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| 11:46 Uhr

Radsport
„Louis van Gaal“ ist zurück in Cottbus

Die LKT-Teamleitung von rechts: Paul Voß (Sportlicher Leiter), Heiko Salzwedel (Trainer) und Steffen Blochwitz (Teammanager).
Die LKT-Teamleitung von rechts: Paul Voß (Sportlicher Leiter), Heiko Salzwedel (Trainer) und Steffen Blochwitz (Teammanager). FOTO: Mario Stiehl
Cottbus. Radsport-Erfolgstrainer Heiko Salzwedel kehrt zurück zu seinen Wurzeln und arbeitet künftig am Olympiastützpunkt beim LKT-Team.

Nach 27 Jahren im Ausland mit Stationen in Australien, Dänemark, Russland, der Schweiz und dreimal in Großbritannien ist Heiko Salzwedel (60) wieder zuhause. Einer der profiliertesten Radsporttrainer der Welt, den Bradley Wiggins mal als „Louis van Gaal des Radsports“ bezeichnete, arbeitet wieder in Cottbus, wo Mitte der achtziger Jahre seine Trainer-Karriere begann und die 1989 mit dem DDR-Vierer mit dem Weltmeistertitel einen ersten Höhepunkt erreichte.

 Nach seiner von vielen Schlagzeilen begleiteten Demission bei British Cycling (Salzwedel: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“) und der Vertragsaufhebung zum 31. Dezember 2017 sichtete Salzwedel Angebote aus aller Welt und entschied sich für Cottbus. Am Olympiastützpunkt wird er künftig die Ausdauerfahrer im LKT Team Brandenburg betreuen. „Das ist nicht nur ein Coup für uns, sondern auch für den gesamten Radsport in Deutschland“, sagt Steffen Blochwitz, ehemaliger Schützling von Salzwedel und seit 2007 Teammanager im LKT-Team.

 „Nach den Jahren im Ausland ist es an der Zeit, etwas zur Ruhe zu kommen“, sagt Salzwedel, der seit 2016 mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen (4, 6 Jahre) in einem Haus in Berlin-Marienfelde lebt.

„Ich möchte mehr Zeit mit der Familie, gleichzeitig bin ich bereit für eine neue Aufgabe und freue mich auf die Arbeit. Acht von 15 Kollegen, die ich auf der Trainerberatung in Cottbus getroffen habe, kenne ich seit mehr als 40 Jahren“, so Salzwedel, der in seinen Jugend für den SC Cottbus startete.

 Die Entwicklung des Bahnradsports in Deutschland und speziell beim LKT Team Brandenburg hat Salzwedel auf seinen Stationen immer intensiv verfolgt. „In Brandenburg wird solide Arbeit geleistet, es sind hochprofessionelle Strukturen vorhanden“, lobte Salzwedel das seit 2007 bestehende Team, der bei den Sixdays in Berlin (ab 25. Januar) erstmals in LKT-Kluft Rennfahrer betreuen wird. Am 1. Februar folgt das erste Trainingslager in Calpe/Spanien. Am Stützpunkt, bekannt für seine gute Nachwuchs- und Ausbildungsarbeit, ist aber der Durchfluss in die deutsche Spitze in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden.

 „Mein Geheimnis? Es gibt kein Geheimnis“, sagte Salzwedel über seine Erfolgsformel. In Australien formte er Fahrer wie den späteren Straßen-Weltmeister Cadel Evans oder Top-Sprinter Robbie McEwen. Den dänischen Bahnvierer führte er 2008 zu Olympia-Silber. Nach kurzen Intermezzi in Großbritannien, Russland und der Schweiz heuerte er 2014 zum dritten Mal bei British Cycling in Manchester an. Dort war er maßgeblich an der Rückkehr von Bradley Wiggins auf die Bahn beteiligt. Der Tour-de-France-Sieger von 2012 feierte in Weltrekord-Zeit in Rio 2016 in der Mannschaftsverfolgung seinen fünften Olympiasieg.

 „In Brandenburg spüre ich jetzt wieder die Achtung, die mir zuletzt in England gefehlt hat. Mein drittes Engagement dort war ganz sicher das letzte dort“, sagt Salzwedel, der sich auch auf die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Sven Meyer freut.

Der 32-Jährige begann einst als Assistent von Salzwedel in Dänemark seine Trainerlaufbahn. „Natürlich will und werde ich mich einbringen, ich habe aber überhaupt keine Ambitionen, noch einmal international tätig zu werden“, sagt Heiko Salzwedel. „Ich habe meinen Hafen gefunden.“ Und der steht sportlich nun wieder in Cottbus.