ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Ein Läufer und Lenker für Cottbus

Ulrich Hobeck (l.) beim Euroapokal 1970 in Stockholm, wo er über die Hindernisse Zweiter wurde.
Ulrich Hobeck (l.) beim Euroapokal 1970 in Stockholm, wo er über die Hindernisse Zweiter wurde. FOTO: ZB
Cottbus. Wer ihm gegenüber steht, wird nie vermuten, dass der Mann am 2. Juli bereits sein siebtes Lebensjahrzehnt vollendet. der Burg / vdb1

Ulrich Hobeck kommt rank und schlank daher, wie einer eben, der sein ganzes Leben für und mit dem Sport gelebt hat. Er war erfolgreicher Hindernisläufer, war beruflich als Lehrer tätig und sein Name ist untrennbar mit den Cottbuser German Meetings und aktuell mit dem Springermeeting verknüpft.

In Leuthen geboren und in Cottbus aufgewachsen, kam er in jungen Jahren Anfang der Sechziger Jahre bei Dynamo Cottbus erstmals mit der Leichtathletik in Berührung. Sein damaliger Trainer, Herbert Neumann, hat schnell erkannt, dass aus dem schlanken Schlaks sicher kein Kugelstoßer oder Sprinter wird. Nein, Hobeck hatte das Talent zum Läufer. Und dass Herbert Neumann das richtige Auge hatte, zeigten die Folgejahre, in denen er Schritt für Schritt in die DDR-Spitze des Hindernislaufes vordrang. Hobeck war es, der den ersten DDR-Meistertitel für den noch jungen SC Cottbus holte. Dreizehn DDR-Meistertitel und 13 Länderkämpfe für die DDR stellten die sportlichen Höhepunkte seiner Laufbahn dar. Nicht zu vergessen sein sensationeller 3000-m-Hindernislauf beim Europacupfinale in Stockholm, bei dem er Zweiter wurde.

Der erfolgreiche Läufer vernachlässigte aber auch seine berufliche Laufbahn nicht. Er lernte Dreher in der Baumechanik Cottbus, studierte und schloss das Studium 1973 als Diplom-Sportlehrer ab. Er gründete die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Tiefbau, die es schließlich schaffte, beste BSG der Ex-DDR zu werden. Am 30. Juni 1990 veranstaltet Ulrich Hobeck bei der Einweihung des Tiefbaustadions am Priorgraben das 1. Internationale Leichtathletik-Sportfest, ein Vorläufer der German Meetings. Schon da hatte er organisatorisch den Hut auf, den er in den folgenden Jahrzehnten nicht mehr absetzte. Es gelang ihm, was noch keinem in Cottbus vorher gelang: Er holte Jahr für Jahr die Leichtathletik-Weltelite zum German Meeting nach Cottbus. Die familiäre Atmosphäre, das fachkundige Publikum, die perfekte Organisation, all das sprach sich in Athleten-Kreisen schnell herum, sodass Cottbus auch viel internationale Anerkennung wegen seines Meetings erfuhr. "Das war eine schöne und anstrengende Zeit, mit viel Arbeit, viel Stress aber auch überwiegend glücklichen Momenten", blickt Ulrich Hobeck zurück.

Doch das Leben meinte es nicht immer gut mit ihm. Durch einen tragischen Unglücksfall verlor Ulrich Hobeck Mitte der 80er-Jahre seine Frau Lilo. Und auch in dieser persönlichen Tragik half ihm der Sport entscheidend, aus dem seelischen Tief heraus zu kommen. Und eine neue Bekanntschaft 1986: Sie hieß Cathrin Wiesenberg, war Läuferin wie Ulrich Hobeck und Lehrerin an einer integrativen Schule in Cottbus. 2005 wurde in Lübbenau geheiratet und Cathrin ist auch heute noch diejenige, die ihn in schwierigen Zeiten auffängt.

Als es in Cottbus aus verschiedenen Gründen mit den German Meetings vorbei war, konzentrierte sich Hobeck fortan auf die Springermeetings. Zwei Disziplinen, Frauen-Hochsprung und Stabhochsprung der Männer - das Konzept funktionierte. Solcherart Engagement für die Sportstadt Cottbus fand natürlich auch seine Würdigung. Im Jahre 2006 folgte Hobeck einer Einladung des Bundespräsidenten Horst Köhler zum Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue, wo der Bundespräsident Bürger einlädt, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Ulrich Hobeck wurde 2000 zum "Cottbuser des Jahres gewählt". Der nun fast 70-Jährige nahm das alles mit Demut entgegen und blieb bescheiden: "Ich habe das alles nur geschafft, weil ich eine starke Frau an meiner Seite hatte, meine Kinder, eine intakte Familie und eine riesige Schar von tollen Mitstreitern, die all das erst ermöglichten." Seine Lebens-Maxime lautet: "Die Angst, etwas nicht zu schaffen, ist das größte Hindernis." Diese lebt er bis heute vor.

Am Sonntag ist es soweit: Ulrich Hobeck erwartet an diesem Tag eine große Schar Gratulanten zum Geburtstagsempfang. Sicher kann man aber auch sein, dass er dann trotzdem am Abend in seinem Haus in Briesen die Laufschuhe schnürt, um noch eine Runde im Wald zu drehen. Ein Läufer eben.

Hatte beim German Meeting in Cottbus den Hut auf – und in diesem Fall eben auch mal den Helm: Uli Hobeck.
Hatte beim German Meeting in Cottbus den Hut auf – und in diesem Fall eben auch mal den Helm: Uli Hobeck. FOTO: Springermeeting
Hier findet er Entspannung: Ulrich Hobeck mit seiner Frau Cathrin auf der Terrasse ihres Hauses in Briesen.
Hier findet er Entspannung: Ulrich Hobeck mit seiner Frau Cathrin auf der Terrasse ihres Hauses in Briesen. FOTO: Wolfgang von der Burg/vdb1