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Ende einer Ära beim FC Bayern

Schon seit einiger Zeit war das Verhältnis zwischen Pep Guardiola (l.) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (r.) angespannt.
Schon seit einiger Zeit war das Verhältnis zwischen Pep Guardiola (l.) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (r.) angespannt. FOTO: dpa
München. Abgang mit Knalleffekt: Nach fast vier Jahrzehnten ist die Ära von Club-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern München urplötzlich vorbei. Trainer Pep Guardiola äußert sich nicht im Detail. Der Verein versucht, das Thema fix abzuhaken. Christian Kunz und Klaus Bergmann

Pep Guardiola hielt sich nach dem Zerwürfnis von Club-Ikone Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit dem FC Bayern vornehm zurück. Von einem Machtkampf wollte der spanische Starcoach am turbulenten Tag nach dem einschneidenden Schritt des Vereinsarztes nichts wissen. "Es war seine Entscheidung. Ich habe großen Respekt, ich kann diese Entscheidung nur respektieren", erklärte der Bayern-Trainer in einer höflichen Stellungnahme. Gar nichts sei zwischen ihm und dem Arzt passiert. Viel mehr sagte Guardiola, der dem Eingangsstatement des Vereins mit Dank an den Mediziner mit regloser Miene lauschte, zur brisanten Personalie nicht.

Mit Blick auf "extrem wichtige Tage" mit der Liga-Partie bei 1899 Hoffenheim und der Herkulesaufgabe im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Porto wollte der deutsche Fußball-Rekordmeister in seiner Stellungnahme "nicht irgendwo nachkarten". Der Abgang mit Knalleffekt, für den der Vereinsarzt mit seinem Rücktritt nach fast vier Jahrzehnten am Vorabend gesorgt hatte, barg aber auch so genug Brisanz in sich.

"Ich will noch nichts sagen, es ist noch zu früh. Ich werde mich noch äußern, aber nicht heute", sagte Müller-Wohlfahrt am Morgen nach seinem via Pressemitteilung verkündeten Abschied. Der Mediziner beendete inmitten der Nachwehen des ernüchternden 1:3 in Porto eine Ära, in der die Spieler anfänglich noch Gerd Müller und Uli Hoeneß hießen und in der er knapp zwei Dutzend Trainerwechsel erlebte.

Ganzer Stab ist weg

"Aus uns unerklärlichen Gründen" sei die medizinische Abteilung für die Niederlage in Porto "hauptverantwortlich gemacht" worden, hieß es in der Mitteilung. Man sehe das für eine erfolgreiche medizinische Arbeit notwendige Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt. Müller-Wohlfahrt verabschiedete sich mit seinem Stab, in dem auch Sohn Kilian arbeitete. Spekuliert wurde auch über drohende Rücktritte aus dem Kreis der Physiotherapeuten.

Müller-Wohlfahrt sei ein "genialer Arzt, einer der besten der Welt. Dass er zurücktritt, schwächt das Team", sagte der frühere Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bei einer Veranstaltung des TV-Senders Sky. Die Entscheidung Müller-Wohlfahrts sei sicherlich nicht spontan gewesen. "Es muss Einiges im Vorfeld passiert sein, so etwas entwickelt sich", sagte der Routinier. Ob ein Arzt Schuld an einer Niederlage sein könne, beantwortete der erfahrene Hitzfeld mit einem klaren "Nein".

Pikant: Die Bayern-Stars vertrauen "Mull" weiter, dürften "den Doc" weiter in seiner Praxis im Herzen der Stadt aufsuchen.

Das Verhältnis zwischen Guardiola und Müller-Wohlfahrt war schon lange weit mehr als nur angespannt. Vor allem bei der Behandlung des über ein Jahr verletzten Spaniers Thiago gab es hinter den Kulissen mächtig Ärger - allen Beteuerungen von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer zum Trotz.

Spekuliert wurde in Medien, dass es vor dem Rücktritt von Müller-Wohlfahrt im Rahmen des Porto-Spiels zu einer Diskussion mit Rummenigge gekommen sein soll. Bestätigt oder dementiert wurde das bei der Pressekonferenz nicht. Nachfolger von Müller-Wohlfahrt wird zunächst Volker Braun, Arzt der zweiten Mannschaft.

Hoch im Kurs steht der von Stars und Sternchen aus allen Bereichen gerne aufgesuchte Müller-Wohlfahrt auch weiter beim DFB. Joachim Löw setzt total auf den 72-Jährigen. Der Bundestrainer gibt seiner medizinischen Abteilung auch einen hohen Anteil am WM-Titel. Manuel Neuer und Philipp Lahm wurden punktgenau zum ersten WM-Spiel in Brasilien fit. Das Risiko der Nominierung der lange verletzten Mittelfeldstrategen Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira zahlte sich auf dem Weg zum Triumph aus.

Trennung auch von Klinsmann

Schon einmal gab es ein Comeback von Müller-Wohlfahrt bei FC Bayern. Nach Ärger in der kurzen Amtszeit von Jürgen Klinsmann verließ der Sportmediziner vorübergehend den Verein, am Tag nach der spektakulären Trennung vom ehemaligen Bundestrainer kehrte er umgehend zurück.