ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Ein Leben am Mattenrand in Döbern

1934 wurde der Döberner Helmut Radochla Berlin-Brandenburgischer Meister im Zwölfkampf.
1934 wurde der Döberner Helmut Radochla Berlin-Brandenburgischer Meister im Zwölfkampf. FOTO: Privat
Döbern. Seinen 100. Geburtstag hätte Helmut Radochla vermutlich am Mattenrand verbracht. Frank Noack

Denn die alte Turnhalle in der Jahnstraße in Döbern war "Opas zweites Zuhause", wie Enkel Frank Bernhard schmunzelnd erzählt. An diesem Donnerstag wäre Helmut Radochla 100 Jahre alt geworden.

Spitzenturner, Trainer und Sportlehrer - Helmut Radochla war quasi der "Turnvater Jahn der Lausitz" und machte seine Heimatstadt Döbern weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. 1934 wurde er Berlin-Brandenburgischer Meister im Zwölfkampf und gehörte 1936 zum Olympiakader. Mit 36 Jahren wurde Radochla 1949 dann erster DDR-Meister am Seitpferd.

Legendär sind auch der Barren und der Schwebebalken im heimischen Garten in Döbern, wo Radochla als konsequenter Trainer die Turnkarriere seiner Tochter Birgit maßgeblich förderte. Birgit Michailoff-Radochla errang 1964 in Tokio die Olympische Silbermedaille im Pferdsprung. Sie war damit die erste Turnerin der DDR, die olympisches Edelmetall erkämpfte. Außerdem wurde sie Vierte im Achtkampf, am Boden und mit der Mannschaft. Die 66-Jährige lebt inzwischen in Berlin.

Als Sportlehrer kümmerte sich Helmut Radochla viele Jahre lang um die sportliche Ausbildung der Kinder und Jugendlichen in Döbern, ehe er 1976 in den Ruhestand ging.

Für das vor zehn Jahren in seiner Heimatstadt wiedererrichtete Turnerdenkmal stellte der Enthusiast übrigens die Inschrift zur Verfügung. Das Denkmal erinnert an die Döberner Turner, die im ersten Weltkrieg gefallen sind. Als das Denkmal zwischenzeitlich weggerissen worden war, sicherte Radochla zumindest die Messingbuchstaben und bewahrte sie zu Hause im Schuppen auf.

Das Denkmal steht in der Nähe der alten Turnhalle in der Jahnstraße, wo heute unter anderem die "Döberner Turnzwerge" jenen Sport weiterführen, für den sich Helmut Radochla so sehr begeistert hat. "Mein Opa wäre sehr stolz darauf gewesen, dass in dieser Halle nach wie vor Sport getrieben wird", ist Radochla-Enkel Frank Bernhard überzeugt.

Er selbst engagiert sich im Verein "Döberner Heimtfreunde". Da ihm Döbern genau wie seinem Opa sehr am Herzen liegt, macht er aus Anlass des 100. Geburtstages von Helmut Radochla einen sportlichen Vorschlag in Richtung der Stadtväter: "Vielleicht kann man ja mit der Umbenennung in Radochla-Halle an die lange und erfolgreiche Turn tradition in Döbern erinnern."