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"Es läuft" beim Rekord-BVB

Kam natürlich auch gegen seinen Lieblingsgegner wieder in den Genuss, ein Tor zu bejubeln: Pierre-Emerick Aubameyang (M.).
Kam natürlich auch gegen seinen Lieblingsgegner wieder in den Genuss, ein Tor zu bejubeln: Pierre-Emerick Aubameyang (M.). FOTO: dpa
Hamburg/Dortmund. Die Fans feiern Borussia Dortmund nach dem 3:0 in Hamburg schon als Champion. Auch weil Neuzugang Jarmolenko den abgewanderten Ousmane Dembélé schnell vergessen macht. Thomas Prüfer und Britta Körber / swr

3000. Tor, 750. Bundesliga-Sieg und zum fünften Mal in Serie ohne Gegentreffer: Nach einer weiteren Gala-Vorstellung feiern die Dortmunder Fans ihre Mannschaft schon als Titelkandidaten. "Deutscher Meister wird nur der BVB", sangen die mitgereisten Anhänger am Mittwoch nach dem imposanten 3:0 (1:0)-Erfolg bei einem keinesfalls enttäuschenden Hamburger SV. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte sind die Schwarz-Gelben nach fünf Spielen ohne Gegentor - und Trainer Peter Bosz ist auch der erste Neuling, dem das gelang.

Nach dem Abend voller Vereins-Rekorde und -Jubiläen vergaß Christian Pulisic für einen kurzen Moment sogar das selbst auferlegte Understatement. "Die Fans wollen das natürlich, und wir auch", sagte der Jungstar mit leuchtenden Augen. "Jedenfalls wollen wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen." Manager Michael Zorc stand daneben und war ebenfalls bemüht, die Ansprüche des Bayern-Herausforderers Nummer eins zu relativieren. "Wir wollen eine gute Saison spielen. Schauen wir mal, was hinten dabei rauskommt." Lakonisch kommentierte Spielmacher Nuri Sahin den Saisonstart mit 13 Punkten aus fünf Spielen und 13:0 Toren. "Es läuft. Ich glaube, dass wir auf einem sehr guten Weg sind."

Beim Start der Ära des neuen Trainers Peter Bosz jedenfalls zeigt sich schon jetzt, dass der achtmalige deutsche Meister in dieser Spielzeit endlich wieder ein ernsthafter Konkurrent für Meister Bayern München werden könnte. Als echter Trumpf entpuppt sich vor allem der Angriff: Pierre-Emerick Aubameyang traf im neunten Spiel gegen seinen Lieblingsgegner zum neunten Mal - gegen kein anderes Team so oft, allein sechsmal in den jüngsten drei Partien. Der Japaner Shinji Kagawa und Toptalent Pulisic erzielten die übrigen Treffer.

Pulisic und Neuzugang Andrej Jarmolenko, der als bester Mann im Volksparkstadion Wegbereiter zu zwei Treffern war, sind unerwartet rasch auf dem besten Weg, den zum FC Barcelona gewechselten Ousmane Dembélé vergessen zu machen. "Jarmolenko ist ein Supertyp. Mal eben aus der Ukraine zu kommen und sich gleich so zu integrieren, ist eine Riesenleistung", lobte Sahin den 25-Millionen-Einkauf, der in Hamburg oft nur durch Fouls zu bremsen war. "Für den BVB zu spielen, ist für mich eine Riesenchance", ließ der Nationalspieler übersetzen. "Und so spielt er auch. Jarmo ist eben ein richtiger Mann", merkte Sahin an.

Noch überraschender als die Offensiv-Power ist die Zuverlässigkeit in Dortmunds Defensive. Der bisherige Startrekord von 381 Minuten ohne Gegentor wurde vor dem Heimspiel gegen Mönchengladbach am Samstag auf 450 ausgebaut. "Unser System ist offensiv ausgerichtet, aber wir arbeiten nach hinten mit viel Pressing dagegen", erklärte Abwehrchef Sokratis das Erfolgsrezept, das nur in der Champions League bei Tottenham (1:3) nicht funktionierte. "In den letzten fünf Jahren hatten immer die Bayern die beste Defensive", sagte der Grieche und deutete an, dass man sich sehr wohl an den Münchnern orientiert.

Kein Wunder, dass Tuchel-Nachfolger Bosz nach dem souveränen Sieg "im bisher schwierigsten Spiel dieser Saison" stolz auf seine Elf war. "So viel Druck wie der HSV hat nicht mal Tottenham gemacht", lobte Bosz den Gegner. Kollege Markus Gisdol bedankte sich trotz der dritten HSV-Niederlage in Serie für die warmen Worte und fasste die 90 Minuten trefflich zusammen: "Dortmund hat sich mit seiner Klasse durchgesetzt und uns sehr effektiv bestraft."

Zum Thema:
Borussia Dortmund hat als einziger Bundesligist noch kein Gegentor kassiert. Zuletzt war das nach fünf Spielen Fortuna Düsseldorf gelungen in der Saison 2012/13. Der Aufsteiger kassierte sein erstes Gegentor am 6. Spieltag, stieg am Ende aber trotzdem in die 2. Liga ab. Den Rekord hält der VfB Stuttgart, der 2003/04 erst im neunten Spiel den ersten Gegentreffer zuließ. Die wenigsten Gegentore nach 34 Spieltagen kassierte der FC Bayern (17) in der Saison 2015/16. (swr)