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| 02:43 Uhr

Eine Faust und viel Glanz

Sophie Scheder überzeugte beim Sieg am Stufenbarren.
Sophie Scheder überzeugte beim Sieg am Stufenbarren. FOTO: Johannes Koziol
Cottbus. Mit der Titelverteidigung von Andreas Bretschneider am Reck ist das 38. Turnier der Meister am Sonntag in der Lausitz-Arena in Cottbus mit einem würdigen Höhepunkt zu Ende gegangen. Die starke deutsche Bilanz wurde indes von der glänzenden Damen-Riege geprägt. Die holte insgesamt vier Medaillen. Jan Lehmann

Andreas Bretschneider ballte nach seiner Reck-Übung die Faust, atmete geschafft und ziemlich erleichtert durch. Wie bezeichnend: Kurz zuvor hatte die Stuttgarterin Kim Bui ihre glänzende Boden-Übung mit einem lockeren Handkuss beendet. Während sich die deutschen Männer ganz schön durch das Turnier kämpfen mussten und erst durch Bretschneiders Titelverteidigung noch einen Podestplatz zu verzeichnen hatten, sah das bei den Damen spielerisch leicht aus.

Bundestrainerin Ulla Koch ging zwar am Sonntag beim Mitfiebern kurz in die Knie und hielt sich die Hände vors Gesicht, als Sophie Schader am Balken ins Wackeln kam. Doch die Trainerin konnte beruhigt schnell wieder hinschauen, Scheder hielt sich auf dem Balken. Wegen dieses Wacklers verpasste sie zwar als Vierte ganz knapp eine Medaille. Aber kein Problem, schließlich hatten die Damen dafür schon am Samstag zum Niederknien geturnt und dem 38. Turnier der Meister viel Glanz verliehen.

Die beiden Siege von Janine Berger (Ulm) am Sprung und Sophie Scheder (Chemnitz) am Stufenbarren waren dabei denkwürdig - zwei deutsche Frauen standen zuletzt vor 26 Jahren in Cottbus ganz oben. Zudem komplettierte Kim Bui (Stuttgart) auch noch mit jeweils Silber am Sprung und am Sonntag am Boden das Medaillen-Quartett. Ihr Handkuss ans Publikum war der nette Abschluss einer bezaubernden Vorstellung der deutschen Riege.

Vier Medaillen. Eine starke Bilanz, und wenn man bedenkt, dass mit Elisabeth Seitz noch die vermeintlich stärkste deutsche Turnerin fehlte, sagt das einiges über die Chancen der deutschen Damen bei der diesjährigen EM aus. "Wir wollen mit der Mannschaft dort aufs Treppchen" erklärte Sophie Scheder. Die Chemnitzerin fährt mit einem guten Gefühl nach Hause: "Der Sieg am Stufenbarren hat mich umgehauen. Ich bin mega-happy."

Ein Gefühl, das sie sich am Ende auch mit Andreas Bretschneider teilte. Angefeuert vom Publikum holte der ehemalige Cottbuser Bundesliga-Turner den Sieg, den viele von ihm erwartet hatten. Bretschneider gibt zu: "Als ich in die Halle gekommen bin, haben viele das Wort ,Titelverteidigung' in den Mund genommen. Das hat mich ganz schön gestresst."

Mit Problemen an der Schulter quälte sich der 24-Jährige durchs Turnier, noch nach dem Einturnen saß er wie ein Häufchen Elend in der Hallenecke. Mit voller Wucht war er am Gerät vorbeigeflogen und auf die Matte gekracht: "Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", so Bretschneider. Doch dann kämpfte er sich durch die Übung, holte sich 15,175 Punkte und ein gutes Omen: Im Vorjahr war er nach dem Sieg in Cottbus bis ins WM-Finale durchgestartet.

Wie hoch es für die deutschen Männer in dieser Saison hinausgeht, bleibt abzuwarten. In Abwesenheit der beiden Topstars Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen gingen die weiteren Medaillen an andere Nationen.

Das tat der guten Stimmung in der an beiden Tagen gut besuchten Lausitz-Arena keinen Abbruch, schließlich durfte sich das Publikum an Spitzenturnern erfreuen. Der Russe Denis Abljasin beispielsweise hatte schon den Samstag mit Gold an Boden und Ringen auf sich aufmerksam gemacht. Am Sonntag patzte er zwar bei seinem zweiten Sprung, doch wenn er den künftig steht, gehört er damit zur Weltklasse.

Ab solutes Format hatte auch der Wettbewerb am Pauschenpferd, als mit dem ungarischen Olympiasieger Krizstian Berki, dem japanischen Weltmeister Kohei Kameyama und dem britischen Europameister Daniel Keatings alle drei Titelträger im Finale standen. Dort verteilten sie zwar keine Handküsse, aber ihre Übungen waren kleine Liebeserklärungen an den Turnsport .