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Endlich "Ete"

Erik Balzer ist nicht nur auf dem Rad schnell unterwegs. Im August will er seine Ausbildung zum Brandmeister der Feuerwehr abschließen.
Erik Balzer ist nicht nur auf dem Rad schnell unterwegs. Im August will er seine Ausbildung zum Brandmeister der Feuerwehr abschließen. FOTO: Arne Mill
Cottbus. Der Cottbuser Erik Balzer hat sich mit seinem ersten Bahnrad-Titel einen Traum erfüllt. Zeit zum Feiern blieb aber nicht. Frank Noack

Die Nacht nach dem lang ersehnten Bahnrad-Meistertitel war für Erik Balzer nach vier Stunden bereits vorbei. Allerdings nicht, weil der Cottbuser seinen Triumph so lange gefeiert hat, sondern weil um 6.30 Uhr schon wieder Schichtbeginn für den Brandmeister-Anwärter bei der Feuerwehr in Cottbus war. "Viel Zeit zum Feiern blieb da nicht", schmunzelt Balzer, der noch in der Nacht von Frankfurt (Oder) aus zurück in die Lausitz düste.

Am Freitagabend hatte "Ete", wie Balzer gerufen wird, ein ganz besonderes Glücksgefühl genossen. Gemeinsam mit seinen Teamsprint-Kollegen Maximilian Levy und Maximilian Dörnbach vom Chemnitzer Erdgas-Team durfte sich der 25-Jährige als Deutscher Meister bejubeln lassen. Für Balzer ist es der erste nationale Titel im Männerbereich überhaupt - und das immerhin seit acht Jahren bei den Elitefahrern. Endlich "Ete"!

"Das ging natürlich runter wie Öl. Vor allem, weil wir den Titel als Team geholt haben", sagt er mit Blick auf "La Familia", wie sich das Team Erdgas um Levy und Ausnahmefahrerin Kristina Vogel gern nennt. Beide haben Balzer bei Facebook am Wochenende überschwänglich zu seiner Titel Premiere gratuliert.

Dabei hatte das Team Erdgas mit den beiden Cottbusern Levy und Balzer in den vergangenen Jahren immer wieder diese Goldmedaille gejagt. Durch Verletzung oder andere Rückschläge reichte es aber nie für das oberste Podest - bis zum Freitagabend in Frankfurt (Oder).

Für Balzer hat damit ein unbefriedigendes Frühjahr doch noch ein gutes Ende genommen. Die Nichtberücksichtigung für die Weltmeisterschaft im April in Hongkong nagte an ihm. Seine Enttäuschung darüber hat der Cottbuser offenbar in zusätzliche Motivation umgewandelt. Zumal Erik Balzer derzeit einen kraft- und auch zeitintensiven Spagat machen muss. Beziehungsweise machen will. Neben dem Radsport treibt er auch seine beruflichen Pläne voran.

Über das Feuerwehrsportprojekt des Landes Brandenburg absolviert Balzer seit August 2015 eine Ausbildung zum Brandmeister. Momentan macht er ein Praktikum bei der Berufs feuerwehr in Cottbus - und ist begeistert. "Ich finde mich in diesem Beruf wirklich wieder. Er ist sehr vielseitig und erstreckt sich über eine breite Palette von Themen gebieten. Jeder Einsatz ist anders. Man muss sich jedesmal neu auf die gegebene Einsatzsituation einstellen und das Wissen, am Ende Menschen in Notsituationen geholfen zu haben, ist ein sehr schönes Gefühl."

Balzer hatte zunächst eine Lehre als Elektroniker für Betriebstechnik beim Energie-Konzern Vattenfall gemacht. Wegen der zwischenzeitlichen Ungewissheit wegen des Verkaufs der Lausitzer Braunkohle von Vattenfall an Leag geriet auch die berufliche Perspektive für Balzer ins Wanken. Um Spitzensport und Job weiter miteinander vereinbaren zu können, wagte der Cottbuser den Neuanfang bei der Feuerwehr. Das Land Brandenburg unterstützt die Ausbildung von Spitzensportlern in Eisenhüttenstadt an der Landesschule und Technische Einrichtung für Brand und Katastrophenschutz (LSTE). "Ich möchte mir bei der Feuerwehr jetzt eine berufliche Zukunft aufbauen. Ich bin aber auch Vattenfall sehr dankbar. Sie haben mich während der Ausbildung wirklich optimal unterstützt."

Nächstes sportliches Ziel für Erik Balzer ist die Bahnrad-Europameisterschaft im Oktober in Berlin. Ob er für das Heim-Championat in den Nationalkader des Bundes Deutscher Radfahrer zurückkehren darf, ist allerdings trotz des jüngsten Meistertitels offen. Im August will sich Balzer aber erst einmal die Ernennungsurkunde zum Brandmeister der Feuerwehr abholen.

Zum Thema:
Maximilian Levy hat bei der Bahnrad-Meisterschaft ein starkes Comeback nach seiner Schulterverletzung hingelegt. Der Cott buser gewann nach dem Teamsprint und dem Sprint am Sonntag auch die Keirin-Konkurrenz. Weitere Goldmedaillen eroberten Lisa Küllmer (Cottbus/Scratch) und Henning Bommel (Finsterwalde/Punktefahren).