmal deutscher Meister (2002).

Hondo geht davon aus, dass seine Tätigkeit in der Schweiz beendet ist und er gesperrt wird. „Mir ist klar, dass es keine berufliche Zukunft, weder bei Swiss Cycling, noch in irgendeiner anderen Form im Sport, im Radsport mehr für mich geben wird“, sagte Hondo.

Blutzuführungen, so schilderte es Hondo, habe es in dem betreffenden Jahr vor den Klassikern und auch vor der Tour de France gegeben. Im italienischen Team Lampre, für das Hondo 2011 fuhr, habe niemand etwas mitbekommen. "Ich werde jetzt für Fehler in meiner Vergangenheit bestraft", sagte Hondo, er habe sich in der Schweiz in seiner Trainerfunktion immer gegen Doping stark gemacht. Zudem behauptete Hondo, das Blutdoping habe bei ihm keinen leistungssteigernden Effekt gehabt.

Nach ARD-Informationen hatte Mark S. Hondo in den Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft München belastet. „Ich denke, dass er sein ganzes Handeln weitestgehend offenlegt, um bei der Staatsanwaltschaft eine mildere Strafe zu erlangen“, sagte Hondo dazu. 2012 habe der frühere Sprinter das Blutdoping wieder beendet. „Mein Problem war von Anfang an das ungute Gefühl, etwas Unrechtes zu tun.“

2005 war Hondo einmal wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden. Es ging um den Gebrauch des Mittels Carphedon, der Fall war jedoch umstritten, und auch manche Experten sahen die Strafe als ungerechtfertigt an. „Ich bin unbewusst gedopt worden oder durch eine Verunreinigung, so wie es immer meine Vermutung war, positiv getestet worden“, sagte Hondo.

Hondo ist der zweite ehemalige deutscher Sportler, der im Zusammenhang mit der sogenannten „Operation Aderlass“ des Dopings überführt wurde. Erst am Freitag hatte die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) mitgeteilt, dass ein sportrechtliches Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen Eisschnellläufer Robert Lehmann-Dolle (35) eingeleitet wurde.

Einschließlich des gefallenen Kronzeugen Johannes Dürr sind inzwischen elf Sportler aus Deutschland, Österreich, Estland und Kasachstan belastet worden. Ende Februar wurde der Skandal um Mark S. mit einer Doping-Razzia, der sogenannten „Operation Aderlass“, während der Nordischen WM in Seefeld ausgelöst.

(sid/jag)