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Ein Brett für den Weltmeister

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Berlin. Die deutschen Schwimmer müssen bei der deutschen Meisterschaft in Berlin als Reaktion auf die Olympia-Pleite harte Normen erfüllen. Selbst Topstar Marco Koch ist dabei gefordert. Christian Kunz und Thomas Eßer

Auch der Schwimm-Weltmeister muss sich für das WM- Ticket mächtig strecken. Marco Koch muss für die Qualifikation für den Saisonhöhepunkt in etwa so schnell schwimmen wie vor einem knappen Jahr im Olympia-Finale. "Solche Zeiten schüttelt man nicht so leicht aus dem Ärmel", sagte der 27 Jahre alte Brustschwimmer vor den am Donnerstag beginnenden Titelkämpfen in Berlin.

Ein Jahr 2016 mit gemischten Gefühlen liegt hinter Koch. Der Weltrekord und der doppelte WM-Titel auf der Kurzbahn sorgten für ein goldenes Ende der Olympia-Saison. Doch viel, viel lieber wäre der beste deutsche Schwimmer der vergangenen Jahre in Rio der Schnellste gewesen. "Es ist natürlich traurig, dass es zu dem Zeitpunkt, an dem es am wichtigsten gewesen wäre, nicht zu 100 Prozent gepasst hat, weil man krank oder verletzt war", sagte Koch.

Koch ist keiner, der lange damit hadert. Nach den Sommerspielen am Zuckerhut richtete er den Blick schnell nach Tokio. In drei Jahren will er in diesem einen Rennen seine Bestleistung abrufen. Gleich nach Olympia nahm er bis zu 13 Kilogramm ab und verlor trotz der Diät innerhalb weniger Wochen nicht seine Leistungsfähigkeit. Und vor dieser Saison, die bei der WM vom 14. bis 30. Juli in Budapest ihren Höhepunkt hat, optimierte Koch das Krafttraining. "Das hat sehr lange gedauert, bis ich wieder ein Gefühl für die neue Kraft bekommen habe. Erst seit ein paar Wochen fühle ich mich wieder wie ein Schwimmer", berichtete der Langbahn-Weltmeister von 2015.

In Rio belegte Weltmeister Koch in 2:08,00 Minuten Rang sieben über 200 Meter Brust. Für das WM-Ticket muss er in Berlin im Finale 2:08,20 erreichen. Es sind insgesamt für die älteren Athleten die Zeiten gefordert, die bei Olympia den Endlauf gebracht hätten. "Das ist ein Brett, auch für ihn", sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz. "Aber das ist der Maßstab in der Welt - daran müssen wir uns messen."

Die harten Normzeiten sind eine Reaktion auf die Olympia-Pleite ohne Medaille. Nur wenige ältere deutsche Schwimmer werden es daher wohl in das WM-Team schaffen. Für die U23-Athleten gelten vereinfachte Normen. Die deutsche Auswahl soll für die Zukunft geformt werden.

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Der Cottbuser Olympia-Finalist Christian Diener (Foto: dpa) hat bei der DM in Berlin gleich drei Medaillenchancen (50m, 100m und 200m Rücken). Seine Schwester Eileen Diener, die wie ihr Bruder für den Potsdamer SV startet, schwimmt zusätzlich zu diesen drei Strecken noch die 200m Lagen. Die Cottbuserin Anna Dietterle (Wasserfreunde Spandau) ist für 50m und 100m Freistil sowie 50m Schmetterling vorgesehen. Vom PSV Cottbus sind Jill Richart (50m und 100m Rücken), Simon Fritsch (100m Schmetterling) und Jan Scholtz (100m und 200m Rücken, 200m Lagen) gemeldet.