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| 18:21 Uhr

Motorsport
Euphorie statt Shitstorm: Glocks Lust auf die Lausitz

Timo Glock (l.) im Siegesrausch: Nach dem erfolgreichen Auftakt auf dem Hockenheimring ist der BMW-Pilot nun Spitzenreiter.
Timo Glock (l.) im Siegesrausch: Nach dem erfolgreichen Auftakt auf dem Hockenheimring ist der BMW-Pilot nun Spitzenreiter. FOTO: Tim Upietz, Gruppe C / Hoch Zwei / Gruppe C / Hoch Zwei
Klettwitz. Der ehemalige Formel-1-Pilot kommt als DTM-Spitzenreiter nach Klettwitz. Selbst Ferrari-Ikone Sebastian Vettel fiebert mit. Von Jan Lehmann

Er stand in der Formel-1-Weltmeisterschaft schon dreimal auf dem Treppchen, gewann die GP2-Serie und war bei den Champ Cars erfolgreich – doch dieses Gefühl kennt Timo Glock noch nicht: Der 36-Jährige ist erstmals Führender in der Gesamtwertung des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). Der BMW-Pilot kommt nach dem Auftaktsieg am Hockenheimring also als Spitzenreiter zum Rennen an diesem Wochenende auf dem Lausitzring.

Der Routinier, der einem breiten Publikum auch als fachkundiger TV-Experte bei der RTL-Übertragung von Formel-1-Rennen bekannt ist, fährt seit fünf Jahren in der DTM. Dieses Mal könnte er erstmals ein Titelkandidat sein. Doch Glock wiegelt ab. Am Dienstag betonte er in einer Presserunde vor dem Wochenende in Klettwitz: „Am Lausitzring geht alles wieder von vorne los. Es ist aber ein schönes Gefühl, als Führender ins Wochenende zu gehen.“

Die Lust auf die Lausitz ist Glock anzumerken – vor allem, weil das Auftaktrennen für ihn besonders speziell war. Das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Gary Paffett (Mercedes) begeisterte die Motorsport-Branche. Glock berichtete: „Ich habe so viel positive Resonanz bekommen. Selbst von Leuten, die schon 25, 30 Jahre im Motorsport sind und gesagt haben: ,So ein Rennen haben wir noch nie gesehen.‘ Der Kampf hat alle von den Sitzen gehauen.“ Selbst beim Formel-1-Rennen in Barcelona habe er viele Glückwünsche bekommen. Unter anderem von seinem Kumpel Sebastian Vettel. Der Ferrari-Pilot soll sich die Aufzeichnung des packenden Duells sogar gleich zweimal in voller Länge angeschaut haben.

Weil Glock im Rausch des Sieges kurz nach dem Überqueren der Ziellinie per Funk eine deftige Ansage in Richtung Mercedes gemacht hatte, und den bevorstehenden Ausstieg des Fahrzeugherstellers unter anderem mit „Fucking idiots“ („Verdammte Idioten“) kommentierte, gab es einigen Wirbel im Fahrerlager. Glock berichtet, dass er eigentlich einen „Shitstorm“, also viele wütende Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken, erwartet habe. „Doch auch da habe ich viel Zuspruch bekommen, weil alle gesagt haben: Das sind die Emotionen, die man hören und sehen will.‘“

Ob der BMW-Pilot am Lausitzring nun auf einer Euphoriewelle weiter vorneweg fahren kann, bleibt allerdings abzuwarten. Bisher hat er es in Klettwitz bei sieben DTM-Starts nur einmal knapp in die Top-Ten geschafft. Rang zehn im Jahr 2016 war seine beste Lausitzring-Platzierung. Der Lausitzring gilt als gutes Pflaster für Mercedes, auch Audi hat dort schon überragende Wochenenden erlebt.

Glock sagt deshalb: „Ein Traum wäre es, als Führender auch wieder vom Lausitzring abzufahren.“ Auch dieses Gefühl wäre für ihn neu.