| 02:45 Uhr

Dortmund im Glück – Bayern geschockt

München. Dieser qualvolle Abend hat den FC Bayern über den Pokal-K.o. hinaus schwer erschüttert. Das Triple ist futsch, zwei Stars sind schwerer verletzt – und das vor dem Europa-Gipfel gegen den FC Barcelona. Das Duell gegen seine Liebe wird für Guardiola zur Herkulesaufgabe. dpa/noc

Arjen Robben humpelte nach seinem bitteren Saison-Aus an Krücken aus der Arena, Robert Lewandowski musste wegen seiner schmerzhaften Brüche im Gesicht noch in der Nacht in die Klinik. Nach den Schock-Diagnosen für ihre Offensivstars haben die niedergestreckten Bayern eine Woche vor dem Champions-League-Gipfel gegen Pep Guardiolas langjährige Liebe FC Barcelona weitaus mehr als nur den grotesken Elfmeter-K.o. gegen Borussia Dortmund wegzustecken. Triple adé, erneut große Personalsorgen und ein erschüttertes Mia-san-Mia-Gefühl: Nach dem Scheitern im Pokal-Halbfinale gegen den BVB auf der Jürgen-Klopp-Abschiedstournee muss Trainer Guardiola in den Tagen bis zu seinem bislang größten Bayern-Spiel schwierige Aufbauarbeit leisten und knifflige Aufstellungsfragen lösen.

Für Robben, der beim 1:3 nach Elfmeterschießen gegen die Borussia gerade sein Comeback nach über fünf Wochen gab, ist die Saison nach einem Muskelbündelriss in der Wade vorzeitig beendet. Lewandowski brach sich Oberkiefer und Nasenbein, erlitt dazu eine Gehirnerschütterung und muss mit Blick auf seine nächsten Einsatzchancen weiter untersucht werden. "Schlimmer geht's nimmer", kommentierte der Fußball-Rekordmeister die bitteren Botschaften.

"Wir müssen uns jetzt schütteln und nächsten Mittwoch in Barcelona mit neuem Elan, mit neuem Spirit auf den Platz gehen", forderte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach dem kuriosesten Bayern-Elfmeterschießen. Dass aus dem Schütteln kein Beben wird, hängt auch von der Art und Weise des Halbfinal-Auftritts in Spanien und eine Woche später in München gegen Lionel Messi, Neymar & Co. ab. Nach den neuesten Ausfällen haben die Bayern kaum Offensivpower entgegenzusetzen.

"Wir werden uns die Tage mit dem Pokal-Aus beschäftigen, aber dann muss irgendwann der Blick wieder nach vorne gehen", sagte Kapitän Philipp Lahm, während lautstarkes Siegesgegröle aus der BVB-Kabine schallte. Beim Showdown auf das Tor, das vor drei Jahren beim "Finale dahoam" gegen Chelsea schon einmal Endstation im Elfmeterschießen war, scheiterte Lahm ebenso wie Xabi Alonso, Mario Götze und Manuel Neuer. Zweimal kurios ausgerutscht, einmal gehalten, einmal Latte.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp wurde mit Sprechchören gefeiert, als er nach Mitternacht als Triumphator die Münchner Arena verließ und zum Mannschaftsbus schritt. "Das war ein ganz, ganz großer Abend. Ich wollte unbedingt in dieses Finale. Wir haben es erreicht gegen diesen unfassbaren starken Gegner. Das ist geil", schwärmte der 47 Jahre alte Trainer.

1:1 stand es nach 120 Minuten. Es war ein Fußball-Abend, der in die Pokal-Historie eingehen wird. Und er bescherte Klopp ein großes Abschiedsspiel mit dem BVB am 30. Mai in Berlin, in dem er sich den Traum von einer finalen Jubelfahrt mit dem "Pott" über den Dortmunder Borsigplatz erfüllen könnte.

Klopp hatte seine Mannschaft in der Halbzeitpause aufgefordert, sich zu wehren. "Hier hat die ganze Welt schon verloren. Hier kann man untergehen, das ist Porto passiert. Aber wenn wir untergehen, dann mit fliegenden Fahnen", appellierte er. Mit der Einwechslung von Henrich Mchitarjan führte der Trainer die Wende selbst mit herbei. Der Armenier bereitete das 1:1 von Aubameyang (75.) vor. Der frühere Dortmunder Lewandowski hatte die Gastgeber nach 29 Minuten in Führung geschossen. "Wir haben es umgekehrt gemacht wie in London vor zwei Jahren", erinnerte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke an das verlorene Cham pions-League-Finale 2013, als erst Dortmund besser war und später der glückliche Gewinner Bayern München.