| 15:51 Uhr

Doppelte Spannung bei den Stehern

Die Forster Stefan Schäfer und Franz Schiewer treten als Nationalmannschaft gegen die Niederlande (hier Patrick Kos/mit Mütze) an.
Die Forster Stefan Schäfer und Franz Schiewer treten als Nationalmannschaft gegen die Niederlande (hier Patrick Kos/mit Mütze) an. FOTO: Hammerschmidt
Forst. Am Sonntag findet mit dem Europa-Kriterium in Forst erstmals wieder ein Länderduell statt. Außerdem geht es um die Startplätze für die EM. Frank Noack / noc

Es ist angerichtet für einen doppelt spannenden Steher-Nachmittag an diesem Sonntag ab 14 Uhr in "Forschte" mit den Lokalmatadoren Stefan Schäfer und Franz Schiewer. Denn die Fans der schnellen Männer hinter den knatternden Motorrädern dürfen sich auf gleich zwei interessante Rennformate des gastgebenden PSV Forst freuen. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Europa Kriterium, bei dem sich die Nationalteams von Deutschland und den Niederlanden auf der 400 Meter langen Betonbahn in zwei Läufen über 30 und 40 Kilometer duellieren. "Das wird sicher eine sport liche Schlacht werden", kündigt Frank Schneider als Sportlicher Leiter der Veranstaltung an, auch wenn sich im Vorfeld bei der Be setzung des Starterfeldes nicht alle Wünsche realisieren ließen.

Außerdem gibt es ein Sichtungsrennen über 40 Kilometer, bei dem Mario Vonhof als Beauftragter für den Steher- und Dernysport im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) noch maximal zwei Startplätze für die Europameisterschaft im Herbst in Berlin zu vergeben und dabei auch den Cottbuser Nico Heßlich im Visier hat. "Dieses Sichtungsrennen ist alles andere als ein B-Rennen. Es hat eine große Bedeutung für die EM-Nominierung", erklärt Vonhof.

Die beiden gebürtigen Forster Stefan Schäfer und Franz Schiewer haben das Ticket für die kontinentalen Titelkämpfe am 20. und 21. Oktober im Berliner Velodrom schon so gut wie sicher, weil der Leistungsabstand zu den übrigen deutschen Gespannen riesengroß ist. Seine Vormachtstellung untermauerte das Duo auch kürzlich bei den nationalen Meisterschaften in Nürnberg, als sich Schäfer seinen mittlerweile vierten Steher-Titel in Folge sicherte und Schiewer mit großem Anstand zur übrigen Konkurrenz auf Rang zwei fuhr.

Die Herausforderung für die beiden dominierenden Fahrer in dieser Spezialdisziplin des Radsports besteht am Sonntag vielmehr in dem besonderen Format. Denn erstmals seit Ende der 1990er-Jahre gibt es wieder einen Länderkampf in Forst. Ursprünglich sollten mit Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich sogar vier Nationen bei diesem Europa-Kriterium an den Start gehen. Die Pläne der Organisatoren zerschlugen sich jedoch, weil die Fahrer aus Frankreich bei anderen Rundfahrten unterwegs sind. Auch die Schweiz bekommt derzeit kein Trio zusammen, weil der amtierende Meister Claudio Imhof verletzt ist und Giuseppe Atzeni aus beruf lichen Gründen fehlt. Die Farben der Eidgenossen vertritt der EM-Vierte Peter Jörg als Einzelstarter.

Mario Vonhof, quasi der Bundestrainer der Steher, erwartet trotzdem ein spannendes Länderduell zwischen Deutschland und den Niederlanden. Denn während bei den anderen Steherrennen meistens jeder Fahrer für sich fährt, wird es diesmal sicher das eine oder andere taktische Manöver der Teams geben. "Wir wollen im Hinblick auf die EM einige Dinge probieren und dann einfach mal schauen, wie die anderen Nationen reagieren", kündigt Vonhof an.

Nicht minder spannend wird es im Sichtungsrennen zugehen. Denn hier dürfte mindestens eine Vorentscheidung darüber fallen, wer neben Stefan Schäfer und Franz Schiewer zur Heim-EM im Herbst in Berlin darf. Normalerweise hat jede Nation drei Startplätze. Weil Schäfer als Titelverteidiger an den Start geht, bekommt er jedoch automatisch einen persönlichen Startplatz, sodass sich das BDR-Kontingent auf vier EM-Tickets erhöhen würde. Die entsprechende mündliche Zusage durch den Europäischen Radsportverband (UEC) liegt laut Vonhof bereits vor.

Aber wer bekommt die zwei noch zu vergebenden EM-Startplätze? Der Cottbuser Nico Heßlich gehört als Dritter der deutschen Meisterschaften zum Kreis der Anwärter. Dazu kommen der erfahrene Thomas Steger aus Nürnberg, der am Sonntag allerdings an der Seite von Schäfer und Schiewer im Nationalteam startet, sowie Robert Retschke (Aachen). Außenseiterchancen besitzen Daniel Harnisch aus Leipzig und Newcomer Stefan Lange aus Rostock.

Vonhof will die EM-Startplätze allerdings nicht nur anhand der Platzierung in diesem Sichtungsrennen vergeben, sondern auch ganz genau auf die Fahrweise von Heßlich & Co. achten. Volle Attacke lautet seine Vorgabe mit Blick auf die ganz speziellen Bedingungen in Berlin. Denn die EM wird auf einer mit 250 Metern Länge für Steher vergleichsweise kurzen Bahn ausgetragen. Statt eine dauerhaft hohe Geschwindigkeit treten zu können, sind dort von den Fahrern also vor allem knackige Tempowechsel gefragt, um sich vor allem auf den ersten Kilometern in eine gute Position zu bringen. "Deshalb will ich auch in Forst möglichst viele Aktivitäten sehen", benennt Vonhof ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe der EM-Startplätze.

Zum Thema:
Beginn: Das Europa-Kriterium der Steher auf der Radrennbahn in Forst beginnt am Sonntag um 14 Uhr. Die Fahrervorstellung startet um 14.15 Uhr. Rennen: Der Länderkampf wird in zwei Läufen über 30 und 40 Kilometer ausgetragen. Das ebenfalls stattfinde Sichtungs rennen um die zwei noch freien EM-Startplätze geht über 40 Kilometer. Karten: Stehplatztickets gibt es für sechs Euro, Sitzplatzkarten kosten ab elf Euro. www.psv-forst-lausitz.de (noc)