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| 02:40 Uhr

Ein neues "Wintermärchen"

Dufte Truppe: Nach dem Sieg gegen Dänemark und dem Halbfinaleinzug gab‘s ein Siegertänzchen der Deutschen auf dem Parkett.
Dufte Truppe: Nach dem Sieg gegen Dänemark und dem Halbfinaleinzug gab‘s ein Siegertänzchen der Deutschen auf dem Parkett. FOTO: dpa
Breslau. Die Sensation ist pefekt: Deutschlands Handballer spielen bei der EM in Polen nach einem Sieg gegen Dänemark um die Medaillen. Das Daumendrücken zahlreicher Promis per Videobotschaft hat auch geholfen. Martin Kloth

Die deutschen Handballer schreiben ein neues "Wintermärchen". Acht Jahre nach dem WM-Titel im eigenen Land spielt das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bei der EM in Polen wieder um die Medaillen. Im entscheidenden Hauptrundenspiel gewann der WM-Siebte am Mittwoch in Breslau gegen den zweimaligen Europameister Dänemark mit 25:23 (12:13) und zog sensationell ins Halbfinale ein. Dort werden die Deutschen am Freitag in Krakau gegen Norwegen (18:30 Uhr) um den Sprung in das Endspiel kämpfen.

Angeführt vom überragenden sechsfachen Torschützen Steffen Fäth bot die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in der Heimspiel-Atmosphäre vor rund 6500 Zuschauern einen Kampf auf Biegen und Brechen. Das Ziel Halbfinale erwies sich gegen den Dauerrivalen allerdings so schwer wie erwartet. Zum einen kennen sich die Spieler beider Teams aus der Bundesliga bestens, denn gleich zehn der 16 Dänen verdienen ihr Geld in der "stärksten Liga der Welt". Zum anderen hatten die Skandinavier bislang nur beim 28:28 gegen Schweden einen Punkt abgegeben und waren von Bundestrainer Dagur Sigurdsson zum Titelfavoriten ernannt worden. "Für uns ist es ein Finale, für Dänemark nur ein Spiel auf dem Weg ins Finale", meinte der Isländer.

Zudem musste die DHB-Auswahl auch ohne Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger wegen Adduktorenverletzungen auskommen. Die beiden Säulen der zuvor vier Siege in fünf Turnierspielen feuerten die Kollegen von der Tribüne aus an. Sie wurden ersetzt durch Kai Häfner und Julius Kühn, die beide ihr EM-Debüt feierten.

Und die deutsche Mannschaft tat, was sie versprochen hatte: Sie nahm ihr Herz in beide Hände. Nach einem 3:5 (9.) erspielte sie sich eine 10:8-Führung (22.). Während die variable Abwehr weitgehend toll funktionierte, hakte es im Angriff, wo zu viele gute Chancen vergeben wurden. Dank des überragenden Steffen Fäth ging die DHB-Auswahl nach einem 10:12 (27.) nur mit einem 12:13-Rückstand in die Pause.

Auch in der zweiten Halbzeit schenkten sich beide Teams in dem packenden und emotionalen Spiel der beiden gemeinsamen WM-Ausrichter 2019 nichts. Ständig wechselte die Führung mit dem besseren Ende für das DHB-Team.

"Das ist eine Sensation", sagte der isländische Coach. In der ARD hatte er gemeint: "Wir haben einfach unser Ding durchgezogen, es war eine grandiose Leistung. Es war phantastisch, dass wir ruhig geblieben sind und uns nicht haben verrückt machen lassen." "Sensationell, Hammer, unfassbar", rief Torwart Carsten Lichtlein. Nachrücker Julius Kühn schrie in jedes Mikrofon nur noch "Sieg". Und Tobias Reichmann meinte: "Ich hätte heulen können. Ich bin einfach nur glücklich."

Welt- und Europameister Frankreich hat indes den Sprung ins Halbfinale verpasst. Die norwegischen Außenseiter bezwangen zum Hauptrundenabschluss die Franzosen überraschend deutlich mit 29:24 (12:11) und sicherten sich dadurch sogar den Gruppensieg in der Gruppe I.

Im Kampf um den zweiten Platz in Staffel I setzte sich Kroatien sensationell dank eines 37:23 (15:10)-Sieges über Gastgeber Polen durch. Die Kroaten bekommen es im Halbfinale nun mit den Spaniern zu tun, die sich durch ein 25:23 (11:12) gegen Russland den Sieg in der deutschen Gruppe II sicherten.