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Emotionaler WM-Triumph für "Mighty Mike"

Michael van Gerwen mit der WM-Trophäe. Nach seinem 7:3-Finalsieg gegen den Schotten Gary Anderson bekam der 27-Jährige sogar einen Anruf vom niederländischen Ministerpräsidenten.
Michael van Gerwen mit der WM-Trophäe. Nach seinem 7:3-Finalsieg gegen den Schotten Gary Anderson bekam der 27-Jährige sogar einen Anruf vom niederländischen Ministerpräsidenten. FOTO: dpa
London. Quasi unbesiegbar: Mit seinem zweiten WM-Titel hat Michael van Gerwen seine Vormachtstellung in der Darts-Szene gefestigt. Der Sieg im Alexandra Palace über Vorjahresgewinner Gary Anderson bedeutet dem Niederländer mehr als seine 25 Titel in der abgelaufenen Saison. Patrick Reichardt

Seine Pressekonferenz nach dem zweiten WM-Titel musste Michael van Gerwen für ein ganz besonderes Telefonat unterbrechen. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte wollte seinen Landsmann unbedingt noch in der gleichen Nacht erreichen und wählte so etwa eine Stunde nach dessen gewonnenem Darts-Finale van Gerwens Nummer. Nach einem netten einminütigen Plausch auf Niederländisch verschreckte "Mighty Mike" die Konkurrenz mit seiner Ankündigung: "Trophäen gewinnen ist etwas, was ich liebe. Das möchte ich für den Rest meines Lebens machen."

Der 7:3-Finalsieg über den schottischen Vorjahressieger und Doppel-Champion Gary Anderson bescherte van Gerwen nicht nur umgerechnet 410 000 Euro Preisgeld und die etwa 20 Kilogramm schwere Sid Waddell Trophy, sondern war auch die Krönung einer unglaublichen Saison. "Ich bin total glücklich, das ist einfach wunderbar. Es bedeutet mir so viel, das hier hinbekommen zu haben", sagte der 27-Jährige.

Während die Fans noch einmal Will Grigg besangen und die Veranstalter ein letztes Mal Konfetti in die Luft schossen, musste der Mann mit der Glatze die eine oder andere Träne aus dem Gesicht wischen und küsste innig seine Frau Daphne. "Ich habe das richtige Umfeld und eine wunderbare Familie. Sonst wäre das alles gar nicht so möglich gewesen", betonte der Weltranglistenerste, der bei der WM seinen 26. Saisontitel holte.

Nachdem van Gerwen in den vergangenen beiden Jahren als Topfavorit gescheitert war, war diese Trophäe umso wichtiger und emotionaler für ihn. "Du brauchst den zweiten Titel, damit du zu den ganz Großen gehörst. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet", betonte er. "Mighty Mike" bestätigte, was Experten vor der WM bereits prognostiziert hatten: Gegen einen van Gerwen in Bestform ist im Darts-Sport derzeit nichts zu holen. Obwohl "The Flying Scotsman" Anderson 22 perfekte Aufnahmen von 180 Punkten spielte und damit einen Rekord aufstellte, war er beim 3:7 chancenlos.

"Der Kerl ist einfach zu gut. Er hat in diesem Jahr nicht ohne Grund alles gewonnen", musste der 46 Jahre alte Anderson neidlos anerkennen. Van Gerwen, selbst kein Meister von Bescheidenheit, beschrieb seine Leistung so: "Ich habe absolut phänomenal gespielt, das ganze Turnier, vor allem im Halbfinale und Finale." Selbst der Sohn von Gary Anderson ist ein van-Gerwen-Fan, wie der Schotte einräumte.

Nachdem ein Flitzer die Trophäe kurz vor dem Ende entführen wollte, konnte es van Gerwen am Montagabend gar nicht erwarten, diese nach 2014 endlich wieder in die Höhe zu recken. "Ich bin unglaublich froh, das Richtige zur richtigen Zeit gemacht zu haben. Diesen Pokal zu haben, macht mich unglaublich stolz", sagte van Gerwen, der stets mit seinem markanten grell-grünen Hemd spielt.

Wie stolz er war, zeigte er, indem er dem Veranstalter die Trophäe beinahe entriss und mehrere Male damit ins Publikum jubelte. Ganz nach seinem Naturell schickte er gleich eine Drohung an seine Rivalen hinterher. "Warum kann ich es nicht für vier, fünf oder sechs Jahre bei der WM schaffen? Ich muss nur an mich selbst glauben."

Zum Thema:
Bei der Darts-WM in London waren die Profis zielsicher wie nie zuvor. Michael van Gerwen, Gary Anderson und Co. stellten bei den Titelkämpfen 2017 eine Bestmarke für "perfekte Aufnahmen" von 180 Punkten auf. Insgesamt 708 Mal durfte der Caller seinen berühmten Ausruf "Onehundredandeighty" durchsagen. Im Vorjahr gab es 654 Mal den bestmöglichen aller Scores. Alleine das Finale, das mit einem 7:3-Sieg für den Niederländer van Gerwen endete, sorgte für zwei Rekorde: Mit 42 perfekten Aufnahmen übertrafen er und Anderson die bisherige Bestmarke deutlich. Auch die 22 180er vom Schotten sind ein Rekord für einen einzelnen Spieler.