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Eisbären sind wieder echte Eisbären

Was für ein irres Match: Charles Linglet (hinten) schoss in der Verlängerung den Siegtreffer für die Eisbären Berlin.
Was für ein irres Match: Charles Linglet (hinten) schoss in der Verlängerung den Siegtreffer für die Eisbären Berlin. FOTO: dpa
Mannheim. Die Eisbären Berlin haben nach ihrem Coup von Mannheim nicht viel Zeit zum Durchschnaufen – geschweige denn den überraschenden Einzug ins Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ausgiebig zu feiern. "Wir müssen uns jetzt erst mal ausruhen. Jan Schröder

Wir wissen, dass auf uns ein sehr starker Gegner wartet", sagte Trainer Uwe Krupp.

Die Berliner treffen im Playoff-Halbfinale auf den deutschen Meister und Hauptrunden-Ersten EHC München. An diesem Freitag (19.30 Uhr) steigt beim Team des früheren Eisbären-Erfolgscoaches Don Jackson das erste Kräfte messen der Serie "Best of Seven".

Die Münchner gelten auch in dieser Saison als Titelfavorit. Sie haben zudem den Vorteil, nach ihrem 4:0-Durchmarsch gegen Bremerhaven gut erholt in die kommende Serie zu gehen.

Den Berlinern bleiben dagegen nur zwei Tage, um sich vom erneut nervenaufreibenden 2:1-Sieg gegen Mannheim im entscheidenden siebten Spiel zu regenerieren. Am Donnerstag wird noch einmal im Wellblechpalast trainiert, am Freitag reisen sie dann nach München. Die vier Niederlagen aus der Hauptrunde gegen den Meister spielen für die Eisbären keine Rolle mehr. "In den Playoffs beginnen alle Mannschaften neu. Da sind die Leistungen aus der Vorrunde kein Indikator mehr", sagte Krupp zuversichtlich.

Überhaupt erinnert bei den Eisbären nur noch wenig an die Mannschaft, die sich verunsichert durch die Herbst- und Winter monate schleppte und als Hauptrunden-Achter in die Pre-Playoffs ging. In den Marathon-Spielen gegen Mannheim zeigten sie sogar wieder jene Eigenschaften, die ein Spitzenteam auszeichnen: starke Fitness, gute Nerven und phasenweise auch lange vermisste Offensivqualitäten. "Wir sind wieder fast komplett, das ist für uns der größte Faktor dafür, dass wir mit einer Mannschaft wie Mannheim mitspielen konnten", sagte Krupp.

Tatsächlich sieht die Personal situation deutlich besser aus als noch vor wenigen Wochen: Leistungsträger wie Marcel Noebels, Darin Olver und Nick Petersen, die in der Hauptrunde lange verletzt gewesen waren, kehrten zurück. Als echte Verstärkungen erwiesen sich zudem die spät verpflichteten Angreifer Louis-Marc Aubry und Charles Linglet. Letzterer hatte mit seinem Tor in der Verlängerung für den K.o. der favorisierten Mannheimer in deren eigener Halle gesorgt.

Nach dem Coup von Mannheim wurde sogar der sonst stets zurückhaltende Krupp euphorisch. "Das war eine Superserie. Das war Werbung für das Eishockey", sagte der Eisbären-Trainer. Der Sieg treffer von Linglet in der zehnten Minute der Overtime schockte die Adler und sorgte noch für eine lange Nacht im Berliner Lager. "Ich habe gar nicht mit dem Puck gerechnet. Aber dann habe ich mich gedreht und einfach geschossen", schilderte der Matchwinner die entscheidende Szene im siebten Viertelfinal-Match. Nach einem Scheibenverlust der Mannheimer war Linglet alleine auf das Tor zugelaufen und hatte eiskalt verwandelt.

Im anderen Semifinale treffen der Hauptrunden-Dritte Nürnberg und der -Sechste Wolfsburg aufeinander. Nürnberg siegte nach dramatischem Spielverlauf im Entscheidungsmatch gegen die Ausgburger Panther 5:3. Die Franken führten im Schlussdrittel bereits 4:1, mussten am Ende aber noch einmal zittern. Wolfsburg schaffte die Halbfinal-Teilnahme durch ein 1:0 bei den Kölner Haien. Zum ersten Mal überhaupt in der DEL-Historie wurden gleich drei Viertelfinalserien erst im siebten Spiel entschieden.