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| 07:19 Uhr

Fussball
Eiszeit, Auszeit, Nachspielzeit

Auch in der Schlachthofstraße beim VfB Cottbus stehen die Tore an diesem Wochenende mit dem Rücken zum Spielfeld.
Auch in der Schlachthofstraße beim VfB Cottbus stehen die Tore an diesem Wochenende mit dem Rücken zum Spielfeld. FOTO: Tino Schulz
Cottbus. Die Kältefront lässt die Fußballplätze in der Lausitz gefrieren. Das führt zu Spielabsagen von der Regionalliga bis zur Kreisklasse – und zu einer Grundsatzdebatte: Ist der Fußball-Kalender noch zeitgemäß?

Erst wird gespielt, eine Woche später ist spielfrei, dann wird wieder gespielt und nun ist wieder Pause. Das Programm von Energie Cottbus in den letzten vier Wochen erinnert mehr an ein Intervalltraining als an einen flüssigen Spielplan. Das Regionalliga-Topspiel beim BFC Dynamo ist abgesagt worden – genauso wie sieben weitere Partien an diesem 24. Spieltag (nur das Spiel der Hertha-Bubis gegen Neugersdorf ist noch angesetzt). Seit Jahresbeginn sind damit nun schon 29 Spiele abgesagt worden in der Regionalliga Nord(fr)ost.

Die Folge ist nicht nur eine Flut an Nachholspielterminen, sondern auch ein verzerrtes Tabellenbild. Spitzenreiter Energie zum Beispiel hat drei Spiele mehr bestritten als Verfolger Dynamo. Und eine noch größere Differenz weisen die Tabellennachbarn Chemie Leipzig und Neustrelitz auf. Leipzig hat ligaweit die meisten Spiele auf dem Konto (23), Neustrelitz mit sieben Punkten dahinter die wenigsten (18).

An diesem Wochenende sind aber genauso Spiele in der 3. Liga wie im Amateurbereich verlegt worden. Der Landesverband Berlin hat alle Wettbewerbe bis einschließlich Freitag abgesetzt und in Hamburg ist sogar das komplette Wochenende abgeblasen worden. In Brandenburg und Sachsen hat  man auf derlei Generalabsagen verzichtet und die Entscheidung den Kreisen und Vereinen überlassen. Thomas Grandt, Spielbetriebsleiter beim Sächsischen Fußballverband (SFV) sagt: „Generalabsagen wären besonders kontraproduktiv für Vereine und Kommunen, die sich für viel Geld und genau solche Fälle einen Kunstrasenplatz haben hinstellen lassen.“ Die sächsische Spielordnung schreibt aber vor, dass der Ball ruhen sollte, wenn Kältegrade jenseits von minus 9 Grad herrschen. Juniorenspiele sollen schon ab minus 3 Grad abgesagt werden.

Ein ähnlicher Passus war bis zur Saison 2016/17 auch Inhalt im Regelbuch des Deutschen Fußball Bundes (DFB), an den sich der Fußballlandesverband Brandenburg (FLB) gehalten hat. „Diesen gibt es aber nicht mehr“, sagt Martin Hagemeister, Mitglied im Spielbetriebsausschuss beim FLB. In Brandenburg haben mit Prignitz-Ruppin und Dahme-Fläming zwei Kreise eine Generalabsage für dieses Wochenende rausgeschickt – der Oberhavelkreis dagegen hat explizit darauf verzichtet. Hagemeister: „Da sieht man schon, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sind.“ Und wie diskutabel die Abwägungen für Anpfiff und Absage.

Roland Kunzke, Abteilungsleiter beim Brandenburg-Ligisten BSV Guben Nord, sieht den FLB trotzdem in der Verantwortung und hat den Rahmenterminplan als größte Schwachstelle im Umgang mit der Witterung ausgemacht. „Ich plädiere dafür, dass die Winterpause nicht bis Ende Februar hingezogen, sondern schon Anfang Januar beendet wird. Da hatten wir wochenlang plus 10 Grad und hätten problemlos schon fünf Rückrunden-Spiele machen können“, erklärt Kunzke. „Jetzt gucken wir uns wieder alle an und müssen irgendwo Nachholspiele reinquetschen.“

Hagemeister kennt solche Gedankenspiele, betont aber auch: „Wir sind da nicht ganz unflexibel und bieten jedes Jahr die Pokalwochenenden und auch die ersten Wochen vor dem Rückrundenstart an, wo die Vereine kostenfrei Spieltage vor- oder nachziehen können.“ Allerdings müssen einer Verlegung immer erst beide Mannschaften zustimmen – und viele Vereine lassen derartige Anfragen kalt.