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Dortmund mit jugendlicher Not-Elf

Wegen des hohen Krankenstandes schlägt ´in Dortmund die Stunde der Youngsters wie Christian Pulisic und Ousmane Dembélé (beide vorn M.) sowie Felix Passlack. Sie sind alle noch keine 20 Jahre alt.
Wegen des hohen Krankenstandes schlägt ´in Dortmund die Stunde der Youngsters wie Christian Pulisic und Ousmane Dembélé (beide vorn M.) sowie Felix Passlack. Sie sind alle noch keine 20 Jahre alt. FOTO: dpa
Lissabon. Die Ausgangslage ist vielversprechend, der Krankenstand bedenklich. Der BVB will trotz anhaltender Personalnot die Tabellenführung in der Champions League erfolgreich verteidigen. Dazu muss die Not-Elf jedoch mehr zeigen als zuletzt beim 1:1 gegen Hertha BSC. Heinz Büse

Thomas Tuchel fühlte sich an seine Zeit als Trainer der Mainzer Jugend erinnert. Gleich fünf Spieler von Borussia Dortmund, die den Flieger nach Portugal bestiegen, waren jünger als 20 Jahre. Verletzungssorgen zwingen den BVB-Coach im Schlüsselspiel der Champions League bei Sporting Lissabon am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) erneut zu einer Verjüngung des Kaders.

Angesichts dieses Handicaps quittierte Sportdirektor Michael Zorc die scherzhafte Frage, ob er seine Fußball-Schuhe im Gepäck habe, mit einem gequälten Lächeln. "Das würde nicht helfen." Trotzig fügte der einstige BVB-Profi hinzu: "Wir müssen versuchen, die Aufgabe auch so zu bewältigen."

Der hohe Krankenstand trifft den BVB zur Unzeit. Denn nach Einschätzung von Zorc fällt in den beiden Duellen mit den Portugiesen die Entscheidung, wer es in die K.o.-Runde des Wettbewerbs schafft: "Man muss kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass die Spiele gegen Lissabon eine sehr bedeutende Wirkung für den Ausgang der Gruppe haben." Der 54 Jahre alte Sportdirektor machte eine einfache Rechnung auf: "Real Madrid wird sich am Ende durchsetzen. Dann geht es darum, wer im Vergleich mit Lissabon die stärkere Mannschaft ist."

Noch befindet sich der BVB nach dem 6:0 bei Legia Warschau und dem 2:2 gegen Real Madrid in einer guten Ausgangslage. "Wir sind Erster in der Gruppe. Das wollen wir auch bleiben und zurück auf die Siegerstraße", sagte Torhüter Roman Bürki. Doch das Fehlen diverser Stammkräfte dürfte dieses Vorhaben erheblich erschweren. Wie knifflig es ist, mit Youngstern wie Emre Mor, Ousmane Dembélé, Christian Pulisic und Felix Passlack den eigenen Ansprüchen zu genügen, bekam der BVB schon beim 1:1 am vorigen Freitag gegen Hertha BSC zu spüren. "Ich habe nicht gedacht, dass wir so früh in der Saison so jung und unerfahren spielen werden", sagte Tuchel im Anschluss an die Partie.

Viele Langzeitausfälle

Zu allem Überfluss wurden die gegen die Berliner als "Notnägel" eingesetzten Joo-Ho Park und Mikel Merino nicht für die Champions League gemeldet. Hinzu kommen die Langzeitausfälle Sven Bender, Erik Durm und Marco Reus. Auch André Schürrle, Raphael Guerreiro, Regisseur Gonzalo Castro, Außenverteidiger Marcel Schmelzer und Angreifer Adrian Ramos stehen nicht zur Verfügung.

Es spendet den Dortmundern nur wenig Trost, dass auch der Gegner um den ehemaligen Wolfsburger Bast Dost nicht in Bestbesetzung auflaufen kann. So muss Sporting in beiden Spielen gegen den BVB ohne den strategisch wichtigen Kapitän Adrien Silva auskommen. Die schwache Heimbilanz der Portugiesen gegen deutsche Clubs könnte dem BVB ebenfalls Mut machen. In nur zwei von zwölf Partien gab es einen Sieg.