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| 06:23 Uhr

Olympia
Ein Cottbuser liegt auf Goldkurs

Im Zweierbob liegen Pilot Nico Walther (r.) und sein Anschieber Christian Poser aus Cottbus nach zwei von vier Läufen hauchdünn in Führung.
Im Zweierbob liegen Pilot Nico Walther (r.) und sein Anschieber Christian Poser aus Cottbus nach zwei von vier Läufen hauchdünn in Führung. FOTO: Tobias Hase / dpa
Pyeongchang. Zweierbob-Pilot Nico Walther führt mit Anschieber Christian Poser aus Cottbus zur Halbzeit. Am Montagmittag fällt die Entscheidung.

Trotz eines Crashs bei der Zieldurchfahrt hat Zweierbob-Pilot Nico Walther zur Halbzeit der olympischen Rennen in Pyeongchang Kurs auf Gold genommen. Mit seinem Anschieber, dem Cottbuser Christian Poser, lag er nach den ersten beiden von vier Läufen am Sonntag eine Zehntelsekunde vor dem Kanadier Justin Kripps. Walther und Poser waren im zweiten Durchgang im Zielbereich mit ihrem Schlitten umgekippt, blieben aber unverletzt.

„Ich wollte ein bisschen Weg sparen, da ist es eben passiert. Ich hatte mich richtig erschrocken, als ich hörte, wir führen. Es war wie ein Adrenalinausstoß“, sagte der Oberbärenburger, den der Sturz ansonsten nicht beeindruckte. „Wir wollen morgen zweimal gut Bob fahren und mal sehen, zu was es reicht. Selbst Bronze wäre ein gigantischer Erfolg im Zweier.“

Der ehemalige Lausitzer Sportschüler Christian Poser (31) ist in Cottbus geboren und aufgewachsen und hatte sich zunächst als Leichtathlet versucht. In der B-Jugend wurde Poser deutscher Meister über 100 Meter. Nach der 10. Klasse ging der Lausitzer dann nach Potsdam. Seine Sprintstärke kommt ihm nach dem Wechsel zum Wintersport vor zehn Jahren als Anschieber zugute. Seit Sommer 2014 ist er mit der US-amerikanischen Bobfahrerin Jamie Greubel verheiratet. Beide leben in Potsdam, wobei Poser schon damals gegenüber der RUNDSCHAU deutlich machte: „Cottbus ist meine geliebte Heimat, ich komme regelmäßig gern dorthin zurück.“

Christian Poser mit seiner Ehefrau Jamie Greubel Poser.
Christian Poser mit seiner Ehefrau Jamie Greubel Poser. FOTO: Ina Fassbender / dpa

Johannes Lochner mit Christopher Weber und der viermalige Zweierbob-Weltmeister Francesco Friedrich mit Thorsten Margis als Fünfter haben ebenfalls noch gute Medaillenchancen. Der nach dem ersten Durchgang führende Lette Oskars Melbardis fiel im zweiten Lauf auf Rang vier zurück. Die Entscheidung fällt am Montag (12.15 Uhr MEZ) in den Durchgängen drei und vier.

Lochner sah bei sich auf dem Weg zur Medaille noch Steigerungspotenzial. „Der Start ist nicht so entscheidend, bei uns passte nur die Kurve neun einfach nicht. Treffen wir diese morgen, können wir den Platz halten“, sagte der Berchtesgadener über seine Probleme mit der kniffligsten Passage der Bahn.

Schrecksekunde für das Zweierbob-Team nach dem Zieleinlauf.
Schrecksekunde für das Zweierbob-Team nach dem Zieleinlauf. FOTO: Michael Sohn / dpa

Friedrich stellte mit Anschieber Margis einen Startrekord in 4,85 Sekunden auf, konnte aber keinen Vorteil daraus ziehen. Cheftrainer René Spies kritisierte zwar die Fahrlinie von Friedrich, fühlte aber mit seinem Vorzeigepiloten: „Es tut mit leid für die Jungs, weil sie so stark gestartet sind.“

Won Yun Jong, der mit Startnummer 30 Lospech hatte, kam nur auf Platz neun. Auffällig: Die Eismeister der Bahn kühlten für den Weltcup-Gesamtsieger von 2015 – anders als beim Training (-8 Grad) – die Bahn plötzlich zum Rennen auf minus 13 Grad Celsius herunter. Zudem verkürzten sie die sonst 50 Meter lange Startspur um zwei Meter und ließen während der Trainingsläufe die Sonnensegel runter. Damit war die internationale Konkurrenz in ihrer Sicht durch das Kurvenlabyrinth behindert.

Won, der vom kanadischen Trainer Pierre Lueders betreut wird, fuhr in diesem Winter nur drei Weltcups und trainierte sonst komplett in Pyeongchang. Die Trainingsläufe vor dem Rennen ließ er fast komplett aus. Dennoch leistete er sich selbst einige Fahrfehler.

29.01.2018, Brandenburg, Kienbaum: Die Bob-Fahrer Kevin Kuske (l-r), Lisa-Marie Buckwitz und Christian Poser vom SC Potsdam stehen während eines Pressetermins im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum Kienbaum. Die in das Olympia-Team berufenen Brandenburger Bobsportler aus dem Verein SC Potsdam e.V. absolvieren in Kienbaum ihr Abschlusstraining. Sie werden als Anschieber (Zweier- und Viererbob) an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang vom 9. bis zum 25. Februar teilnehmen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
29.01.2018, Brandenburg, Kienbaum: Die Bob-Fahrer Kevin Kuske (l-r), Lisa-Marie Buckwitz und Christian Poser vom SC Potsdam stehen während eines Pressetermins im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum Kienbaum. Die in das Olympia-Team berufenen Brandenburger Bobsportler aus dem Verein SC Potsdam e.V. absolvieren in Kienbaum ihr Abschlusstraining. Sie werden als Anschieber (Zweier- und Viererbob) an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang vom 9. bis zum 25. Februar teilnehmen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: Patrick Pleul / dpa
(dpa/sh)